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Wolfgang Blasig (SPD) bei der Stimmabgabe am Sonntag in Kleinmachnow.
© Johanna Bergmann

Stichwahl zum Landrat in Potsdam-Mittelmark: Zweite Amtszeit für Wolfgang Blasig

In der Stichwahl wird Amtsinhaber Blasig deutlich bestätigt. Er bekommt 70,4 Prozent der abgegebenen Stimmen und erfüllt das Quorum für die Direktwahl. Und auch in Bad Belzig gab es eine Entscheidung.

Von Enrico Bellin

Potsdam-Mittelmark - Das war deutlich: Wolfgang Blasig bleibt Landrat in Potsdam-Mittelmark. Der Kleinmachnower mit dem charakteristischen Vollbart bekam von seinen Wählern einen Vertrauensbeweis. 35 029 Stimmen entfielen auf ihn – das macht 70,4 Prozent. Damit nahm Blasig lässig auch das viel diskutierte vom Land vorgeschriebene Quorum, wonach ein Landrat  von mindestens 15 Prozent  der Wahlberechtigten gewählt werden muss. Er bekam sogar 9000 Stimmen mehr als dafür nötig. Die Wahlbeteiligung lag bei 28,6 Prozent, wahlberechtigt waren 178 332 Mittelmärker. Der Blasig-Herausforderer, CDU-Kandidat Franz Herbert Schäfer, erreichte 29,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. 

Blasig will Potsdam-Mittelmark unter die 40 besten Landkreise bringen

Blasig sagte den PNN am Abend, er habe sich Sorgen gemacht, ob das Landratswahl-Quorum erreicht werden kann. „Aber offensichtlich haben viele Wähler begriffen, worum es hier geht. Bei ihnen möchte ich mich bedanken.“ Ein Wahlergebnis von etwa 70 Prozent für die SPD zu 30 Prozent für die CDU komme auch in Brandenburg nicht jeden Tag vor. „Das ist ein Vertrauensbeweis und eine Hypothek für meine künftige Arbeit“, so Blasig. Sein Ziel sei es, dass der Landkreis Potsdam-Mittelmark am Ende seiner neuen achtjährigen Wahlperiode – wenn er dann selbst in Rente gehe – unter den besten 40 der 295 Kreise Deutschlands zu finden ist.

Franz Herbert Schäfer beglückwünschte Blasig zum „überragenden Wahlergebnis“. „Ich habe gehofft, den Abstand zum amtierenden Landrat zu verkürzen, und das ist auch gelungen“, sagte Schäfer gegenüber den PNN. Allerdings herrsche auf der CDU-Feier doch eine „gewisse Enttäuschung, dass wir nicht noch näher rangekommen sind“. An seiner Verwurzelung in der Kommunalpolitik ändere das jedoch auch in Zukunft nichts. Schäfer ist seit vielen Jahren Vorsitzender der Groß Kreutzer Gemeindevertretung.

Vor der Stichwahl hatte die CDU Vorwürfe gegen Blasig erhoben

Der CDU-Kandidat geht davon aus, dass die Koalition im Kreistag aus SPD, CDU und Freien Bauern und Bürgern weiter gut zusammenarbeiten wird. Im Vorfeld der Stichwahl hatte die CDU Vorwürfe gegen Blasig erhoben, der auch mit den Linken Gespräche geführt hat und anschließend von ihnen unterstützt wurde. Für die neue Wahlperiode wünschte Schäfer dem erfolgreichen Blasig „Kraft, Mut und Gesundheit, und dass am Ende die Weitsicht im Landkreis die Oberhand gewinnen wird“. 

Bei der Frage nach seinen Zielen für die kommenden acht Jahre verwies Wolfgang Blasig auf sein Wahlprogramm, in dem er unter anderem den Ausbau schneller Internetverbindungen, die Unterstützung von preiswertem Wohnungsbau und den Ausbau der medizinischen Versorgung, zu dem auch die Sicherung des Bad Belziger Krankenhauses gehöre, aufgeführt hatte. Zudem wolle er sich für eine deutlich bessere Verkehrsanbindung einsetzen, etwa durch eine S-Bahn nach Stahnsdorf, eine Bahnanbindung von Kleinmachnow und eine direkte Zugverbindung von Michendorf zum Flughafen BER nach Schönefeld, so Blasig.

FDP-Politiker fordert Abschaffung der Direktwahl der Landräte

Der Stahnsdorfer FDP-Politiker Christian Kümpel forderte am Sonntag trotz der erfolgreichen Stichwahl, die Landrats-Direktwahl abzuschaffen. Kümpel kritisierte, dass die Wahlgänge enorme Kosten verursachten und die Verwaltungsmitarbeiter unnötig strapaziert würden – für eine Wahl, die die Bürger kaum interessiere. Die Entscheidung für einen Landrat müsse vom Kreistag getroffen werden. Politikverdrossenheit begegne man nicht durch unnötige Wahlen.

Wolfgang Blasig war bereits aus der ersten Wahlrunde am 25. September als klarer Sieger hervorgegangen, hatte aber die absolute Mehrheit verfehlt. Er erreichte 45,6 Prozent der Stimmen, Franz Herbert Schäfer kam auf 21,2 Prozent. Angetreten waren auch Sven Schröder (AfD, 16,3 Prozent), Klaus-Jürgen Warnick (Linke, 14,1 Prozent) und Andreas Schramm (Piraten, 2,8 Prozent).

Roland Leisegang in Bad Belzig gewählt

Gewählt wurde auch in der Kreisstadt Bad Belzig. Dort ist der Musiker Roland Leisegang neuer Bürgermeister. Der frühere Schlagzeuger der Ostrockband Keimzeit erhielt bei einer Stichwahl am Sonntag 65,3 Prozent der abgegebenen Stimmen, wie die Wahlleitung am Abend mitteilte. Sein Konkurrent, der SPD-Kandidaten Hendrik Hänig, kam auf 34,7 Prozent. 5137 Bürger beteiligten sich an der Abstimmung, die Wahlbeteiligung lag damit bei 54,9 Prozent. Leisegang tritt sein Amt am 1. Dezember an. Die bisherige Bürgermeisterin Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) hatte sich nicht mehr zur Wahl gestellt. Sie geht Ende des Jahres in den Ruhestand. (mit dpa)

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