Alba Berlin in den Play-offs : Grenzgänger John Patrick

Ludwigsburgs Trainer John Patrick steht für intensiven, harten Basketball. Den Spielern von Alba Berlin wirft er Schauspielerei vor.

Im ersten Halbfinale gegen Alba wurde John Patrick nach zwei technischen Fouls der Halle verwiesen.
Im ersten Halbfinale gegen Alba wurde John Patrick nach zwei technischen Fouls der Halle verwiesen.Foto: Annegret Hilse/dpa

John Patrick und die Basketballer von Alba Berlin werden wohl nicht mehr die besten Freunde. Schon vor dem ersten Spiel der Halbfinalserie pfiffen die Berliner den Trainer der Riesen Ludwigsburg aus. Das passiert dem 50 Jahre alten US-Amerikaner in vielen Hallen und hat normalerweise etwas mit dem Spielstil seiner Mannschaft zu tun. John-Patrick-Basketball, das heißt für den Gegner: unangenehmer Basketball, Pressing, Aggressivität, Intensität – oder wie es der Trainer selbst einmal beschrieb: „40 Minuten Hölle.“

Der Stil seiner Mannschaft ist momentan aber gar nicht das Problem. Alles legitim, sagt etwa Albas Manager Marco Baldi. So wie Patrick seine Spieler die Grenzen auf dem Parkett ausloten und oft überschreiten lässt, so tut dies aktuell aber auch der Trainer.

Vor dem ersten Spiel gegen Alba warf er den Berlinern auf der Homepage seines Klubs vor, sie würden durch konstantes Flopping, also das Schinden von Fouls, Druck auf die Schiedsrichter ausüben. Unmittelbar vor dem Auftaktspiel der Serie bekräftigte er diese Aussage bei „Telekomsport“ und legte sogar noch nach. Wenn Alba behaupte, Ludwigsburg foule hart, wie etwa bei der Schulterverletzung von Peyton Siva in der Pokalqualifikation, sei das „wie im Weißen Haus in den USA ein bisschen Fake News von Albas Seite“, sagte Patrick.

Während solche Aussagen nach einem Spiel im Affekt herausrutschen können, sind sie in diesem Fall wohlüberlegt. Patrick agiert dabei im Prinzip ähnlich wie seine Spieler, nur verbal. Mit Fouls soll der Rhythmus des Gegners unterbrochen, das Spiel hitzig und intensiv werden. Das kommt tendenziell meist Ludwigsburg entgegen – und zwar erst recht, wenn der Gegner über mehr spielerische Qualität verfügt wie Alba.

„Um Spieler wie Bayern, Berlin oder Bamberg zu holen, müssten wir unseren Etat vervier- oder verfünffachen“, sagte Patrick vor Kurzem der „Stuttgarter Zeitung“. „Wir spielen nicht orthodox und wollen das Spiel der großen Mannschaften mit unserem Stil zerstören.“ Im ersten Spiel der Serie gelang das den Ludwigsburgern nur phasenweise. Alba behielt trotz der Flopping-Vorwürfe die Ruhe, Patrick wurde hingegen nach zwei technischen Fouls disqualifiziert.

Im zweiten Halbfinale am Donnerstag in Ludwigsburg (20 Uhr, Telekomsport und Sport1) steht Alba vor einer weiteren Reifeprüfung. In eigener Halle wird Ludwigsburg mindestens genauso physisch spielen wie in Berlin. „Wenn bei uns die Zuschauer gepfiffen haben, wenn es zu rustikal wurde, wird das in Ludwigsburg genau umgekehrt sein“, sagte Baldi. „Dann wird Totenstille sein, und kein Schiedsrichter weiß, warum er jetzt pfeifen soll.“

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