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Änish Ben-Hatira hat in Belek nicht belegen können, warum er zwingend in die Startelf gehört.

© dpa

Hertha BSC vor dem Rückrundenstart: Außer Konkurrenz

Kommende Woche beginnt für Hertha BSC gegen den FC Augsburg die Rückrunde in der Fußball-Bundesliga. Für die Berliner wird vieles anders sein als vor dem Jahreswechsel. Einige verletzte Spieler sind zurück und erheben Anspruch auf einen Stammplatz.

Hier ein Überblick über den Stand vor Herthas letztem Test im Trainingslager in Belek (Samstag, 15 Uhr, gegen den FC Vaduz).

TOR

Das mit der größten Spannung erwartete Duell musste wegen Unpässlichkeit eines der beiden Duellanten leider ausfallen. Die Frage, ob Thomas Kraft als offizielle Nummer eins in der Rückrunde wieder bei Hertha im Tor stehen wird, stellt sich erst einmal nicht. Kraft hat in Belek erneut über Schmerzen in der Schulter geklagt, nur eingeschränkt trainiert und als einziger aller 27 Spieler in keinem der drei bisherigen Testspiele auf dem Platz gestanden. Das einzig Gute daran: Der bisherige Stammtorhüter erspart sich die Schmach einer öffentlichen Degradierung zum Ersatzmann. Denn darauf wäre es hinausgelaufen. Krafts Vertreter Rune Jarstein hat in der Hinrunde nicht die geringste Angriffsfläche geboten; zudem passt er mit seinen Qualitäten deutlich besser zum Fußball, den Trainer Pal Dardai sehen will. Der Norweger ist nicht nur der stärkere Fußballer, sondern hat auch klare Vorteile in der Strafraumbeherrschung. Herthas Spiel ist darauf angelegt, den Gegner nach außen zu drängen: Lass ihn ruhig flanken, in der Mitte sind wir dank der kantigen Innenverteidiger und Jarstein so aufgestellt, dass die Gefahr überschaubar ist.

RECHTE AUSSENBAHN DEFENSIV

Durch die Rückkehr von Peter Pekarik gibt es jetzt drei seriöse Bewerber für den Platz rechts in der Viererkette: Neben dem slowakischen Nationalspieler sind dies Yanni Regäsel und Mitchell Weiser, der die Position als Außenverteidiger präferiert, weil er sich dort bessere Chancen auf eine Nominierung für die Nationalmannschaft ausrechnet. Bisher stand Pekarik nie infrage, seine dreimonatige Verletzungspause aber hat Hertha ohne größere Qualitätseinbußen überstanden. Trotzdem stand der 29-Jährige in den ersten beiden Tests in der vermeintlichen A-Abwehr, beim 1:4 der B-Elf gegen Bochum war er einer der wenigen Berliner, die zumindest nicht negativ auffielen. Pekarik erledigt seine Aufgaben routiniert und unaufgeregt. Dass er schon gegen Augsburg in die Startelf zurückkehrt, ist nicht ausgeschlossen. Regäsel, der gerade 20-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs, wird sich wohl erst einmal wieder hinten anstellen müssen. In Belek durfte er kein einziges Mal als Rechtsverteidiger spielen.

AUSSENBAHN OFFENSIV

Auf den offensiven Außenpositionen hat Hertha ganz sicher kein quantitatives Problem. Mit Winterzugang Sinan Kurt und dem zuvor lange verletzten Änis Ben-Hatira sind zwei weitere Bewerber hinzugekommen. Nach den Eindrücken aus Belek sind beide jedoch nicht in der Verfassung, die Qualität auf den Außenbahnen auf ein höheres Niveau zu heben. Kurt ist die mangelnde Erfahrung im Männerfußball deutlich anzumerken. Ihm fehlt bei allem nachgesagten Talent die Selbstverständlichkeit im Spiel, seine Körpersprache zeugt zudem nicht von ungebremstem Selbstvertrauen. Bei seinem Einsatz gegen den Zweitligisten Bochum kam „Super-Sinan“ („BZ“) in einer Halbzeit auf gefühlt drei Ballkontakte. Zu seiner Ehrenrettung sei erwähnt, dass der 19-Jährige bei Hertha noch nicht als Super-Sinan gesehen wird, sondern als Perspektivspieler, der die Mannschaft mittel- bis langfristig verstärken soll.

Auch Ben-Hatira, Valentin Stocker und Roy Beerens haben in Belek nicht belegen können, warum sie zwingend in die Startelf gehören. Ben-Hatira braucht nach seinen periodisch auftretenden Verletzungspausen ohnehin immer etwas länger, bis er seine alte Sicherheit wiederfindet. Stocker spielt zentral besser, weil ihm für die Außenbahn die Antrittsschnelligkeit fehlt, und Beerens ist in seinen finalen Aktionen nicht effizient genug. In 32 Pflichtspielen für Hertha hat er erst ein einziges Tor vorbereitet. Auch im Trainingslager zeigte er wieder diverse Male seine besondere Spezialität: Flanken über den gegnerischen Strafraum hinweg.

Da Salomon Kalou als gelernter Stürmer vermutlich auf einer der beiden Außenbahnen spielen wird, blieben für die andere Seite realistisch betrachtet noch Mitchell Weiser und Genki Haraguchi, der im Test gegen Borussia Mönchengladbach das Tor zum 2:2-Endstand erzielt hat. „Das war der japanische Genki“, sagte Pal Dardai. In der Vorrunde war vor allem der deutsche Genki (ein Tor, eine Vorlage) zu sehen gewesen, der beim Torschuss und der Torvorlage in der Regel die falsche Entscheidung trifft.

MITTELFELD ZENTRAL

Trainer Dardai hat die Fußballfachsprache (falscher Neuner, abkippender Sechser) zuletzt um eine neue Wendung bereichert. Der Ungar lässt bei Hertha im Mittelfeld ein „schiefes Dreieck“ auflaufen. Und das im Wortsinne. Die drei zentralen Mittelfeldspieler Vladimir Darida, Per Skjelbred und Fabian Lustenberger überzeugen unter anderem durch ihre außergewöhnliche Laufstärke. Herthas Erfolg ist nicht zuletzt ihrem Fleiß zu verdanken. Die interne Konkurrenz wird es daher schwer haben, einen festen Platz in der Startelf zu bekommen. Tolga Cigerci ist zwar auch ein Dauerläufer, die Einsätze in den Testspielen in Belek haben aber gezeigt, dass seinem Spiel noch Präzision und Timing fehlen.

Alexander Baumjohann kommt eher über die spielerische Komponente als über läuferischen Einsatz. In der Hinrunde war er – frei nach Joachim Löw – so etwas wie Dardais Spezialkraft. Er kam zumeist ins Spiel, wenn der Gegner müde wurde. Baumjohann hat im vergangenen halben Jahr erkennbare Fortschritte gemacht; trotzdem wird er sich wohl auch in den nächsten Wochen erst noch mit der Rolle des Jokers abfinden müssen.

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