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In Potsdam wohnten zuletzt mehr als 185.000 Menschen. 
© Ottmar Winter PNN

Wohnen in Potsdam: Mietpreise steigen langsamer

Im Rathaus wurde der neue Mietspiegel für Potsdam vorgestellt. Günstig sind vor allem ältere Plattenbauwohnungen. Neubauten treiben das Niveau dagegen nach oben.

Von Marco Zschieck

Potsdam - Wer auf Immobilienportalen nach Wohnungsangeboten in Potsdam sucht, braucht Geduld. Es gibt zwar Angebote, doch richtig günstig sind sie selten. Da ist zum Beispiel die Zwei-Zimmer-Wohnung in Fahrland mit Balkon aus den 1990er-Jahren. 548 Euro Kaltmiete verlangt der Vermieter für 60 Quadratmeter. Das sind sind 9 Euro pro Quadratmeter. Teurer geht es natürlich immer: Für die nagelneue stilvolle Dachgeschosswohnung mit drei Zimmern in Babelsberg werden stolze 1850 Euro für 96 Quadratmeter aufgerufen. Das sind mehr als 19 Euro pro Quadratmeter.

Ob das alles mit dem Mietspiegel in Einklang steht, können die künftigen Mieter auch nach Vertragsunterzeichnung noch prüfen. Für Potsdam wurde der neue Mietspiegel am Dienstag im Rathaus vorgestellt. Er gilt ab dem heutigen Mittwoch. Im Durchschnitt aller erhobenen Daten lag die Kaltmiete pro Quadratmeter demnach bei 7,18 Euro. Das waren 19 Cent mehr als im Mietspiegel 2020. Das entspricht 2,72 Prozent. So wenig ist der Mietspiegel in Potsdam seit dem Jahr 2006 nicht mehr gestiegen. Zwischen 2016 und 2018 waren es noch 3,82 Prozent, im Zeitraum davor fast sieben Prozent.

Qualifizierter Mietspiegel sorgt im Streitfall für Rechtssicherheit

Entsprechend erfreut war man bei der Stadtverwaltung. „Der Potsdamer Mietspiegel entkoppelt sich derzeit von den Mietentwicklungen anderer Regionen“, so die Sozialbeigeordnete Brigitte Meier (SPD). Grund sei der hohe Anteil von Wohnungen der sozialen Wohnungswirtschaft. Die kommunale Pro Potsdam und mehrere Genossenschaften halten in Potsdam rund 40 Prozent des Wohnungsbestandes. Mietpreisbremse und andere Regelungen zeigten Wirkung, hieß es.

Potsdams Sozialbeigeordnete Brigitte Meier (SPD).
Potsdams Sozialbeigeordnete Brigitte Meier (SPD).
© Ottmar Winter PNN

Potsdam hat einen sogenannten qualifizierten Mietspiegel, der im Streitfall für Rechtssicherheit sorgt, erklärten die Macher von der Stadtverwaltung, den Vertretern von Mieterverbänden, Vermietern und Eigentümerverbänden. Im Mietspiegel kann die ortsübliche Vergleichsmiete je nach Wohnungsgröße, Baujahr und Sanierungsgrad in Tabellen eingesehen werden. 

Erfasst wurden diesmal Daten zu 31.253 Wohnungen, die seit 2016 entweder neu vermietet wurden oder für die die Miete erhöht wurde. Erstmals wurden also die vergangenen sechs Jahre betrachtet und nicht nur die vergangenen vier. Mieten für Sozialwohnungen, Wohnheime, Wohnungen in Ein- und Zweifamilien- sowie Reihenhäusern und möblierte Wohnungen fließen nicht in die Berechnung ein.

Plattenbauwohnungen am günstigsten

Günstig sind vor allem Plattenbauwohnungen aus der Bauzeit zwischen 1971 und 1990. Dafür werden je nach Größe zwischen 5,50 Euro und 6,88 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter gezahlt. Im Vergleich zum Mietspiegel aus dem Jahr 2020 hat sich in diesem Segment praktisch nichts bewegt.

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Höher sind Mieten in seit 2009 errichteten Neubauwohnungen. Bei Wohnungen bis 45 Quadratmetern lag die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter bei 10,82 Euro. Wohnungen von 75 bis 90 Quadratmeter kosteten pro Quadratmeter immer noch 10,44 Euro Kaltmiete. Dass es nicht mehr geworden ist, liegt an einer neuen Kategorie für ab 2013 gebaute Wohnungen. Die sind in der Regel teurer und würden so bei der Neuvermietung den Durchschnitt der etwas älteren Neubauwohnungen nach oben verzerren. Für ab 2013 gebaute Neubauwohnungen liegen die Werte je nach Größe zwischen 10,77 Euro und 11,21 Euro je Quadratmeter Kaltmiete.

Unterschiedliche Beurteilung der Lage

Bei den beteiligten Akteuren stießen die Ergebnisse überwiegend auf Zustimmung. Bei der Beurteilung ging es dann allerdings etwas auseinander. Der statistisch nachgewiesenen gebremsten Mietentwicklung in Potsdam stünden deutliche Kostenerhöhungen für die Wohnungsunternehmen gegenüber, sagte Jörn-Michael Westphal, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft Pro Potsdam. Die durchschnittliche Kaltmiete in seinem Unternehmen liege mit 6,68 Euro pro Quadratmeter deutlich unter dem Mittelwert des Mietspiegels.

Jörn-Michael Westphal, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft Pro Potsdam.
Jörn-Michael Westphal, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft Pro Potsdam.
© Ottmar Winter PNN

Holger Catenhusen vom Mieterverein Potsdam und Umgebung sagte: „Der Mietspiegel belegt, dass das Preisniveau in Potsdam weiter angezogen hat – erfreulicherweise allerdings nicht in jedem Segment.“ 

Holger Catenhusen vom Mieterverein Potsdam und Umgebung.
Holger Catenhusen vom Mieterverein Potsdam und Umgebung.
© Ottmar Winter PNN

Gunter Knierim vom Haus- und Grundeigentümerverein Potsdam und Umgebung beklagte hingegen im Neubausegment die „preistreibende Wirkung staatlicher Eingriffe“. 

Die privaten Vermieter hätten die Mieten nur in sozialverträglichem Ausmaß noch unterhalb der Kostensteigerung der Baukosten erhöht. Es sei bedauerlich, dass die Mietsteigerungen hinter der Inflationsrate zurückbleiben.

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