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Es soll nach oben gehen. Die Chancen stehen gut für Tim Freihöfer, der nächste Saisonn bei den Füchsen spielen wird, und sein Team.
© imago images/camera4+/Iamgo

Handballer des VfL Potsdam vor dem Aufstieg: Das Projekt 2. Bundesliga nimmt Fahrt auf

Potsdams Handballer wollen am Sonntag in die 2. Bundesliga aufsteigen. Sie sind gut gerüstet für die Zweitklassigkeit: Frank von Behren wird Geschäftsführer.

Frank von Behren ist niemand, der die Dinge überstürzt. Als ihm das Amt des Geschäftsführers beim 1. VfL Potsdam angeboten wurde, wägte er genau die Eventualitäten ab. Und trotzdem hat ihn das Projekt rasch überzeugen können. „Ich fand das von Anfang an total spannend”, sagt der 45-Jährige, „wir sind da ziemlich schnell auf einen Nenner gekommen.”

Noch am Tag, als von Behren in seiner Tätigkeit als Sportgeschäftsführer bei der GWD Minden nach knapp fünf Jahren im vergangenen November freigestellt worden war, hatte ihn Bob Hanning telefonisch kontaktiert. In den anschließenden Monaten folgten Treffen mit dem Geschäftsführer der Füchse Berlin, der in Personalunion ebenso als Trainer des VfL fungiert und dessen ausgeschriebenes Ziel es seit einiger Zeit ist, den Kooperationspartner in die Zweite Liga zu führen.

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Nicht weit von Berlin entfernt möchte er eine Möglichkeit schaffen, dass seine Füchse-Talente nach der dritten Liga, wo die zweite Mannschaft spielt, als nächsten Schritt nicht gleich dem Sprung in den Bundesligakader schaffen müssen. Sondern entsprechend dem jeweiligen Niveau ebenfalls im Unterhaus Erfahrungen sammeln können, ohne das Einflussgebiet des Vereins zu verlassen. Einmal ganz davon abgesehen, dass der Aufstieg Potsdams für die Region Berlin-Brandenburg handballbezogen fördernd wäre. Ein Ansatz, der vor kurzem sogar Bundeskanzler Olaf Scholz zu einem der Aufstiegsspiele in die Halle führte.

„Die Bedingungen hier am Olympiastützpunkt Potsdam sind dafür perfekt. Das ist absoluter Leistungssport, davon träumt jeder Sportler”, schwärmt von Behren, den mit Hanning eine gemeinsame Vision verbindet. Beide legen Wert auf eine Förderung von Talenten, haben sich immer wieder für die Etablierung junger deutscher Spieler in der Bundesliga eingesetzt.

Da ist es wenig verwunderlich, dass sich die Wege der beiden Funktionäre in der Vergangenheit des Öfteren kreuzten. So gingen beispielsweise Christoph Reißky, Malte Semisch und Miro Schluroff von Berlin nach Ostwestfalen, Marian Michalczik hingegen zog es zum Champions League-Aspiranten. „Wobei ich schon damals fand, dass dieser Schritt für Marian zu früh kam”, sagt von Behren, der vom Vorstand Sport der Füchse, Stefan Kretzschmar, etwas überrumpelt worden war. Letztlich behielt von Behren recht. Michalczik konnte sich bei den Füchsen nicht etablieren, wurde zudem abermals von Verletzungen zurückgeworfen und wechselt nun vorzeitig zum Konkurrenten nach Hannover.

Nach dem 30:25-Hinspielerfolg bei der SG Pforzheim/Eutingen stehen die Chancen am Sonntag gut

Aber so ist der Sport. So ist das Geschäft mit jungen Spielern, die sich nicht immer ohne Probleme bei den Topklubs durchsetzen, die bei einer erfolgreichen Entwicklung schwer gehalten werden können. Auch deshalb sticht das Projekt Potsdam hervor und ein Blick auf den aktuellen Kader zeigt, welche Früchte die Bestrebungen schon jetzt tragen. Hier sind zahlreiche Spieler aktiv, die bereits bei den Füchsen in der Bundesliga aufliefen. Fuchs Matthes Langhoff erhält hier außerdem die Spielzeit, die ihm bei den Profis manchmal noch fehlt. Ebenso ist es in der nächsten Spielzeit mit Max Beneke geplant, während Linksaußen Tim Freihöfer nach Berlin wechselt.

Darauf wollen Hanning und von Behren aufbauen. Unabhängig davon, ob die Potsdamer den Aufstieg an diesem Wochenende perfekt machen. Nach dem 30:25-Hinspielerfolg bei der SG Pforzheim/Eutingen stehen die Chancen in der heimischen Arena (16 Uhr/sportdeutschland.tv) allerdings mehr als gut. „Wichtig ist es dann aber, dass die Strukturen mitwachsen und der Verein weiter professionalisiert wird”, weiß von Behren, dessen Vertrag am 1. Juli beginnt. Ab dann wird der 45-Jährige zunächst zwischen Potsdam, Berlin und Minden pendeln, während Frau und Kinder in der Heimat bleiben. „Wir schauen erst einmal, wie das läuft”, sagt von Behren.

Dass es bei der Zusammenarbeit mit dem stets engagierten Hanning zu Problemen kommen könnte, glaubt er nicht. Sein ehemaliger Nationalmannschaftskollege Kretzschmar hat es vorgemacht. Ebenso wie vor ihm Volker Zerbe. Der Respekt gegenüber Hanning ist groß. „Er ist einfach ein Macher, davon kann ich nur profitieren”, sagt von Behren. Als Geschäftsführer steht ihm in der Anfangsphase einiges bevor. Doch Frank von Behren nimmt es mit der ihm eigenen Gelassenheit. Er will sich zunächst in Ruhe einen Überblick verschaffen. Und am langfristigen Erfolg Potsdams hat er ohnehin wenig Zweifel

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