Von Guido Berg: Liebhaberei in der Posthofstraße
Fassade der ehemaligen Schauspielerkaserne mit imposantem Giebelfries wieder zu sehen
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Innenstadt - Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt hat Potsdam ein kunst- wie kulturgeschichtlich bedeutsames Kleinod der Baugeschichte zurückerhalten: Seit Anfang Oktober ist die Fassade der Schauspieler-Kaserne in der Posthofstraße wieder in alter Schönheit zu sehen. Blickfang der Fassade ist ein von Gottfried Schadow entworfenes Giebelfries, dass von den Restauratoren Lutz Peter und Rudolf Böhm in aufwändiger Kleinarbeit wieder aufgearbeitet wurde. Für Böhm, ehemals Leiter der Restauratorenwerkstatt der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, ist die Arbeit Lutz Peter zufolge die „Krönung seines Lebenswerkes“. Wie Peter gestern den PNN sagte, war die einst von den Gebrüdern Wohler ausgefertigte Figurengruppe des Frieses bereits in schlechtem Zustand. Durch den sauren Regen hätte den antiken Figuren ganze Finger gefehlt. Auf der rechten Seite des Frieses verkörpern die Figuren Momente der Tragödie – ein Soldat stürzt sich ins Schwert, Vater Dädalus zeigt seinem Sohn Ikarus den Weg zur Sonne – mit bekanntem tragischen Ende. Auf der linken Seite verkörpern weibliche Figuren, Engel, Harfen und Putten der griechischen Mythologie die Komödie.
Nach Fertigstellung der Fassade soll bis Februar 2009 die Innensanierung erfolgen, informierte Bauleiter Udo Teichmann. Die Gesamtsanierungskosten gab Architektin Ilka Reimer gestern mit etwa zwei Millionen Euro an. Es entstehen 34 Ein- und Zweiraumwohnungen, die zu Preisen von acht bis zehn Euro pro Quadratmeter vermietet werden. Zu den noch zu bestehenden restaurativen Herausforderungen gehört laut Teichmann das originale Treppenhaus. Auch die alten imposanten Rauchabzüge im Dachgeschoss sollen erhalten werden.
In der so genannten Schauspielerkaserne wohnten einst die Schauspieler der nahen „Kanaloper“. In den Jahren 1793 bis 1795 war das Stadttheater auf Befehl des Königs Friedrich Wilhelm II. errichtet worden. Wie auch das Schauspielhaus stammt der Entwurf für die Schauspielerkaserne von Carl Gotthard Langhans (1732-1808); ausgeführt hat beide Bauten Michael Phillip Boumann d.J.. Langhans ist auch Architekt des Brandenburger Tors in Berlin. Er gilt als der bedeutendste Vertreter frühklassizistischer Architektur in Preußen. Die Kanaloper wurde im Krieg beschädigt und zu DDR-Zeiten abgerissen, die Schauspielerkaserne blieb stehen und diente als Wohnhaus. Das Portal der Kanaloper war geschmückt durch ein Relief, das ebenfalls von Schadow stammte. Dieses Fries ist heute im Kronprinzenpalais in Berlin, Unter den Linden, zu sehen.
Für Holger Behnke, Inhaber der alten Schauspielerkaserne, ist die Sanierung dieses Hauses „reine Liebhaberei“. Nicht umsonst habe sich 20 Jahre niemand an das Projekt gewagt, sagte er gestern. Das Vorhaben sei mit vielen Auflagen einhergegangen, es habe viele Schwierigkeiten gegeben und doch, er habe es nicht bereut, sich der Aufgabe gestellt zu haben.
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