
© Manfred Thomas
Blutspende in Potsdam: Spendenknick nach dem Hochwasser
Im Sommer nimmt die Zahl der Blutspender ab: Deutsches Rotes Kreuz und das private Haema-Spendenzentrum wollen Spender mit Sonderaktionen werben
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Derzeit zeigt sich der Sommer von seiner heißesten Seite – eine Entwicklung, die nicht alle freut. Vor allem die Blutspendedienste haben wie jedes Jahr mit einem Sommerknick zu kämpfen: Bei großer Hitze sinkt die Spendenbereitschaft und viele regelmäßige Spender befinden sich im Urlaub. Zumindest was den Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) angeht, kann in Potsdam derzeit aber nicht von einem Engpass gesprochen werden. Laut DRK-Sprecherin Kerstin Schweiger ist das Spendenaufkommen in der Landeshauptstadt diesmal sogar etwas höher als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. „Trotzdem kann sich die Situation schnell ändern, wenn das sehr heiße Sommerwetter längere Zeit anhalten sollte“, sagt Schweiger.
Genau umgekehrt sieht es bei Haema, Deutschlands größtem privaten Blutspendedienst aus, der im Potsdamer Stern-Center eines von bundesweit 33 festen Spendezentren betreibt: Laut Unternehmenssprecher Jan Noack hat es in der Landeshauptstadt in den letzten Wochen rund ein Drittel weniger Spenden gegeben; ein Trend, von dem alle Haema-Blutspendezentren betroffen seien. Dadurch werde der August für Haema „extrem schwierig“, so Noack.
Ein möglicher Grund dafür sei das Hochwasser: „Nicht nur, dass einige Blutspendeeinrichtungen von der Flut betroffen waren, auch die Erreichbarkeit durch gesperrte Straßen führte zu einem verringerten Spendenaufkommen“, sagt Knud-Peter Krause, der das Haema-Blutspendezentrum in Potsdam betreibt. „Unzählige Menschen stehen mit Hab und Gut jetzt noch unter Wasser und viele sind als freiwillige Helfer unterwegs. Klar, dass das Thema Blutspende bei ihnen in den Hintergrund rückt.“
Allerdings habe das Hochwasser auch einen positiven Effekt gehabt, so Kerstin Schweiger: „In den von der Flut betroffenen Gebieten war eine sehr hohe Solidarität bei den Menschen zu spüren.“ Bei Haema beobachtete man Ähnliches: „An einigen Orten haben die Blutspender ihre Aufwandsentschädigung von jeweils 15 bis 20 Euro gesammelt, um anderen zu helfen“, sagt Noack. So hätten etwa die Spender in Thüringen für einen Kindergarten zusammengelegt.
Warum in Potsdam, das vom Hochwasser überhaupt nicht betroffen war, die Spendenbereitschaft ebenfalls zurückgegangen sei, kann Noack sich auch nicht ganz erklären: „Vielleicht sind Potsdamer Spender in betroffene Gebiete gefahren, um dort zu helfen.“ Insgesamt wird laut DRK in der Landeshauptstadt mehr Blut gespendet als im Bundesdurchschnitt: „Die Spendebereitschaft im Bereich Potsdam Stadt und Land ist relativ hoch“, sagt Schweiger. Das sei aber vor allem der hohen Anzahl von Berufspendlern zu danken, die die Termine in Potsdam und im Umland besuchen.
Dennoch besteht gerade in der Ferienzeit ein erhöhter Bedarf an Blutkonserven, bundesweit werden täglich rund 15 000 Blutspenden benötigt. Um zur Spende zu animieren, lassen sich die Spendedienste etwas einfallen: Während Haema seinen Freiwilligen ein kühles Eis anbietet oder Freikarten für den Erlebnisbad- oder Freizeitpark-Besuch verlost, verschenkt das DRK noch bis zum 28. Juli an Spender in Brandenburg praktische Outdoor-Decken fürs Picknick auf der Wiese.
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