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FREITAGS: Vom Lavieren

„Allerdings weiß ich auch, dass dauernde Scham lähmt.“ Dieses Bekenntnis zum aktiven Verweigern der Auseinandersetzung mit der (eigenen) Vergangenheit schrieb der Schriftsteller Erwin Strittmatter im Mai 1959 an das ZK der SED.

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„Allerdings weiß ich auch, dass dauernde Scham lähmt.“ Dieses Bekenntnis zum aktiven Verweigern der Auseinandersetzung mit der (eigenen) Vergangenheit schrieb der Schriftsteller Erwin Strittmatter im Mai 1959 an das ZK der SED. Damals war er bereits schon ein Vorzeigekulturschaffender. Er verschwieg jedoch, dass er im Zweiten Weltkrieg bei einer Polizeieinheit der SS diente. Albert Wilkening war nicht in die Verbrechen der nationalsozialistischen Zeit verstrickt. Er hatte eine hoch angesehene Stelle innnerhalb der DDR-Kultur inne. Er war DEFA-Hauptdirektor und Hochschulprofessor. Diese Positionen konnte man schnell verlieren, wenn man nicht auf der Linie der aktuellen Parteipolitik schritt. Es ging auch mit Wilkening bergauf und bergab. Er wurde als oberster DEFA-Chef eingesetzt, wieder abgesetzt und eingesetzt. Und Wilkening lavierte und lavierte, nutzte seine Macht. Er hat so manche Filme ermöglicht, andere fallen gelassen. Es ist nicht bekannt – vielleicht nur seiner Familie und engsten Freunden – ob wie er über seine Filmpolitik im Nachhinein dachte. Es war gut, dass Filmmuseums-Chefin Bärbel Dalichow bei der Veranstaltung zum 100. Geburtstag Wilkenings Kritisches anmerkte. Gedenken für Personen der Geschichte und des Zeitgeschehens sind davor nicht gefeit, dass man sich mit ihnen auseinandersetzt. Siehe auch Strittmatter.

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