Alba Berlin : Stefan Peno ist der große Ideengeber

Alba Berlin setzt auch am Samstag gegen Göttingen auf Spielmacher Stefan Peno. Der profitiert sehr von Trainer Reneses.

Stefan Peno bestimmt derzeit das Spiel der Berliner.
Stefan Peno bestimmt derzeit das Spiel der Berliner.Foto: dpa

Stefan Peno läuft mit dem Basketball in der Hand auf das Parkett in der Trainingshalle von Alba Berlin, als der Pressesprecher des Bundesligisten ihn von der Seite anspricht: „Stefan, hast du noch Zeit für ein kurzes Gespräch? Alle wollen heute was von dir.“ Peno grinst. Alle wollen was von dem 21-Jährigen, weil der im Moment bei Alba eine Hauptrolle einnimmt.

Auch vor dem Spiel an diesem Samstag gegen die Überraschungsmannschaft aus Göttingen (18 Uhr in der Arena am Berliner Ostbahnhof) wird der Ausgang des Duells vermutlich nicht unwesentlich vom Auftritt Penos abhängen. Der Serbe ist nach dem Ausfall von Peyton Siva hauptverantwortlich für den Takt und die Ideen im Spiel der Berliner. Der Rippenbruch des bis dahin überragenden Siva vor einer Woche im Spiel gegen die Riesen Ludwigsburg war eine Hiobsbotschaft für den Klub. Aber wie das häufig so ist im Sport: Im Pech des einen liegt oft die Gewissheit, dass der Ersatz auch was kann.

Peno jedenfalls verhalf Alba gegen Ludwigsburg und auch am vergangenen Mittwoch im Eurocup gegen die hoch favorisierten Russen aus Krasnodar zum Sieg. „Peyton ist Peyton, und ich bin ich“, sagt Peno. „Ich habe einen etwas anderen Stil als er.“ Einen Stil, von dem Albas Manager Marco Baldi begeistert ist. „Es macht einfach Spaß, ihm zuzusehen. Er hat so eine große Spielfreude, so eine Spielintelligenz und so wahnsinnig viele Ideen“, sagt Baldi. „Selten habe ich einen Point Guard in diesem Alter gesehen, der so viele Möglichkeiten hat.“

Schon mit 14 spielte Peno beim FC Barcelona

Baldi war zum ersten Mal auf Peno aufmerksam geworden, als dieser mit 16 Jahren beim Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim teilnahm, einem Wettbewerb für Jugend-Nationalmannschaften. Das überragende Spielverständnis von Peno fiel aber nicht nur Baldi auf. Ähnlich wie im Fußball graben die Scouts die großen Talente schon im frühen Jugendalter aus. Bereits mit 14 Jahren war Peno von seinem Heimatklub OKK Belgrad zum FC Barcelona gewechselt. Baldi und sein Sportdirektor Himar Ojeda schafften es im vergangenen Jahr, Peno mit dem Versprechen auf mehr Einsatzzeiten unter der Trainerlegende Reneses nach Berlin zu locken. Bisher ist das Vertragsverhältnis für beide Seiten eine Win-win-Situation. Alba hat auf der Guard-Position einen Backup, wie ihn in dieser Qualität wohl keiner der Ligakonkurrenten vorweisen kann. Peno wiederum bekommt in jungen Jahren sehr viel Spielzeit und entwickelt sich unter Reneses schnell weiter. Zumal der spanische Trainer dafür bekannt ist, seinen Spielern viel Raum für eigene Ideen zu geben. Kaum einer profitiert von der Philosophie mehr als Peno, der wahrscheinlich kreativste Mann bei Alba.

Viele Alba-Fans dürften das Spiel gegen Krasnodar mit viel Freude gesehen haben. Der Gegner aus Russland wird von Sasa Obradovic trainiert, dem ehemaligen Spieler und Coach von Alba Berlin. Obradovic ist eine Art basketballerischer Gegenentwurf von Reneses und Peno. Das Spiel von Obradovic ist nicht frei und zwanglos, es ist geprägt von eisenharter Disziplin, eng ausgerichtet an einstudierten Spielzügen. Wenn etwas nicht nach Plan läuft, kann Obradovic fürchterlich ausrasten. Gegen Alba fluchte und schimpfte Obradovic auch deshalb, weil sein serbischer Landsmann Peno immer wieder geniale Pässe einstreute. Die Mannschaft von Krasnodar fand auf Penos Ideenreichtum keine Antwort.

Alba also kann sich glücklich schätzen mit diesem Spieler, der noch für die laufende und die darauffolgende Saison bei den Berlinern unter Vertrag steht. „Ich fühle mich sehr wohl hier. Meine Mitspieler sind super und ich habe in der Stadt auch einige serbische Freunde“, sagt Peno. Sollte er sich allerdings weiter entwickeln wie in den vergangenen Wochen und Monaten, wird es für Baldi und Ojeda ganz, ganz schwer, ihn bei Alba zu halten. Stefan Peno hat einfach zu viele Ideen.

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