BR Volleys gegen VfB Friedrichshafen : Die subtilen Psychospielchen im Volleyball

In den Spielen zwischen Berlin und Friedrichshafen geht es hoch her. Vor allem das Duell zweier Spieler lässt die Emotionen hochkochen.

Ihn blockt er am liebsten: Graham Vigrass (r.) im Duell mit Athanasios Protopsaltis (Nr.7).
Ihn blockt er am liebsten: Graham Vigrass (r.) im Duell mit Athanasios Protopsaltis (Nr.7).Foto: imago/Matthias Koch

Graham Vigrass hat eine recht staubtrockene Art. „Wir reden über sehr schöne Dinge. Wir sind Freunde“, behauptet er. Der Mittelblocker des Berliner Volleyball-Bundesligisten BR Volleys spricht über sein feuriges Duell, das er in der Finalserie um die Meisterschaft mit Friedrichshafens Außenangreifer Athanasios Protopsaltis austrägt. Wenn die Emotionen Purzelbäume schlagen, wenn Körper aufeinanderprallen, dann kann es hoch hergehen im Sport. Dann landet schon einmal eine Hand im Gesicht des Gegenspielers oder Ähnliches. Im Volleyball gibt es einen Puffer für hochkochende Emotionen: Das Netz, das beide Mannschaften trennt.

Doch wer glaubt, das Netz raube der Sportart die Würze, der sollte sich die Spiele der Finalserie um die deutsche Meisterschaft zwischen den BR Volleys und dem VfB Friedrichshafen ansehen.
Die Konflikte dort werden zwar subtiler, aber mindestens genauso hart ausgetragen wie etwa auf dem Fußballplatz – und zwar mit Blicken und vielen „kleinen ausgetauschten Nettigkeiten“, wie es der Volleys-Manager Kaweh Niroomand ausdrückt.

Sehr früh schon in der Serie, in der die Berliner vor dem vielleicht letzten Spiel am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle (15 Uhr) mit 2:1 führen, deutete sich eine giftige Auseinandersetzung zweier auf den ersten Blick unterschiedlicher Spieler an.

Friedrichshafens für Volleyballverhältnisse mit 1,85 Metern kleiner Außenangreifer Protopsaltis lieferte sich zunächst viele sportliche Duelle am Netz mit dem Berliner Mittelblocker Graham Vigrass. Der 2,05 Meter große Kanadier begann irgendwann damit, seine kleinen psychologischen Tricks auszupacken. Er grinste den Griechen Protopsaltis nach dessen gescheiterten Angriffsschlägen an und es dauerte nicht lange, bis die Nettigkeiten ausgetauscht wurden.

Ob dabei, wie von Vigrass behauptet, über schöne Dinge gesprochen wurde, scheint zumindest im Auge des Betrachters zu liegen. Protopsaltis reagierte häufig ungehalten auf den verbalen Schlagabtausch und trennte nicht das Netz die beiden Kontrahenten, wer weiß, vielleicht hätte sich Vigrass längst eine Ohrfeige des Griechen eingehandelt. Doch auch so dürfte Vigrass mit seinen kleinen Provokationen sein Ziel erreicht haben. Protopsaltis schwächelte in den ersten beiden Spielen, ehe er am vergangenen Mittwoch beim 3:1-Sieg seiner Mannschaft in Friedrichshafen erstmals mit 21 Punkten zu seiner Form fand.

In wichtigen Spielen bringt Vigrass seine besten Leistungen

„Graham ist eigentlich ein ruhiger Vertreter“, sagt Niroomand. „Aber klar. Er lässt sich auch nicht die Butter vom Brot nehmen.“ Vigrass wiederum „macht das Gequatsche am Netz einfach Spaß. Dadurch wird man erst richtig heiß.“ Der 28-Jährige ist in seiner zweiten Saison bei den Volleys und ihm ist es bislang außerordentlich gut gelungen, sich auf Temperatur zu bringen. Gerade in wichtigen Spielen zum Ende der Saison zeigt er seine besten Leistungen.

Vigrass ist enorm sprungstark und kann vielleicht wie kaum ein Zweiter in der Liga die gegnerischen Angriffe antizipieren. Zudem haben die Gegner große Probleme mit seinen Angaben, die in der Regel flatterig in das gegnerische Feld segeln. Niroomand wird den Spieler, dessen Vertrag nach dieser Saison ausläuft, sicher halten wollen. Die Frage wird sein, ob er das kann. Vigrass hat mit seinen Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Es wird viele Verein geben, die den cleveren Mittelblocker gerne verpflichten würden. „Ich will in dieser Phase nicht über meine Zukunft, sondern nur über die Spiele gegen Friedrichshafen reden“, sagt er.

Und wenn Vigrass das tut, dann gerät er ins Schwärmen. Es scheint fast so, als würde ihn die jüngste Niederlage gegen Friedrichshafen gar nicht stören. Im Gegenteil: Das beschert ihm ein weiteres Spiel in der Max-Schmeling, wahrscheinlich wieder vor mehr als 7000 Zuschauern wie schon am vergangenen Sonntag.

„Es ist fantastisch, in dieser Atmosphäre zu spielen. Ich freue mich sehr auf dieses Spiel“, sagt er. Die Frage ist nun, ob sein Widersacher Protopsaltis mit ähnlicher Vorfreude in dieses Duell geht oder ob er nicht schon im Vorfeld ein Zörnchen bekommt, wenn er den grinsenden Vigrass vor seinem inneren Auge sieht. Denn wenn der Kanadier ihn anlächelt, dann ist das gleichbedeutend damit, dass die Volleys gepunktet haben.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!