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Von Jana Haase: Musik und Schnee

Das Deutsche Filmorchester Babelsberg spielte gestern die Kompositionen von drei Nachwuchstalenten der Berlinale ein

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Dass Potsdamer zur Berlinale gehen, ist nichts Neues: Gestern aber kam die Berlinale nach Potsdam. Genauer gesagt zum Deutschen Filmorchester Babelsberg auf dem Studiogelände in der August-Bebel-Straße. In dem geschichtsträchtigen Tonstudio, wo Ufa-Klassiker und DEFA-Filme vertont wurden und momentan die Filmmusik für den Action-Streifen „Ninja Assassin“ abgemischt wird, gab es gestern internationalen Besuch: Das 55-köpfige Orchester nahm die Kompositionen von drei Teilnehmern des Berlinale „Talent-Campus“ auf. Eine Jury hatte die drei Nachwuchstalente vorher aus hunderten Bewerbern beim Filmmusik-Wettbewerb „Volkswagen Score Competition“ ausgewählt.

„Davon, einmal hier arbeiten zu können, habe ich geträumt“, sagt Moritz Schmittat beim ersten Blick in das geschichtsträchtige Studio mit den tannengrünen Vorhängen: „Ich bin aufgeregt.“ Der 27-Jährige studiert normalerweise auf dem Royal College of Music in London Filmmusik. Aus Warschau war Atanas Valkov gekommen, den weitesten Anreiseweg hatte jedoch Vinicius Calvitti: Der 32-jährige Brasilianer kam aus São Paulo zur Berlinale. Es sei seine erste Reise ins Ausland überhaupt, erzählte er: „Als ich ankam, hat es geschneit: Ich habe zum ersten Mal Schnee gesehen.“

Eine Premiere waren für ihn auch die Aufnahmen mit einem professionellen Orchester: „Normalerweise arbeite ich zuhause mit Computer und Keyboard“, sagte er. Einige Kurzfilme von Studenten habe er bereits vertont. „Aber das hier ist „the real thing““, sagt Calvitti, der ins Filmmusik-Geschäft einsteigen möchte.

Für das Filmorchester Babelsberg ist die Arbeit mit Studenten dagegen Routine, erklärte Intendant Klaus-Peter Beyer den PNN. Das Orchester, das erst 2007 wieder zurück auf das Studiogelände gezogen ist, arbeite regelmäßig mit HFF-Studenten und ist auch bei der Berlinale-Sektion „Talent-Campus“ zum fünften Mal dabei. „Wir machen das sehr sehr gerne“, betont Intendant Beyer, der gemeinsam mit HFF-Vizepräsident Martin Steyer auch in der Jury des Filmmusik-Wettbewerbs sitzt. Er hoffe, mit der Beteiligung an der Nachwuchsförderung der Berlinale auch einen Impuls setzen zu können: „Für mich ist diese Arbeit wichtiger als ein Roter Teppich“, sagt er über den „Talent-Campus“. Denn wenn es um Filmmusik gehe, wenden sich seiner Erfahrung nach die meisten Großproduktionen immer noch nach Osteuropa: „Dabei ist nicht nur der Film, sondern auch die Filmmusik hier entstanden“, betont Beyer. Die Nachwuchsarbeit bedeute für ihn eine „Investition in die Zukunft“. Sie könne helfen, die Arbeit des Orchesters aus dem „Mauerblümchendasein“ herauszuholen und international bekannter zu machen.

Während Beyer erklärt, spricht Vinicius Calvitti seine Partitur mit Dirigent Bernd Wefelmeyer durch. Nur wenige Minuten bleiben bis zum Aufnahmestart. Kleine Veränderungen notiert der Dirigent, um sie nachher seinem Orchester ansagen zu können. Den Zeitdruck sind die Orchestermusiker gewöhnt: „Wir spielen immer vom Blatt“, erklärt Hornist Gisbert Näther, während seine Kollegen ihre Instrumente stimmen: „Wenn wir die Noten fünf Minuten vor Beginn haben, haben wir schon Glück.“ Wenige Minuten später steigt Klaus-Peter Beyer vors Pult, um das Orchester zu begrüßen: „Neuer Tag, neues Spiel, neues Glück“, sagt er.

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