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Brigitte Grell wurde 100 Jahre alt.
© Andreas Klaer

Trauer um Brigitte Grell: Potsdamer Journalistin im Alter von 100 Jahren verstorben

Sie ließ sich von Zensoren nicht einschüchtern: Die ehemalige Chefredakteurin der „Potsdamer Kirche“, Brigitte Grell, ist tot. Ein Nachruf. 

Potsdam - Vor gut eineinhalb Monaten feierte Brigitte Grell, die ehemalige Chefredakteurin des evangelischen Sonntagsblatts „Potsdamer Kirche“, ihren 100. Geburtstag. Inmitten der Familie, von Freunden und Bekannten beging sie, geistig sehr rege, ihr Jubiläum mit einem Gottesdienst und einer anschließend fröhlichen Feier, bei der vielfältige Erinnerungen ausgetauscht wurden. Die promovierte Germanistin, ein Urgestein des Potsdamer Journalismus, lebte seit einigen Jahren im Evangelischen Seniorenzentrum Emmaushaus. In ihm ist Brigitte Grell am 29. Juli verstorben. 

Die nationalsozialistische Ideologie lehnte sie ab 

Die in Hannover am 16. Juni 1922 Geborene kam 1937 nach Potsdam. Ihre Mutter war aktives Mitglied der Bekennenden Kirche und auch Brigitte Grell hat als junge Frau die nationalsozialistische Ideologie völlig abgelehnt.  1951 übernahm sie die Chefredaktion der 1946 gegründeten Wochenzeitung „Potsdamer Kirche“. Das Kirchenblatt war bei den DDR-Behörden nicht beliebt. Woche für Woche mussten Zensoren die Zeitung lesen, bevor sie an die Abonnenten gingen. In fast jedem Artikel, ob in Bibelbetrachtungen oder Berichten aus den Gemeinden und von kirchlichen Kulturveranstaltungen, wurde Kritik am DDR-Staat vermutet. So manche Ausgabe durfte nicht erscheinen. 

Sie verteidigte die Freiheit des Journalismus 

Doch Brigitte Grell ließ sich davon nicht einschüchtern, sondern hat mit ihrer ganz eigenen Vehemenz die Freiheit des Journalismus verteidigt. Bis 1984 leitete sie die Redaktion der „Potsdamer Kirche“, eine Zeitung, die für Christen in der Landeskirche Berlin-Brandenburg von enormer Wichtigkeit war, konnte man doch in ihr ein Stück freie Berichterstattung und den Bruch mit starren Denkmustern, die oftmals in anderen Zeitungen der DDR zu Hause waren, wahrnehmen. Nach 1989 fusionierte das Wochenblatt mit der Zeitung "Die Kirche". Brigitte Grell hat die kirchlichen Publizistik hoch gehalten, mit großem Engagement, umfangreichem Wissen, menschlicher Größe und christlichem Versöhnungsgedanken. 

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