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So wie gegen Hoffenheim am letzten Hinrunden-Spieltag will Christoph Janker künftig häufiger glänzen.
© dpa

Hertha vor dem Rückrundenstart: Christoph Janker ist endlich wichtig

Christoph Janker hat in den vergangenen Wochen eine erstaunliche Wandlung durchgemacht. Der Mann galt einmal als die personifizierte Unauffälligkeit, in diesen Tagen aber wirkt er so präsent wie noch nie.

Auf dem Trainingsplatz von Hertha BSC ist eine Stimme jetzt häufiger zu vernehmen - die von Christoph Janker. Der 26-Jährige dirigiert die Viererkette und gibt Anweisungen an seine Kollegen. Es ist fast so, als hätten ihm die vergangenen Wochen die Zunge gelöst. Ganz falsch ist dieser Eindruck nicht. "Man kann nur laut und dominant sein, wenn man es ausstrahlt"", sagt Janker. "Letztes Jahr musste ich erst einmal wieder körperlich zu mir finden."

Vor einem Jahr ging es für den Defensivallrounder nicht um die Frage: Startelf oder Ersatzbank? Es ging darum, ob er überhaupt weiter würde Fußball spielen können. Im Herbst 2010 wurde bei Janker ein so genanntes Kompartmensyndrom, eine massive Einblutung im rechten Oberschenkel, festgestellt. Der Oberschenkel musste auf 35 Zentimeter Länge aufgeschnitten werden, selbst eine Amputation konnten die Ärzte zwischenzeitlich nicht ausschließen. "Das war die schlimmste Zeit meiner Karriere", sagt Janker.

Es ist nicht so, dass der Rest seiner Karriere einen besonderen Glanz versprüht hätte. Seit zweieinhalb Jahren spielt Janker für den Berliner Fußball-Bundesligisten, in dieser Zeit ist er auf ganze 25 Liga-Einsätze gekommen. „Ich bin Profi, in guten wie in schlechten Tagen“, sagt der 26-Jährige, „die schlechten haben bei mir bisher leider überwogen.“ Im Moment aber scheint seine Geschichte eine erfreuliche Wendung zu nehmen. Jankers Präsenz auf dem Platz korreliert mit der Wertschätzung, die ihm von seinen Vorgesetzten in diesen Tagen entgegengebracht wird.

Die Position von Kapitän Mijatovic ist nicht sakrosankt

Das hat schon Ende des vergangenen Jahres angefangen, als er in Hoffenheim und im Pokal gegen Kaiserslautern in der Startelf stand. Der neue Trainer Michael Skibbe hat bereits im Trainingslager verlauten lassen, dass er trotz der Kreuzbandverletzung bei Maik Franz keine Neuverpflichtung für die Abwehr plane – auch das ist durchaus als Vertrauensbeweis für Janker zu deuten. Genauso wie das Interesse des Vereins, den im Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern. "Natürlich gab es Tage, wo man mal den Kopf hängen lässt", sagt Janker über seine Zeit in Berlin. "Aber die halten sich in Grenzen, und es sollten auch nicht zu viele sein." Er habe schließlich immer gewusst, was er kann – nur zeigen durfte Janker es eben nicht allzu oft. "Das war schon krass", sagt er über seinen schleichenden Bedeutungsverlust, "das ist auch nicht spurlos an mir vorübergegangen."

Im Moment aber darf sich Christoph Janker zum ersten Mal bei Hertha richtig wichtig fühlen. "Ich will Verantwortung übernehmen", sagt er. Und das wird er wohl auch dürfen. Andre Mijatovic fällt wegen seiner anhaltenden Probleme mit dem Sprunggelenk in jedem Fall am Samstag in Nürnberg aus. Trainer Michael Skibbe glaubt zwar, dass die Rückkehr des Kapitäns nur eine Frage von Tagen ist, Mijatovic selbst aber hat eine Ausfallzeit von zwei bis drei Wochen veranschlagt. "Das ist noch keine Notsituation", sagt Herthas Trainer, "aber viel darf hinten nicht mehr passieren."

Ein sofortiger Transfer von Felix Bastians, der notfalls auch in der Innenverteidigung spielen könnte, ist laut Skibbe nach wie vor nicht geplant. "Christoph ist natürlich die erste Alternative für die Innenverteidigerposition", sagt Herthas Trainer. Und vielleicht wird er ja sogar mehr als das. Mijatovic hat in der Hinrunde nicht so gespielt, dass seine Position als sakrosankt einzuschätzen wäre. Und nach seinen bisherigen Eindrücken aus dem Training ist Skibbe sehr zuversichtlich, dass Janker die ihm zugedachte Aufgabe zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllen wird. "Er ist jemand, der viel organisiert, viel redet", sagt Skibbe. "Einer Abwehr tut es natürlich gut, wenn alle gut informiert sind."

Und Christoph Janker tut es gut, dass er endlich mal gebraucht wird.

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