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Berliner Pokal : Mit dem Sponsor als Trainer gewinnt Tennis Borussia

Im Viertelfinale des Berliner Landespokals vertritt Sponsor Jens Redlich den erkrankten Trainer Thomas Bradric. Die Fans reagieren skeptisch.

TeBe-Trainer Thomas Brdaric, hier bei einer Preisverleihung, liegt momentan flach. An seiner statt springt Sponsor Jens Redlich ein.
TeBe-Trainer Thomas Brdaric, hier bei einer Preisverleihung, liegt momentan flach. An seiner statt springt Sponsor Jens Redlich...Foto: Axel Heimken/picture alliance

Ein Fitnesskettenbesitzer, der sich als Fußballtrainer versucht - das klingt erst einmal reichlich absurd. Dementsprechend reagierten auch die Fans von Tennis Borussia Berlin, als Sponsor und Vorstandsvorsitzender Jens Redlich am Donnerstag im TeBe-Fanforum „lila kanal“ ankündigte, im Viertelfinale des Berliner Pokals gegen Tasmania den Platz von Trainer Thomas Brdaric einnehmen zu wollen. Brdaric ist an Grippe erkrankt, außerdem muss Torwarttrainer Nico Hinz für den ebenfalls erkrankten Keeper Stephan Flauder einspringen. Die Notlösung hat funktioniert: Tennis Borussia hat nach Elfmeterschießen mit einem knappen 6:5 gewonnen. In der 94. Minute glich Tasmania zum 2:2 aus und zwang TeBe in die Verlängerung - und ins Elfmeterschießen.

„Wir haben uns mit dem Trainerstab zusammengesetzt und sind zu dieser Entscheidung gekommen, um die Abläufe beim Spiel gewährleisten zu können“, kommentierte Redlich am Freitag die Entscheidung. Während Co-Trainer Armin Friedrich weiterhin für taktische Entscheidungen wie Ein- und Auswechslungen und Taktikwechsel sowie die Spielanalyse zuständig sein wird, springt der Besitzer der Fitnesskette „Crunch Fit“ im Bereich Mannschaftskontakt und Kommunikation ein. Durch Spielergespräche kenne er die Mannschaft bereits gut, so Redlich, der die Unterstützung für Co-Trainer Friedrich für nötig hält. Ein einziger Coach sei mit dem Spielmanagement überlastet, deswegen sei der Rollenwechsel notwendig.

Ein Aprilscherz?

Redlichs Meinung teilen nicht alle Fans. Die Ankündigung traf teilweise auf scharfe Kritik und Spott: Über das Internetforum „lila kanal“ kommentierte ein User: „Das ist echt das Absurdeste, was ich in bald 24 Jahren bei TeBe erleben darf. Und ich habe anderthalb Jahre Winnie Schäfer mitgemacht.“ Ein anderer schrieb „Ich stelle mich ins Tor.“ Ein weiterer Fan fragte, ob denn schon der 1. April sei. Nach negativen Erfahrungen mit dem Investor „Göttinger Gruppe“, der Tennis Borussia Mitte der Neunzigerjahre fast in den Ruin getrieben hatte, sind TeBe-Fans besonders kritisch gegenüber Sponsoren und deren Einflussnahme. 

Redlich reagiert gelassen auf die Kritik. „Ich bin da tiefenentspannt“, sagt er. Ihm gehe es ausschließlich darum, den Verein voranzubringen. Ob beim Spiel gegen den Torgelower FC Greif am Mittwoch wieder Brdaric auf der Trainerbank sitzen wird, ist noch nicht abzusehen. Zeitlich begrenzt wird der Jobwechsel aber auf jeden Fall sein. „Mein Platz ist auf der Tribüne, nicht auf der Trainerbank“, kommentiert Redlich.

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