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Die Heidenheimer und ihr Maskottchen Paule (l.) kennt man inzwischen in der Liga.

© IMAGO/Michael Weber

Der 1. FC Union erwartet Angstgegner: Jetzt kennt man Heidenheim auch in Berlin

Der Gründer von Berlins einzigem Heidenheim-Fanclub glaubt an einen Sieg gegen Union. Er erklärt, warum der Klub aus dem Süden Deutschlands weiterhin in die Bundesliga gehört.

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Bei der Frage, ob er ein Exot ist, muss Matthias Singer kurz zögern. „Der Schwabe ist bekanntlich nicht selten in Berlin zu finden“, sagt er. „Aber als Fanclub würde ich schon sagen, dass wir recht exotisch sind.“

Der langjährige Wahl-Berliner Singer ist Mitglied und Gründer von OST Alb Berlin, dem einzigen Fanklub des 1. FC Heidenheim in der Hauptstadt. Gegründet hat er ihn 2009, als der damals noch kleine FCH erstmals in die dritte Liga aufstieg. Seitdem hat er seinen Herzensverein bis in die Bundesliga begleitet. Auch am Samstag, wenn Heidenheim beim 1. FC Union zu Gast ist (15:30, Sky), wird Singer im Gästeblock stehen.

Ein Exot war er eigentlich schon immer. Singer ist gebürtiger Heidenheimer und schloss sich dem Verein schon mit fünf Jahren als Jugendspieler an. Nach insgesamt zwölf Jahren im Klub wurde er zwangsläufig auch Fan, was damals sogar in Heidenheim selbst ungewöhnlich war. „Wir waren damals noch in der Landesliga. Da gab es sogar manche Dörfer in der Umgebung, die stärker waren als wir“, sagt er.

Als er später nach Berlin zog, wo er in den unteren Ligen für verschiedene Vereine weiterkickte, wurde er noch exotischer. Die Ergebnisse „seines“ Klubs konnte er damals nur in der Zeitung verfolgen. Als er sein Heidenheim-Trikot weiterhin stolz beim Training trug, kannte kaum ein Berliner Mitspieler den Klub.

Das ist mittlerweile ganz anders. Heute ist der FC Heidenheim Erstligist und einer von mehreren Provinzklubs, die die traditionellen Machtverhältnisse des deutschen Profifußballs mit stabilem Wachstum und klugen Investitionen aufmischen.

In seiner Heimatregion in der schwäbischen Ostalb wird der Verein immer populärer, und außerhalb ist er zum Aushängeschild seiner Stadt geworden. „Auch in Berlin wissen jetzt die meisten Fußballfans zumindest ungefähr, wo Heidenheim auf der Landkarte liegt. Das hat der Stadt gutgetan“, sagt Singer.

Manche nennen uns einen Plastikklub, doch das trifft es nicht.

Matthias Singer, Mitglied und Gründer von OST Alb Berlin, dem einzigen Fanklub des 1. FC Heidenheim in Berlin.

Nur sein Fanklub ist während des rasanten Aufstiegs aus der Regional- in die Bundesliga stabil geblieben. „Wir waren am Anfang 15 Leute und wir sind 15 geblieben“, sagt er. Die meisten Mitglieder kommen wie er ursprünglich aus Heidenheim. Er habe es aber schon geschafft, ein paar Berliner Freunde für den Klub zu begeistern. Seit 16 Jahren fahren sie vorwiegend zu den Auswärtsspielen in Nord- und Ostdeutschland, die von der Hauptstadt aus gut erreichbar sind.

Auf ein Spiel in Berlin mussten sie zunächst lange warten. Erst mit dem Zweitliga-Aufstieg im Jahr 2014 spielte Heidenheim in derselben Liga wie ein Berliner Verein. Das Spiel gegen Union im Februar 2015 war so das erste Mal überhaupt, dass Singer seinen Verein in seiner Wahlheimat spielen sah. „Das war natürlich sehr, sehr besonders“, erinnert er heute.

Nun ist Heidenheim nicht nur in Berlin, sondern in den meisten großen Fußballstädten Deutschlands ein bekanntes Gesicht. Obwohl er kein klassischer Traditionsverein ist, hat er auch Sympathien gesammelt. „Manche nennen uns einen Plastikklub, doch das trifft es nicht“, sagt Singer. „Das ist kein Verein mit einem Riesensponsor, wo viel Geld reingepumpt wird. Und das erkennen die meisten auch.“

Ob kleine Vereine wie Heidenheim aber nicht eher schädlich für die Attraktivität der Bundesliga sind? Er könne das Argument zwar verstehen, dass man lieber einen Traditionsverein mit einem 50.000er-Stadion habe, sagt Singer. Heidenheim habe seinen Platz in der ersten Liga jedoch verdient, und was Fankultur angeht, sei der Verein besser aufgestellt, als sein Ruf vermuten lässt: „Es ist wirklich bemerkenswert, wie viele Fans auswärts mitfahren. Wenn man in die Statistiken für die ganze Liga schaut, ist Heidenheim da nicht ganz unten. In München waren sogar 8000 dabei.“

Mit Blick auf diesen Samstag wird man dem Ruf als Dorfverein allerdings gerecht. Nur 1300 Auswärtsfans werden in der Alten Försterei dabei sein, der Gästeblock wird entsprechend verkleinert. Auch sportlich steckt der Klub in einer der schlechtesten Phasen seit dem Bundesliga-Aufstieg 2023. Mit fünf Punkten und nur einem Sieg ist Heidenheim aktuell Tabellenschlusslicht.

Bei Union ist man trotzdem gewarnt. Mit neun Niederlagen aus 16 Spielen haben die Berliner traditionell keinen Spaß an dieser Begegnung. Auch Trainer Steffen Baumgart warnte am Donnerstag vor einem schwierigen, sehr kompakt stehenden Gegner, der seinen Außenseiterstatus zu nutzen weiß. „Die größte Stärke dieses Vereins ist, dass keiner aufgibt“, sagte der Union-Coach auf der Pressekonferenz.

Das gilt auch für Matthias Singer. Die Bundesliga sei ein Traum und der Verein wisse, wo er herkomme, sagt er. Doch nach zwei erfolgreichen Erstliga-Jahren habe man jetzt schon den Anspruch, die Klasse zu halten. Deshalb mache er sich trotz der aktuellen Situation noch keine Gedanken über einen möglichen Abstieg. „Das ist kein Zweckoptimismus: Ich kenne diese Mannschaft und ihre Mentalität, und ich gehe schon davon aus, dass sie es wieder packen können.“

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