
© Andreas Klaer
Von Klaus Büstrin: Ehemaligen-Treffen
Ausstellung auf der Freundschaftsinsel: „Mein Alphabet“ / Hommage für Suse Globisch-Ahlgrimm
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Am Fenster steht eine Frau. Interessiert blickt sie hinaus, das Treiben um sie herum aufnehmend: die Menschen mit all ihren Freuden und Sehnsüchten, die Natur mit ihren Schönheiten und Bedrohungen. Hubert Globisch malte das Bild von seiner Frau, der Kunstpädagogin und Künstlerin Suse Globisch-Ahlgrimm. Im Pavillon auf der Freundschaftsinsel ist es zu sehen. Als Entrée für die Ausstellung „Mein Alphabet“, die der Potsdamerin anlässlich ihres 90. Geburtstags in diesem Jahr gewidmet ist.
Natürlich wählte der Potsdamer Kunstverein, der die Ausstellung hauptsächlich verantwortet, auch Bilder von Suse Globisch-Ahlgrimm aus. Doch vor allem sind ihre ehemaligen Schülerinnen und Schüler, die sie an der Dortuschule von 1945 bis 1957 und anschließend bis 1977 an der Helmholtz-Schule unterrichtete oder ihren Zeichenzirkel besuchten, mit Bildern zugange. Von Kurator Thomas Kumlehn wurde die Ausstellung vorbereitet und betreut. Daraus ist eine eindrückliche Gratulationscour der Ehemaligen geworden.
Suse Globisch-Ahlgrimm hat den künstlerischen Werdegang der Schüler immer wieder beobachtet beziehungsweise begleitet, doch man ist schon erstaunt, wie viele von ihnen Maler, Grafiker oder auch Kunstpädagogen wurden. Auf der Insel präsentieren achtzehn ihre Arbeiten. Somit ist mit dem Ehemaligen-Treffen ein eindrucksvolles Panorama entstanden, das Auskunft gibt, wie Suse Globisch-Ahlgrimm mit ihrem Wissen und künstlerischen Erfahrungsschatz zu DDR-Zeiten ihren anvertrauten Oberschülern die Fenster weit öffnete, um ihnen einen Blick in die Weltkunst zu geben und das Sehen zu lehren.
Voller Hochachtung und Dankbarkeit berichten die Ausstellenden über die Unterrichtszeit. Christine Böer erinnert sich: „Ich glaube, dass ich in den ersten Kunstgeschichtsstunden betäubt war von der Schlichtheit und Ernsthaftigkeit, mit der Suse Ahlgrimm einzelne Kunstwerke erläuterte, beispielsweise die Schnitzereien von Veit Stoß oder Tilman Riemenschneider.“ Und Antje Brosig weiß über den Kunstunterricht ihrer einstigen Lehrerin zu berichten, dass er „geordnet, strukturiert, lebendig und klar, gewürzt mit einer einladenden Strenge“ war. Es wäre nicht anders möglich gewesen, als dass man die Stunden mit ganzer Aufmerksamkeit verfolgte. Auch das Gästebuch hält warmherzige Dankesworte fest. So schreibt Axel Elter, der zwar nicht Maler, sondern Musiker wurde, dass die Persönlichkeit Suse Globisch-Ahlgrimms leuchtend aus der Enge des sozialistischen Alltags in die Weite führte.
Der Ausstellungstitel „Mein Alphabet“ klingt zwar nach Schule. Aber er war bei der Lehrerin weiter gefasst. Sie hat jede Schülerin und jeden Schüler motiviert, ein „eigenes Alphabet“ zu entwickeln. Und so haben die Ausstellenden längst ihre eigene Bildsprache gefunden, durch die man erst Künstler wird. „Nun, ich habe es schon erfahren, wie vielstimmig es hier erklingt“, ließ Suse Globisch-Ahlgrimm in einem Grußwort zur Ausstellungseröffnung, an der sie aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, mitteilen. Die Ausstellung mit ihren 72 Bildern und Skulpturen beweist in der Tat den künstlerischen Facettenreichtum, mit denen die ehemaligen Schüler Suse Globisch-Ahlgrimms arbeiten. Viele von ihnen prägen seit Jahren die Potsdamer Kunstszene. Da sind Charis Schwinnings Rosenbilder von leuchtend gobelinhafter Wirkung, Maren Simon mit dem von mediterraner Atmosphäre durchlebtem Blatt „In Italien“, Gisela Neumanns Landschaftsbilder mit den intensiven Farbklängen. In die hell-farbige südlich-antike Stimmung führt Wolfgang Liebert mit dem Gemälde „Venus auf Malta“, dagegen ist Manfred Butzmanns Aquarell „Gerodetes Bahngelände“ von trefflicher trister Atmosphäre. Das erlebte Fluidum einer herben Poesie lässt Peter Fritz in „Überschwemmende Landschaft“ zum Klingen bringen. Lothar Krones Sicht auf die Friedenskirche muss vom Betrachter erst durchdrungen werden. Eva-Maria Viebegs und Christiane Dorsts Blätter zu Inszenierungen von Goethes „Faust II“ und Shakespeares „König Lear“ erzählen von der Auseinandersetzung der Künstlerinnen als Bühnen- bzw. Kostümbildnerin am Theater.
Suse Globisch-Ahlgrimms jüngste Arbeiten – kleine Formate – sind ohne Zweifel der Höhepunkt dieser Geburtstags-Ausstellung. Fenster in ihren ganz unterschiedlichen Lichteinfällen und -wirkungen wählte die Malerin als Motiv. Von bedrohlicher Düsternis bis zu hell strahlender Kraft wollen sie wohl in bewegender Weise auch Einblick in die Stimmungen eines Menschen mit all dem Traurigen und Hoffnungsfrohen geben.
Bis 28. November, Pavillon auf der Freundschaftsinsel, Mi bis So 12 bis 18 Uhr
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