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Potsdam-Mittelmark: Erster Albert-Einstein-Stipendiat

Mischa Gabowitsch zieht für fünf Monate in das Caputher Sommerhaus des Nobelpreisträgers

Schwielowsee - Caputh - Der 29-jährige Historiker Mischa Gabowitsch kann ab Sommer 2007 fünf Monate lang in Albert Einsteins Caputher Sommerhaus nach Herzenslust forschen. Wie das Einstein Forum Potsdam und die ZEIT-Stiftung jetzt mitteilten, ist er der erste Albert-Einstein-Stipendiat in dem idyllischen Ort am Schwielowsee. Beide Stiftungen haben dieses Stipendium geschaffen, um das oft geforderte, aber selten geförderte interdisziplinäre Denken zu stärken.

Das Stipendium soll ab 2007 jährlich einen fünfmonatigen Forschungsaufenthalt in dem kleinen Gartenhaus auf dem Einstein-Sommergrundstück ermöglichen. Die jungen Wissenschaftler bekommen freie Unterkunft und ein Salär von 2000 Euro monatlich. Auch die Familie darf mit in das frisch sanierte und komplett ausgestattete Gartenhaus, das unmittelbar neben Einsteins Sommerresidenz steht. Zu den Auswahlkriterien sagte die Geschäfsführerin des Potsdamer Einstein Forums, Inga Wellmann: „Die Preisträger müssen ausgezeichnete Vorleistungen vorweisen können und das Projekt, an dem sie in Caputh arbeiten, darf nicht Teil ihrer schon begonnenen oder bereits vorgelegten Arbeiten sein.“ Junge Menschen sollen ermutigt werden, abseits ausgetretener Pfade jene Umwege zu gehen, die oftmals zu kreativen Höchstleistungen führen.

Das Stipendium wurde in der Wochenzeitung Die Zeit wie in der New York Review of Books ausgeschrieben. 24 Bewerbungen aus sieben Ländern kamen in die engere Wahl. Der Beirat des Einstein Forums bildete auch die Jury und entschied sich nach eingehender Prüfung einstimmig für Mischa Gabowitsch. Die fachübergreifende 13-köpfige Jury, die vom Autor Hans Magnus Enzensberger und dem Historiker Heinrich August Winkler über die Slawistin Christa Ebert bis zu dem Physiker und Mitglied der Nobel-Jury der Schwedischen Akademie Hermann Grimmeiss reichte, war begeistert vom Profil des Kandidaten. „Der in Russland geborene, in Karlsruhe aufgewachsene Mischa Gabowitsch beeindruckt zunächst mit seinen bisherigen Leistungen – etwa dem Studium der Philosophie und Politik, das er in Oxford mit höchster Auszeichnung abschloss, wie auch durch seine umfassenden Sprachkenntnisse“, heißt es in einer Pressemitteilung. Darüber hinaus habe Gabowitschs Risikobereitschaft die Jury überzeugt. Trotz seines Erfolg verheißenden Studienabschlusses wechselte Gabowitsch das Fach, um die rein abstrakte Welt der Philosophie zu verlassen. Er studierte an die Ecole des hautes études en sciences sociales in Paris Geschichte und Soziologie, seine Dissertation über den aktuellen russischen Nationalismus wird er 2006 abschließen. Bis 2006 war er außerdem Chefredakteur der angesehenen russischen Zeitschrift für Politik und Kultur Neprikosnovenny Zapas (Eiserne Reserve). Gabowitsch lebt zur Zeit mit Frau und Kind als freier Übersetzer in Berlin.

Thema seines Caputher Projektes soll die Vergangenheitsbewältigung in Nachkriegsdeutschland und im heutigen Russland sein. In Russland herrsche vielfach noch immer ein Beschweigen der Verbrechen während der Sowjetherrschaft, das Gabowitsch sowohl philosophisch als auch historisch hinterfragen will, erklärte Inga Wellmann.

Das Einstein Forum hofft, dass der erste Stipendiat nicht allzu sehr von Besuchern des Einsteinhauses gestört wird. 2005 wurden bei nahezu täglichen Führungen 14 000 Besucher im frisch restaurierten Haus gezählt. Jetzt sind die Öffnungszeiten wieder auf das Wochenende beschränkt (Anmeldungen unter Telefon 0331-27 17 80). Hagen Ludwig

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