Landeshauptstadt: Zeitzeugengespräch Lenné-Schüler diskutieren heute in Schloss Bellevue
Zuhause ist das kein Thema: DDR-Geschichte „wird kaum mal angeschnitten“, erzählt Paul. Kenntnisse über die DDR hat der Zehntklässler nur aus dem Schulunterricht.
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Zuhause ist das kein Thema: DDR-Geschichte „wird kaum mal angeschnitten“, erzählt Paul. Kenntnisse über die DDR hat der Zehntklässler nur aus dem Schulunterricht. Bei seiner Klassenkameradin Laura dagegen sieht es ganz anders aus: Sie frage ihre Mutter regelmäßig nach ihrer Jugend aus, sagte sie gestern. Laura und Paul sind zwei von 30 Schülern der Potsdamer Gesamtschule Peter Joseph Lenné, die heute Vormittag in Berlin mit vier Zeitzeugen der SED-Diktatur diskutieren sollen.
Zu der Gesprächsrunde im Schloss Bellevue hat Bundespräsident Horst Köhler zusammen mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur eingeladen. Gleichzeitig wollen Lenné-Absolventen des vergangenen Schuljahrs dem Bundespräsidenten den Film „Diktaturen - Versuch einer Gegenüberstellung“ überreichen. Der Film, der Mitte Mai öffentlich im Babelsberger Filmtheater Thalia gezeigt wurde, hat bundesweit Interesse erregt, wie Schulleiter Ingo Müller gestern erklärte. Kopien habe die Schule unter anderem der Gedenkstätte Sachsenhausen und dem Haus der Wannseekonferenz zur Verfügung gestellt.
Die Einladung auf Schloss Bellevue versteht Müller als „Würdigung des diesbezüglichen Engagements der Schule“. Die Aufarbeitung der DDR-Geschichte sei „fester Bestandteil“ nicht nur im Rahmenlehrplan, erklärt Müller, der selbst Geschichte unterrichtet. So sei zuletzt bei der Projektwoche der zehnten Klassen das Thema „Jugend in der DDR“ bearbeitet worden. Die Vermittlung von DDR-Geschichte geschehe „so praxisorientiert wie möglich“: So gebe es regelmäßige Besuche von Zeitzeugen oder Ausflüge in die Gedenkstätte KGB-Gefängnis in der Großen Weinmeisterstraße, ins ehemalige Stasi-Gefängnis in der Lindenstraße 54/55 oder in die Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde in der Großbeerenstraße.
Müller hofft, dass die Schüler beim morgigen Treffen ihr Wissen „emotional untersetzen“. Bei Lenné-Absolventin Eva Ackermann scheint das Konzept aufgegangen zu sein: Sie gehe nach der Mitarbeit an dem Film „mit offeneren Ohren durchs Leben“ und lese Texte zum Thema DDR zweimal, sagte die 20-Jährige gestern. JaHa
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