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Landeshauptstadt: Zum Jubiläum ein Sendeloch

Nicht unfallfrei: Der RBB feierte seine Nachrichten

Stand:

Eigentlich sollte ja gefeiert werden beim Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) am Donnerstagabend – doch ausgerechnet den Geburtstagskindern selbst hatte es am Ende die Laune verhagelt. Seit 20 Jahren gibt es die Sendung „Brandenburg aktuell“ mitsamt „Landschleicher“, launigen Wettermoderationen und Moderatoreninventar wie Tatjana Jury und Gerald Meyer. Ausgerechnet bei der Jubiläumssendung ging es hinter den Kulissen zu wie am Anfang beim damaligen Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB): chaotisch. Nur lag es nun nicht an den TV-Leuten, dass das Konzept der Jubiläumssendung live mehrmals über den Haufen geworfen werden musste.

Schuld war das oberste Proporz- und Aufsichtsgremium des Senders: Der Rundfunkrat, in dem sich Parteien und Kirchen, Mehr- und Minderheiten mit der Kontrolle und Finanzierung des Sender beschäftigen, hatte derart lange getagt, dass Intendantin Dagmar Reim nicht rechtzeitig zur eigenen Feier kam. Nach Auskunft von Teilnehmern hatten sich besonders Berliner Vertreter im Rat nicht davon stören lassen, dass vor der Tür Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck mehr als 15 Minuten auf die Intendantin wartete. Die wiederum konnte ihre Kontrolleure nicht einfach sitzen lassen – sie bewirbt sich gerade um ihre Wiederwahl. Da geht abhauen nicht. Zwar waren einige Brandenburger Räte schon demonstrativ zur 50 Metern entfernt stattfindenden Feier gegangen – doch selbst dem Ratschef Hans Helmut Prinzler sei es nicht gelungen, die Sitzung zum geplanten Ende zu bringen, hieß es. So wartete Platzeck auf Reim, die Feierrunde auf beide. Unter den Wartenden: Landtagspräsident Gunter Fritsch, Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe, Kabinettsmitglieder, Landtagsabgeordnete, Vertreter aus Wirtschaft, Kultur und Medien sowie Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs. Und „Brandenburg aktuell“ musste improvisieren, weil die Feierstunde zu Beginn der Jubiläumssendung noch nicht beendet war: Die verspätete Intendantin war mit ihrer Rede noch nicht fertig. Und so ruderte das Team von „Brandenburg aktuell“ hinter den Kulissen durch die eigene, änderte Liveschaltungen, disponierte hin und her. Am Ende war nach Aussagen von RBB-Mitarbeitern das Wetter schon gesendet und trotzdem noch eine Fernseh- ewigkeit von sieben Minuten offen, die irgendwie zugesendet werden musste.

Am späten Abend versuchten sich RBB-Fatalisten – natürlich beim Rotwein – mit einem Satz aus der Glückwunschrede des Regierungschefs zu trösten: „Was da nicht gesendet wird, hat wohl im Land nicht stattgefunden.“ Und vom ewig vor der Tür warten müssenden Platzeck war ja in der Sendung nichts zu sehen. pet

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