Alba gegen Würzburg : Dirk Bauermann ist der Weltenbummler des Basketballs

Trainer Dirk Bauermann von Albas Gegner Würzburg ist der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer. Er begleitet die Liga seit 30 Jahren.

Auf Abschiedstour. Dirk Bauermann wird Würzburg verlassen.
Auf Abschiedstour. Dirk Bauermann wird Würzburg verlassen.Foto: Valda Kanina/dpa

Es hat Zeiten gegeben im deutschen Basketball, da hätte man diesen finster dreinblickenden Mann in seinen schwarzen Schuhen, seiner schwarzen Anzughose, dem schwarzen Hemd und dem schwarzen Sakko am liebsten auf die Schulter geklopft und gesagt: Ist doch nur ein Spiel. Ist doch keine Beerdigung. Wenn Alba Berlin am heutigen Sonntag in der Arena am Ostbahnhof (15 Uhr, live auf telekomsport.de) auf Würzburg trifft, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit für ein paar Jahre das letzte Mal, dass man den erfolgreichsten deutschen Basketball-Vereinstrainer bei einem Bundesligaklub zu sehen bekommt. Unter der Woche hat der 60-Jährige seinen Abschied von den Würzburgern zum Saisonende bekannt gegeben. „Ich denke nicht, dass dies mein endgültiger Abschied aus dem deutschen Basketball sein wird“, sagt er. „Ich bin im Vollbesitz meiner Schaffenskräfte.“

Dirk Bauermann redet nicht lange drumherum, weshalb es ihn aus Würzburg wegzieht. „Ich habe ein sportlich und wirtschaftlich sehr attraktives Angebot bekommen und die Kombination aus beidem hat mich – und das ist nicht nur so dahingesagt – sehr schweren Herzens zu dem Entschluss kommen lassen, dass ich dieses Angebot annehmen werde“, sagt er dem Tagesspiegel. Wie zu vernehmen ist, zieht es ihn nach China. Und das liebe Geld, das dort gezahlt wird, übersteigt die Möglichkeiten im fränkischen Würzburg bei weitem.

Es ist dies, sollte er zu einem ausländischen Klub wechseln, die zwölfte Vereinsstation in seiner langen Trainerkarriere. Hinzu kommen noch vier Engagements als Nationaltrainer. Dirk Bauermann, so scheint es, hat wirklich alles mitgenommen, was ihm angeboten worden ist. Nach seiner letzten sehr erfolgreichen Zeit von 2001 bis 2008 in Bamberg hielt es ihn meist nie lange bei einer Station. Der Mann scheute auch nicht davor zurück, die Nationalmannschaft Irans zu trainieren. Bauermann ist zum Weltenbummler geworden. Jene, die es nicht gut mit ihm meinen, würde sagen, dass er zum Söldner geworden ist. Das aber würde dem 60-Jährigen nicht gerecht.

Der professionelle Basketballbetrieb rotiert noch ein paar Umdrehungen schneller, als man das aus vielen anderen Sportarten kennt. Die Vertragslaufzeiten in den meisten Klubs und Ländern sind kurz, weil die Vereine in der Regel nicht gewillt sind, Ablösesummen für Spieler zu bezahlen. In diesem Rädchen werden auch die Trainer schnell getauscht. Bauermann ist also Teil einer Basketballwelt, die eine komplett andere ist als die, die er vor rund 30 Jahren kennenlernte.

Bauermann war gerade einmal Anfang 30, als ihm Bayer Leverkusen die Verantwortung als Cheftrainer der Basketballabteilung übertrug. Der deutsche Basketball war Ende der Achtzigerjahre noch sehr klein dimensioniert. Die Zuschauer waren spärlich, die Hallen klein, die Sponsoren kaum vorhanden. Das Bayer-Werk wollte die langsam aus den USA herüberschwappende Euphorie nutzen und pumpte ein bisschen Geld in das Projekt. Bayer wurde mit dem jungen Trainer Bauermann sieben Mal in Folge Deutscher Meister, ehe sich Alba Berlin daran machte, den Leverkusenern den Rang abzulaufen. Bauermann galt auch nach den großen Erfolgen als die Trainer-Instanz im deutschen Basketball. Er coachte die besten deutschen Klubs wie Bamberg und Bayern und war von 2003 bis 2011 Bundestrainer. Über Bauermann hieß es früher, dass er in seinem Leben fast nur an den Sport denke, ihm selbst bedeutungslose Niederlagen den Schlaf raubten. Die Verbissenheit war auch der Grund, weshalb Bauermann immer respektiert, aber von den Fans nicht recht gemocht wurde.

Seit ein paar Jahren, seit er Söldner, Weltmann oder was auch immer ist, erlebt man einen anderen Bauermann. Er ist aufgeknöpfter geworden, er lacht am Spielfeldrand und es kommt manchmal vor, dass er sein schwarzes Hemd gegen ein weißes eintauscht und eine rote Krawatte drüberlegt. Dirk Bauermann ist vielleicht nicht mehr so erfolgreich wie früher, aber er hat eindeutig mehr Farbe bekommen. Martin Einsiedler

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