• Als Schülerpraktikantin bei Alba Berlin: Faszinierende Einblicke aus der Sicht eines Reporters

Als Schülerpraktikantin bei Alba Berlin : Faszinierende Einblicke aus der Sicht eines Reporters

Beim vierten Finale von Alba Berlin gegen Bayern München sieht unsere Schülerpraktikantin das Spiel mal aus einer ganz neuen Perspektive. Ein Erfahrungsbericht.

Anna-Chiara Sembdner
Von den Presseplätzen ist man ganz nah dran am Spielfeld.
Von den Presseplätzen ist man ganz nah dran am Spielfeld.Foto: Julian Graeber

Als ich am Mittwochabend am S-Bahnhof Warschauer Straße aus dem Bus stieg, wurde ich sofort von blau-gelb gekleideten Alba-Fans umringt. Jeder Bayern-Anhänger, der sich hierhin verirrt hatte, wurde mit bösen Blicken bedacht und es wurde schnell klar: Hier geht es um alles oder nichts. Sollte Alba dieses Finalspiel verlieren, dann wäre der FC Bayern München mit einem 3:1-Sieg Deutscher Meister. Ich ließ mich mit der Menschenmasse in Richtung Arena treiben, vorbei an Menschen die vergeblich Schilder mit der Aufschrift „Suche noch eine Karte“ in die Luft streckten. Die Aufregung, Anspannung und leichte Aggressivität vor diesem großen Spiel war förmlich zu spüren. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde mir wirklich bewusst, dass die Fans so wie die Mannschaft alles tun würden, um die Niederlage im Finale zu verhindern und am kommenden Samstag zum finalen Duell in München wieder auf dem Platz stehen zu können.

Mein Ziel war ein kleiner Seiteneingang, über der Tür die Worte „Medien Eingang". Die Tür war mir bisher nie aufgefallen. Mit Julian Graeber aus der Sportredaktion des Tagesspiegels gingen wir herein. Durch einen breiten Gang folgten wir der zunehmenden Geräuschkulisse und gelangten direkt in das Innere der Arena. Grelles Licht erwartete uns. Durch Lautsprecher dröhnte laut „Schwarz zu Blau“ von Peter Fox. Die Zuschauer hämmerten mit ihren Klatschpappen was das Zeug hielt. Es war einfach überwältigend. Jonathan, der ebenfalls Schülerpraktikant beim Tagesspiegel ist, und ich entschieden uns noch ein wenig um den Court zu schlendern, um diesen Moment so lange wie möglich auszukosten. Während wir also unsere Runden drehten, beobachtete ich, wie sich langsam die Arena mit 11.722 Zuschauern in ein blau-gelbes Meer verwandelte. Vor dem Spiel sahen wir am Randes des Spielfeldes auch Basketball-Nationaltrainer Henrik Rödl, der früher auch mal bei Alba gespielt hat und dessen Trikot mit der Nummer 4 ihm zu Ehren nicht mehr vergeben wird.

Kleine aber spielentscheidende Gesten

Anschließend begaben wir uns wieder auf unsere Plätze, die nur durch zwei Stuhlreihen vom Court getrennt sind. Um uns herum waren alle wichtigen Zeitungen vertreten. Zu meiner linken Seite saß die Sport Bild und die Süddeutsche Zeitung. Kurz nachdem wir uns gesetzt hatten, liefen auch schon die Bayern- und Alba-Spieler zum Aufwärmen auf den Platz. Auch hier machte sich erneut der Heimvorteil bemerkbar. Während das Klatschen der Klatschpappen bei dem Einlaufen der Alba-Spieler markerschütternd laut wurde, wurden die Bayern Spieler von ohrenbetäubenden Pfiffen empfangen.

Nach dem Aufwärmen wurde es dunkel in der Arena. Nebel stieg aus der rechten Ecke auf. Die Stimmen der Zuschauer reduzierten sich zu einem leisen Gemurmel. Für einen kurzen Moment war es still in der Arena. Doch dann setzte laute Musik ein. Eine atemberaubende Lichtershow tanzte durch die Arena. An den Banden des Courts blitzten Schriftzüge mit der Aufschrift: „Mit Leib und Seele.“ Dann war es soweit. „Und hier unsere Nummer eins: Joshiko Saibou“, ertönte es dröhnend in der gesamten Arena. Dazu begleiteten jeden einlaufenden Spieler eine Feuershow. Ein riesiges Spektakel, das wir hautnah erleben durften. Der Court und die Spieler waren fast in Reichweite.

