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Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke, Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und die Kita-Architektin Claudia Schulte (v.r.).
© Andreas Klaer

Kinderbetreuung in Potsdam: Zurück in die kommunale Kita-Zukunft

Am Bornstedter Feld wurde der Grundstein für die erste städtische Einrichtung seit fast 20 Jahren gelegt - weitere sollen folgen.

Von Kay Grimmer

Potsdam - Es war 2003 eine Zäsur, jetzt soll der Neustart folgen: Die Stadt Potsdam steigt wieder in den Betrieb eigener Kitas ein. Am Freitag wurde der Grundstein für eine neue kommunale Einrichtung – die erste seit fast zwei Jahrzehnten – gelegt. Ort war fast sinnbildlich die am schnellsten wachsende Region der Stadt, der Potsdamer Norden. Am Volkspark im Bornstedter Feld, genauer auf jenem Gelände, das einst direkt zum Volkspark gehörte, nun aber Bauland ist, entsteht die neue kommunale Kita für 151 Kinder. 

Als Besonderheit werden 20 der Betreuungsplätze für Kinder mit besonderen Förderbedarf eingerichtet, machte Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) deutlich. Der Entwicklungsträger Bornstedter Feld (ETBF), ein Unternehmen der städtischen Wohnungsbauholding Pro Potsdam, investiert dafür knappe fünf Millionen Euro, sagte der Chef von Pro Potsdam und ETBF, Bert Nicke. 840 000 Euro davon sind Fördermittel des Landes.

Zwei lange Rampen als Hingucker

Auf dann 1600 Quadratmeter Nutzfläche und rund 1800 Quadratmeter Außenfläche sollen die Krippen- und Kitakinder ab dem Sommer 2023 betreut werden. Das vierstöckige Haus, entworfen vom Potsdamer Architekturcontor Schagemann Schulte weist Hingucker auf: zwei lange Rampen, die das erste Obergeschoss zu einem zweiten Erdgeschoss machen. „So kommen kleinere Kinder auch ebenerdig in das nächsthöhere Geschoss“, sagte die Architektin, Professorin Claudia Schulte. 

So sollen alle Krippenkinder aus den beiden unteren Geschossen ebenerdig in den Garten gelangen. Die Rampen, an die 40 Meter lang, seien auch als Widmung an die markanten Wälle des Volksparks zu verstehen, so Schulte. In den oberen Etagen soll der Kitabereich untergebracht werden. Im Haus soll ferner Platz sein für einen Bewegungsraum und eine Kinderküche, in der die Kitakinder auch selbst kochen können. Die tägliche Versorgung übernimmt eine so genannte Vollküche, die ebenfalls Platz im Neubau finden soll.

Kein unumstrittener Standort

Der Standort, an dem die erste kommunale Kita seit knapp zwei Dekaden entsteht, ist kein unumstrittener, daran erinnerte auch Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) bei der Grundsteinlegung. Einst gehörte das Gelände zu einem rund vier Hektar großen Areal, das Teil des Volksparks war. Dort befand sich auch eine Beachvolleyballanlage und der Kinder- und Jugendzirkus Montelino. 

2020 wurde die Fläche vom Freizeitpark abgetrennt, damit die städtische Wohnungsbauholding Pro Potsdam das Gelände zu einem neuen Wohngebiet entwickeln konnte – durchaus zum Ärger einiger Anwohner, die gegen die Verkleinerung des Volksparks protestierten. Letztlich an der Stelle vergebens, nun entstehen hunderte neue Wohnungen, dazu Kitas, Sozialräume und Gewerbeflächen. „Es ist richtig, dass es ein Problem ist, wenn der Volkspark kleiner wird, aber für die notwendige soziale Infrastruktur benötigte es diesen Kompromiss“, sagte Schubert. 

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Es freue ihn aber, dass am einstigen Standort des Kinder- und Jugendcircus Montelino und der Beachvolleyballanlage nun wieder Leben durch eine Kita einziehe, so Schubert. Zudem korrigiere die Stadt eine Entscheidung, die damals wegen der Haushaltskonsolidierung getroffen wurde, nun aber rückgängig gemacht werden konnte: Mit dem Bau gebe es wieder Kitas in städtischer Verantwortung. Im Potsdamer Stadtgebiet gab es – bis auf zwei kurzzeitige Ausnahmen – seit 2003 keine kommunale Kita mehr.

Stadt will keine vorhandenen Kitas übernehmen

„Eine Stadt unserer Größe braucht ein eigenes Angebot – und das in jedem Sozialraum“, machte Schubert deutlich. Die Stadt will in allen sechs Stadträumen mit je einem kommunalen Hort und einer städtischen Kita vertreten sein, kündigten Schubert und Aubel gleichermaßen an. Nach dem Start im Potsdamer Norden, soll der ebenfalls neue Babelsberger Hort der Grundschule am Filmpark in kommunaler Trägerschaft laufen. 

Ferner sollen Kita und Hort an der Grundschule in Krampnitz unter städtischer Verantwortung stehen. Vorhandene Kitas oder Horte übernehmen wolle man als Kommune nicht, erklärte Aubel. „Es sei denn, freie Träger bitten die Stadt um die Übernahme.“ Überhaupt war es Aubel wichtig, zu betonen, die Kommune wolle keine Konkurrenz zu den freien Trägern bilden. Daher werde man mit den gleichen Personalschlüsseln und Vorgaben arbeiten, die man auch bei den freien Trägern ansetze. Seit der Ankündigung der Stadt, wieder selbst Träger von Einrichtungen zu werden, gab es Kritik der Freien Träger. So wurde an der Leistungsfähigkeit gezweifelt, auch wird eine ungleiche Konkurrenz befürchtet.

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