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Die Augsburger Fans hatten bei ihrer Auswärtsfahrt nach Fürth kein Glück.

© dpa

Update

Willmanns Kolumne: Der taktische Schlagstockeinsatz

In der aktuellen Kolumne von Frank Willmann geht es nicht um Gewalt, die von Fußballfans ausging. Denn in Fürth wanderten neulich die Schwachen den Starken vor die Schlagstöcke.

Im fränkischen Fürth hatte ein durchgeknallter Haufen Staatsbeamter am 16. Dezember offenbar so richtig Spaß. Ursprünglich eingesetzt, um den Auswärtsanhang des FC Augsburg sicher zum Stadion und wieder zu Bus und Bahn zu geleiten, prügelten und pöbelten die Polizisten grundlos auf Augsburger Fußballfans ein. Die Augsburger wurden zweimal auf dem Heimweg von Fürther Fans angegriffen. Die Polizisten der USK waren jeweils nicht rechtzeitig zur Stelle, schlugen aber in der Folge auf Augsburger ein. Egal ob Mann oder Frau. Obwohl die Augsburger weder Gewalt ausübten, noch die Polizei verbal attackierten. Begründet wurde der Schlagstockeinsatz taktisch. Mit dieser so genannten „Einsatztaktik“ treibt die USK „Personen“ gesammelt zu den Shuttlebussen.

Mindestens eine Person erlitt Knochenbrüche. „Extrem aggressiv und kontraproduktiv“ analysierte FCA-Präsident Walter Seinsch das Geschehen und beschwerte sich nun bei seinem Innenminister. Augsburg und Fürth waren bisher Städte, wo Füchse und Hasen noch friedlich gemeinsam an einer Weißwurscht nuckelten.

Die Fürther Gewaltorgie wurde vom USK, dem Unterstützungskommando, angezettelt. Eine sehr umstrittene bayerische Polizeieinheit „mit besonderen Aufgaben“, die gern „taktisch“ vorgeht. Gegründet 1987 anlässlich der Todesschüsse an der Frankfurter Startbahn West, geriet die Truppe mit ihrem Hang zum locker sitzenden Schlagstock schon mehrfach in die Schlagzeilen. Ob gegen Atomkraftgegner in Wackersdorf oder Fußballfans, das USK trat in seinen sehr dunkelblauen, fast schwarzen Uniformen martialisch auf und tat „dem Gegner“ häufig körperlich weh.

Seinsch meint, seine Fans hätten in Fürth als Kanonenfutter für Azubis der USK herhalten müssen. Die erste zünftige Schlägerei als Initiationsritual? Ist das eine besondere deutsche Polizeitaktik oder eine brutale Herangehensweise von Staatsbeamten, wie man sie aus Schurkenstaaten kennt? Zieht das nun eine Untersuchung der Vorfälle samt Suspendierung der Schläger in Uniform nach sich? Häufig verrinnen solche internen Untersuchungen im Sande.

Die Dinge sind in Unordnung geraten. Polizisten brauchen Harmonie. Fans auch.

Wir dürfen sehr gespannt auf die Reaktionen aus dem bayerischen Innenministerium sein. Natürlich müssen Politik, DFB und DFL reagieren. Wie sie sich wohl verhalten werden? Erleben wir gleich einen Aufschrei der Medien? Das sichere Fußballerlebnis ist doch gefährdet. Oder nicht, liebe Innenminister und EnthüllungsfacharbeiterInnnen? Muss man in Bayern Angst haben, von USK-Beamten in fast schwarzen Uniformen verprügelt zu werden, wenn man als Fußballfan nicht flink genug zum Shuttlebus marschiert? In diesem Jahr finden in Bayern Landtagswahlen statt. Das ist doch ein prima Wahlkampfthema. Ist das nicht ein typischer Fall für die Opposition?

Hut ab vorm FCA-Präsidenten, der sich schützend vor seine Fangemeinde stellt. Solche klaren Worte wünscht man sich von Entscheidungsträgern. Nun weiß auch der letzte deutsche Michel, es gibt nicht nur auf Seiten der Fans Gestörte aller Art. Der ganze Vorfall samt Stellungnahme des Augsburger Präsidenten und des Fanbeauftragten Alexander Edin ist nachzulesen auf der Homepage des FCA. 

Über den Polizeieinsatz müssen die Richter entscheiden, wir leben im demokratischen Deutschland. Der Einsatzleiter der Polizei Fürth scheint ein anständiger Beamter zu sein. Er suchte nach der Bekanntgabe der Vorfälle das Gespräch. Gemeinsam mit dem Fürther  Fan- und Sicherheitsbeauftragten trafen sich die Fanbetreuung und der Sicherheitsbeauftragte des FCA am 16. Januar in Fürth. Dort entschuldigte sich Polizeioberrat Gradl für die übertriebene Einsatztaktik des USK und für die Beleidigungen gegenüber den Augsburger Fans. Auch wolle er, einen Monat nach den Vorfällen, gegenüber der Einsatzleitung des USK die Vorfälle „klar ansprechen um die Dinge aufzuarbeiten.“.

Die Dinge sind in Unordnung geraten. Polizisten brauchen Harmonie. Fans auch.

Eintracht Frankfurt steht wegen des Abbrennens von Feuerwerkskörpern beim Rückrundenstart in Wolfsburg momentan in der Kritik. Am Wochenende rumorte die eigentlich immer schweigende Mehrheit gegen einige Wirrköpfe im Anhang.Wenn Eintracht Frankfurt die Namen der beteiligten Fans meldet, solle die Bestrafung milder ausfallen. Der oberste DFB-Richter ist gefordert und muss in seiner folgenschweren Entscheidung einiges bedenken.

Besonders aus Dresden blickt man mit Argusaugen Richtung Frankfurt. Dynamo Dresden wurde wegen Fanrandale neulich aus dem DFB-Pokal ausgeschlossen. Die Sachsen lugen nun selbstbewusst aus dem Tal der Ahnungsvollen. Denn ihnen schwant, die Strafe des DFB könnte recht milde ausfallen. Sächsische Verschwörungstheoretiker wittern Morgenluft, der Osten baumelt am Ende der fußballdeutschen Fahnenstange bei Oder-Wasser und russisch Brot. Dynamo überlegt nun, dem Pokalausschluss mit einem Widerspruch zu belegen. Pfui Teufel ihr Sachsen, ihr verlangt doch nicht etwa gleiches Recht für Alle?

Um eins klarzustellen: Gewalt ist keine Lösung, weder auf Seiten der Fans, noch auf Seiten der Sicherheitskräfte.

Zurück nach Augsburg. Ob die Bestrafung des USK auch milder ausfällt, wenn die beteiligten Schläger von ihren Kollegen gemeldet werden?

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