Als Alba Berlin die Bundesliga dominierte
Und 2001 geht die große Meisterparty einfach weiter. Wendell Alexis zeigen es an: Es ist der fünfte Titel in Folge.Weitere Bilder anzeigen
1 von 27Foto: Matthias Koch/imago
28.05.2018 14:20Und 2001 geht die große Meisterparty einfach weiter. Wendell Alexis zeigen es an: Es ist der fünfte Titel in Folge.

Um Punkt 20 Uhr ertönte der Pfiff des Schiedsrichters. Die Spieler sammelten sich in der Mitte des Courts, sprachen sich nochmal ermutigende Worte zu, schlossen einen Kreis. Dann ging es los. Der Ball wurde in die Luft geworfen, Dennis Clifford von Alba und Devin Booker von Bayern sprangen beide hoch. Und so begann der Kampf des Abends, ein Kampf voller Leidenschaft. Der erste Korb gelang Bayerns Reggie Redding. Es folgte ein sofortiger Konter von Alba, der jedoch nicht gelang. Während des ersten Viertels behielt Bayern leicht die Oberhand und führte am Ende des ersten Viertels mit 12:14. Das Publikum war während der gesamten Zeit voll dabei. Schon kurz vor dem Ende des ersten Viertels lief ein Vorsinger der Alba-Fans mit einem Megaphon durch die Zuschauerreihen und animierte die Fans aufzustehen. Laute Pfiffe von den tobenden Fans gegen den Schiedsrichter blieben auch nicht aus.

Das zweite Viertel verlief ähnlich wie das erste und es waren wieder die Bayern, die zur Halbzeit mit einer 34:29-Führung in die Kabine gingen. Nach der Halbzeit wechselte ich den Platz und begab mich zu den Presseplätzen direkt unter dem Dach der Arena. Auch von hier war die Sicht grandios, man saß genau mittig und konnte den gesamten Court überblicken. Während des Spieles fand ich vor allem faszinierend, wie mit jedem Handzeichen eines Spielers sich eine Mannschaft komplett neu formatierte und wie der Schiedsrichter durch Handzeichen mit dem Stadionsprecher kommunizierte. Streckte zum Beispiel der Schiedsrichter zweimal vier Finger in die Höhe, ertönte es Sekunden später: „Und Albas Spieler mit der Nummer 44 beging ein Foul“. Diese kleinen, aber doch spielentscheidenden Gesten waren mir zuvor nie aufgefallen, weil ich einfach nie nah genug am Spielgeschehen dran war.

Albas Trainer dankt den Fans

Nach fünfzehn Minuten Pause begann das dritte Viertel. Nun ging es für Alba bergauf und nach mehreren Dreipunkte-Würfen ging Alba sogar in Führung. Man merkte, wie der Druck stieg. Das Publikum wurde immer lauter und die Fouls immer häufiger. Das Basketballspiel ähnelte immer mehr einem Kampfsport. Es waren jedoch diese Fouls, die Alba dann im letzten Viertel den Sieg brachten.

Alba ging in das vierte und damit entscheidende Viertel mit einem 51:53 Rückstand. In den letzten fünf Minuten übertraten beide Mannschaften die Teamfoulgrenze von vier Fouls. Alba jedoch drei Minuten später als die Bayern. So bekam Alba die Chance durch die Freiwürfe, welche jetzt nach jedem Foul vergeben wurden, immer wieder in Führung zu gehen. Die letzten Minuten des Spiels übertrafen alle meine Erwartungen. Die gesamte Halle erhob sich von den Sitzen. Und dann kam er, der Abpfiff. Die Arena war in tosenden Applaus getaucht. Die Blicke der Alba Fans waren voller Stolz. Gesänge wie: „Und am Samstag geht’s weiter“ erfüllten die Arena. Am Ende gewann Alba dieses Spiel mit 72:68 und damit geht der große Nervenkitzel am Samstag in München weiter.

In der darauffolgenden Pressekonferenz bestätigte der Alba-Trainer das, was in den Augen der Alba-Fans klar zu sehen war. „Unsere Spieler spielten mit viel Herz, Mut und Ehrgeiz. Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft und sehr glücklich mit unseren Fans, die uns hier grandios unterstützt haben.“

Für mich war der gestrige Tag auf jeden Fall einzigartig: Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Die Atmosphäre war großartig, das Tempo des Spiels atemberaubend und das Erlebnis, ein Spiel zum ersten Mal aus der Perspektive eines Reporters zu sehen einfach faszinierend.

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