zum Hauptinhalt
Auf dem ehemaligen Tramdepot entsteht ein Wohngebiet.
© Andreas Klaer

Serie "Das neue Potsdam": Wie das alte Tramdepot zum Wohnviertel wird

Potsdam wächst und wächst: An vielen Orten in der Stadt wird gebaut, neue Quartiere entstehen. In der PNN-Serie „Das neue Potsdam“ gehen wir auf Entdeckertour - heute zum Tramdepot. 

Potsdam - Es geht schnell. Nur zwei Straßenbahnstationen sind es vom Hauptbahnhof aus. Dann kommt man am neuen Wohngebiet am alten Tramdepot an. In dieser zentralen Lage befindet sich die bislang größte Baustelle der kommunalen Pro Potsdam. Das Viertel reiht sich ein in die zahlreichen Neubauviertel, die in Potsdam in den vergangenen Jahren entstanden sind.

Mitte Mai 2021 war der Grundstein für den ersten Bauabschnitt gelegt worden, im September wurde Richtfest gefeiert. Auch das ging schnell. Allerdings hat das Vorhaben eine lange Vorgeschichte: Erste Überlegungen gab es bereits 2005. Die Aufstellung eines Bebauungsplans inklusive des Areals der Tennisplätze beschlossen die Stadtverordneten Anfang 2012 - also vor mehr als zehn Jahren.

Doch zunächst musste ein neues Quartier für die hinter der Sporthalle gelegenen Tennisplätze gefunden werden. Fast zwei Jahre dauerte es, bis der B-Plan für die Ausweichfläche an der Wetzlarer Bahn stand. Mittlerweile ist der Tennisclub Rot-Weiß umgezogen. Anschließend musste das Areal noch auf Munition aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht werden. Mehrfach wurde man fündig.

Noch ist die Schule am Nuthewinkel in Containern untergebracht.
Noch ist die Schule am Nuthewinkel in Containern untergebracht.
© Andreas Klaer

Momentan sieht es vor Ort noch etwas wild aus. Eine sandige Piste führt von der Heinrich-Mann-Allee aus zu den Neubauten hinter der Sporthalle. "Betreten verboten", steht auf einem Schild geschrieben. Links sieht man Baugeräte und die bunten Container einer provisorischen Schule. Der erste Bauabschnitt ist schon beinahe fertig. Bauarbeiter sind noch mit Innenausbauten beschäftigt. Auch die Außenanlagen müssen noch hergerichtet werden. Aber man kann schon erkennen, wie das Viertel einmal aussehen wird. Die Gebäude haben viele Balkons und bodentiefe Fenster. Die Wohnungen wirken hell. Die Zimmer sind vergleichen mit anderen Neubauten kleiner. Das hält die Mieten niedrig.

Energieeffiziente Häuser, Niedrigtemperatur-Wärmenetz, Erdwärme

Die Gebäude werden nach dem KfW-Standard 55 gebaut und gelten damit als „Effizienzhäuser“. Die Fernwärme gelangt durch ein sogenanntes Niedertemperatur-Wärmenetz ins Quartier. Dabei ist die Vorlauftemperatur der Fernwärme in den Rohren niedriger als bisher üblich. Dadurch soll es weniger Energieverluste beim Transport durch das Netz geben.

Bei Probebohrungen wird nach Erdwärme gesucht.
Bei Probebohrungen wird nach Erdwärme gesucht.
© Andreas Klaer

Wenn alles klappt, kommt die Energie dafür künftig aus 2000 Metern Tiefe unter dem Viertel. Derzeit finden Probebohrungen für eine Geothermieanlage statt. Die Dächer der Häuser sollen entweder begrünt oder mit Photovoltaik-Anlagen bestückt werden. Für jede Wohnung sind drei Fahrradstellplätze eingeplant. Geplant sind auch 20 E-Lade-Säulen.

Ein Großteil der Wohnungen wird für Potsdamer:innen mit wenig Geld zur Verfügung stehen

Im ersten Bauabschnitt entstehen auf einer Fläche von knapp 22.000 Quadratmetern insgesamt 341 Wohnungen in 13 Gebäuden mit drei oder vier Etagen - das alles kostet das kommunale Unternehmen 80 Millionen Euro. Dank Landesfördermitteln werden 257 der Wohnungen für Potsdamer:innen mit geringem und mittlerem Einkommen zur Verfügung stehen. Für Menschen mit Wohnberechtigungsschein (WBS) liegt die Nettokaltmiete bei 5,50 Euro pro Quadratmeter, für WBS-Plus-Berechtigte bei sieben Euro. Die Wohnungen sollen im nächsten Jahr bezugsfertig sein.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Potsdam und Brandenburg live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die sie hier für Apple und  Android-Geräte herunterladen können.]

Kürzlich schaute sich auch Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) die Baustelle an. Sie lobte, dass in dem Gebiet nicht nur kleine Wohnungen, sondern auch welche mit vier oder fünf Zimmern entstehen: "Familien mit mehreren Kindern haben es am schwersten, eine preisgünstige Wohnung zu finden."

Entscheidung über Bürohaus für die Stadtverwaltung noch nicht gefallen

Unklar ist noch, ob ein Teil des Areals für ein Bürohaus der Stadtverwaltung benötigt wird. Das würde dann parallel zu Straße an der Heinrich-Mann-Allee errichtet werden. Bis zu 14.000 Quadratmeter Gewerbefläche lässt der Bebauungsplan dafür zu. Eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung hatte ergeben, dass dort Platz für bis zu 450 Arbeitsplätz wäre. Doch die Entscheidung über den Behördenstandort ist noch nicht gefallen. Falls es nicht dazu komme, könnten bis zu 150 Wohnungen mehr gebaut werden. Für Gewerbe blieben dann noch rund 3000 Quadratmeter übrig.

Die Pläne der kommunalen Pro Potsdam für das neue Quartier am Tramdepot.
Die Pläne der kommunalen Pro Potsdam für das neue Quartier am Tramdepot.
© Andreas Klaer

Ab Ende 2024 soll es dann mit dem zweiten Bauabschnitt weitergehen. Die Planung für die Wohnungsbauten sei bereits ausgeschrieben, sagt Pro Potsdam-Chef Bert Nicke. Auch dafür sollen wieder Fördermittel genutzt und Sozialwohnungen gebaut werden. Je nachdem, wie die Entscheidung zum Verwaltungsbau ausfalle, könnten im zweiten Abschnitt bis zu 600 Wohnungen gebaut werden. 

Innerstädtische Nachverdichtung hat Vor- und Nachteile

Auch die Schule am Nuthewinkel soll bald ein dauerhaftes Quartier bekommen. Die dreizügige Grundschule mit Hort soll auf dem südöstlichen Teil des Geländes entstehen, in Nachbarschaft zum Humboldt-Gymnasium. Wenn sie fertiggebaut ist, können die Container verschwinden. 

Tatsächlich spart die innenstadtnahe Lage der Stadt auch Geld, denn die Erschließung ist billiger. Nachverdichtung nennt man die Bebauung von brachliegenden innerstädtischen Flächen. Befürworter verweisen darauf, dass Nachverdichtung weniger Pendelverkehr erzeugt als Neubauten am Stadtrand. In der Folge gebe es weniger Verkehrslärm, Luftverschmutzung und Flächenverbrauch. Kritiker führen an, dass durch Nachverdichtungen wichtige innerstädtische Ruhezonen und Grünflächen verloren gehen.

Zur Startseite