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Das Go:In II in Golm ist einer von Potsdams großen Gewerbestandorten. Doch Flächen zu finden ist für Firmen nicht leicht. 
© Andreas Klaer

Potsdamer Gewerbemonitor: „Wer hier ist, bleibt hier“

Die Zufriedenheit der Potsdamer Firmen mit dem Wirtschaftsstandort steigt. Aber Wohn- und Gewerbeflächen bleiben Mangelware.

Potsdam - Potsdams Unternehmen zeigen sich zufrieden mit dem Standort, wollen diesem treu bleiben – aber nicht unbedingt expandieren. Viele Bereiche der Infrastruktur bewerten sie positiv, in Teilen der Verwaltungsarbeit sehen sie aber noch Luft nach oben. Das geht aus dem Gewerbemonitor 2022 hervor, den die LQM Marktforschung GmbH Mainz im Auftrag der Landeshauptstadt zum sechsten Mal seit 2008 erstellt hat. 200 Firmen mit mindestens zehn Mitarbeitern wurden in der repräsentativen Studie telefonisch befragt, das ist nach Schätzung der Wirtschaftsförderung etwa jede sechste Firma dieser Größenordnung.

"Sicherer Hafen in Krisenzeiten"

„Potsdam wird als sicherer Hafen wahrgenommen, um auch in Krisenzeiten durchzuhalten“, fasste Potsdams Wirtschaftsbeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos) am Dienstag zusammen. So sagten 93 Prozent der befragten Firmen, sie fühlten sich mit dem Standort verbunden und bewerteten einen Umzug als sehr unwahrscheinlich. Das waren elf Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren. „Wir beobachten eine extrem hohe Standortloyalität“, sagte Stefan Frerichs, Chef der Potsdamer Wirtschaftsforschung. „Wer hier ist, bleibt hier.“ 89 Prozent wollen in den Standort investieren, 68 Prozent planen künftig sogar ein stärkeres Engagement. 70 weitere Unternehmen nahmen online teil – hier fielen die Bewertungen schlechter aus.

Insgesamt zeigt der Vergleich zu den vergangenen Befragungen einen deutlichen Positivtrend. 90 Prozent gaben an, sie seien zufrieden mit dem Image der Stadt. Bei den vergangenen Gewerbemonitoren lag der Wert zwischen 72 und 77 Prozent. „Beim Image lassen wir alle hinter uns“, sagte Frerichs nicht ohne Stolz. Denn die Landeshauptstadt liege damit weit vor dem Schnitt der 21 Städte, in denen die LQM Marktforschung einen Gewerbemonitor durchführt.

Stefan Frerichs ist der Chef der Potsdamer Wirtschaftsförderung. 
Stefan Frerichs ist der Chef der Potsdamer Wirtschaftsförderung. 
© Sebastian Gabsch PNN

Potsdam wird, wenig überraschend, von den Firmen in erster Linie als Unesco-Welterbestadt wahrgenommen, als Standort für Film und Medien, für Verwaltung und Wissenschaft. Erstaunlich ist ein enormer Sprung nach oben in der Bewertung des Verkehrs: Mit 80 Prozent Zufriedenheit mit dem Nahverkehr hat sich der Wert mehr als verdoppelt, beim Straßennetz stieg die Zufriedenheit sogar von 15 auf 70 Prozent. Frerichs vermutet, das liege an der Wirksamkeit umstrittener Verkehrsmaßnahmen wie dem Umbau der Zeppelinstraße – eine greifbare Erklärung liefert die Studie aber nicht.

Mangel an Wohn- und Gewerbeflächen

Doch nicht in allen Bereichen wird dem Wirtschaftsstandort eine gute Note ausgestellt. Ein großes Sorgenthema ist der Mangel an verfügbaren Immobilien sowohl im Wohn- als auch im Gewerbebereich. Das Problem ist bekannt, doch die Umfrage macht deutlich, dass dieser Punkt eine Belastung für die Firmen darstellen kann. 32 Prozent der Unternehmen waren unzufrieden mit dem verfügbaren Wohnraum. Ebenso viele sagten, sie seien unzufrieden mit der Hilfe der Wirtschaftsförderung bei der Suche nach Grundstücken. „Wo nichts ist“, kommentierte Rubelt in einem trocken-unvollendeten Satz. Für die Zukunft wertet er das als Zeichen dafür, noch stärker mit den Nachbarkommunen zu kooperieren, um in der Region Grundstücke zu vermitteln.

Potsdams Wirtschaftsbeigeordneter Bernd Rubelt. 
Potsdams Wirtschaftsbeigeordneter Bernd Rubelt. 
© Ottmar Winter PNN

Zugleich zeigt der Monitor eine gesunkene Nachfrage neuer Flächen. Hatten 2019 noch 19 Prozent der Firmen Bedarf an Mietflächen und 12 Prozent an Bauflächen angemeldet, waren es bei der aktuellen Befragung nur noch 7 beziehungsweise 4 Prozent. Der Wirtschaftsbeigeordnete wertet das aber nicht als längerfristigen Trend, sondern als Zwischenphase. In dieser Situation der Unsicherheit zwischen Pandemie und Ukraine-Krieg – die Befragung wurden zu Kriegsbeginn im Februar und März durchgeführt – sei es nur natürlich, dass sich die Unternehmen „nicht auf Flächen stürzen“.

Folgen der Corona-Pandemie

Ein Drittel der Firmen gab an, in der Pandemie eine sinkende Nachfrage verzeichnet zu haben. Ein Viertel führte Kurzarbeit ein, 14 Prozent hatten mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen und sieben Prozent mussten Mitarbeiter entlassen. Etwa die Hälfte der Unternehmen nimmt an, dass Videokonferenzen und Homeoffice bleiben oder sogar zunehmen – doch nur drei Prozent gehen davon aus, dass dadurch der Flächenbedarf sinken wird. Interessant auch: 57 Prozent der Firmen haben aktuell unbesetzte Stellen.

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Kritik übt ein Teil der Unternehmer auch an der Arbeit der Verwaltung. Zwar wird die Kompetenz der Mitarbeiter sehr positiv bewertet, aber die Zufriedenheit mit den Öffnungszeiten und der telefonischen Erreichbarkeit ist seit der letzten Befragung leicht gesunken. 20 Prozent zeigten sich unzufrieden mit der Transparenz der Genehmigungsverfahren. „Wir wollen die Erreichbarkeit weiter erhöhen und die Kommunikation über verschiedene Kanäle verbessern“, definierte Rubelt seine Schlussfolgerungen.

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