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Kommentar zur Weltfußballer-Wahl: Der "Goldene Ball" ist ein Pokal ohne Wert

Wird Manuel Neuer am Montagabend zum Weltfußballer 2014 gewählt? Was von vermeintlich überragender Bedeutung ist, hält unser Autor für völlig belanglos. Warum? Weil Fußball ein Mannschaftssport ist. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von Stefan Hermanns

Ja, ja, ja! Heute Abend wird es endlich vorbei sein. Wenn nicht alle Indizien täuschen, wird heute Abend tatsächlich der weltweit beste Fußballer des Jahres 2014 gekürt – nachdem wir auf diesen großen Moment seit gefühlt 21 Wochen vorbereitet worden sind. Man muss der Fifa fast schon gratulieren, wie sie einer völlig belanglosen Auszeichnung durch ein unablässiges PR-Feuerwerk eine ins Unermessliche gesteigerte Bedeutung verpasst hat. Im deutschen Fußball scheint es seit Wochen kein anders Thema mehr zu geben als die Frage, ob Manuel Neuer nun gewinnen wird oder nicht. Jeden Tag hat sich ein neuer Fürsprecher des Nationaltorhüters zu Wort gemeldet, und mit jedem Redebeitrag hat sich die Ansicht verfestigt, dass alles andere als Neuers Kür einem unerhörten Skandal gleichkäme.

Das ist insofern bemerkenswert, als der Gewinn des WM-Titels bisher immer auf die mannschaftliche Geschlossenheit der Deutschen zurückgeführt wurde. Irgendwie passt das nicht zum vorweggenommenen Beleidigtsein für den Fall, dass statt Neuer doch wieder einer der üblichen Verdächtigen Ronaldo oder Messi den Goldenen Ball bekommen sollte. „Wird Manuel Neuer der Titel geklaut?“, hat die „Bild am Sonntag“ schon gefragt.

In diesem Zusammenhang sei noch einmal an das angebliche Steven-Gerrard-Zitat erinnert, mit dem der Deutsche Fußball-Bund der Geschichtsschreibung zum WM-Titel eine Art philosophischer Überbau verpasst hat: „Brasilien hat Neymar. Argentinien hat Messi. Portugal hat Ronaldo. Deutschland hat eine Mannschaft!“ Für die Wahl zum Weltfußballer heißt das: Was soll das überhaupt? Was bringt es, in einem Mannschaftssport den angeblich Besten zu küren und damit den Erfolg des Einzelnen über den des Teams zu stellen?

Aus Gründen des Proporzes müsste eigentlich Lionel Messi die Auszeichnung erhalten. Der Argentinier hat im vergangenen Jahr nichts Großes gewonnen. Cristiano Ronaldo hingegen bliebe immer noch die Champions League, Manuel Neuer der WM-Titel von Rio. Das sollte beiden eigentlich Trost genug sein.

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