• Der Torwart mit dem großen Herz: Wie sich Leipzigs Keeper Peter Gulacsi für Frühchen einsetzt

Der Torwart mit dem großen Herz : Wie sich Leipzigs Keeper Peter Gulacsi für Frühchen einsetzt

Zusammen mit seiner Ehefrau Diana hilft Ungarns Nationaltorwart Krankenhäusern in der Heimat. Auch für Tierheime und Straßenhunde engagiert sich das Paar.

Torwart Peter Gulacsi engagiert sich mit seiner Ehefrau Diana in mehreren Bereichen sozial.
Torwart Peter Gulacsi engagiert sich mit seiner Ehefrau Diana in mehreren Bereichen sozial.Foto: imago images/Karina Hessland

Peter Gulacsi wirkt bisweilen so, wie sich manche Menschen einen Buchhalter vorstellen. Konzentriert, sachlich, emotionslos. Der Mann macht eben seinen Job - und das verdammt gut. In der vergangenen Saison war der Torwart von RB Leipzig gemessen an Gegentoren der beste der Fußball-Bundesliga. Und auch in dieser Spielzeit haben nur zwei Mannschaften weniger Gegentore in der Statistik als Herbstmeister RB Leipzig.

Sein Job zwischen den Pfosten ist aber nur eine Seite von Peter Gulacsi. Die andere, sein großes Herz, kennen die wenigsten. „Es ist auch nichts Besonderes“, sagt der 29-Jährige. Zahlreiche Eltern in seiner Heimat Ungarn mögen das anders sehen. Denn Gulacsi spendet seit gut einem Jahr alle Prämien, die er bei der Nationalmannschaft bekommt, und hilft damit Frühchenstationen in den oft nicht gut ausgestatteten Krankenhäusern Ungarns.

Ein mittlerer fünfstelliger Betrag ist bisher in die Hilfe für die Kleinsten geflossen. Schafft Ungarn über die Play-offs die Qualifikation für die EM im kommenden Jahr, wird der Betrag deutlich steigen. Zum Vergleich: Der DFB schüttete der Nationalmannschaft für die direkte Qualifikation insgesamt drei Millionen Euro aus.

Von solchen Summen ist man in Ungarn weit entfernt. Für Gulacsi ist es dennoch eine Herzensangelegenheit. „Ich führe ein glückliches Leben. Seit ich 17 bin, spiele ich im Ausland. Ich möchte etwas davon zurückgeben, was ich von meinem Land bekommen habe“, sagt der Schlussmann. Ihm ist wichtig, nicht nur Geld zu spenden: „Uns ist es lieber, konkret mit medizinischen Geräten zu helfen.“

Seit Gulacsi und seine Frau Diana im Juni Eltern geworden sind, ist ihnen das Thema Frühchen sehr wichtig. „Das spielte in der Schwangerschaft meiner Frau eine Rolle“, berichtet Gulacsi: „Es gab eine Phase, wo nicht alles perfekt gelaufen ist. Da haben wir gesehen, was die kleinen Babys und Eltern durchmachen müssen und wie beeindruckend stark die Frühchen sind.“

Geräte und Betten gekauft

Seitdem kaufte Gulacsi für eine Frühchenstation ein Gerät für 10.000 Euro, das anhand eines Blutstropfens binnen Sekunden lebenswichtige Werte bei Frühchen misst. Ein anderes Krankenhaus bekam zehn mobile Frühchen-Betten.

Wie Kinder die eigene Wahrnehmung verändern, erfuhr auch RB-Trainer Julian Nagelsmann nach dem Besuch der Leipziger Uniklinik in der Vorweihnachtszeit. „Es ist einfach schön, wie sich Kinder über kleine Gesten freuen. Und man merkt, dass unser Sport bewegt“, berichtet der 32-Jährige.

Peter Gulacsi und seine Frau hatten sich bereits vor der Geburt von Sohn Dominik gemeinnützig engagiert und sich ganz dem Tierschutz verschrieben. Mehrere Tierheime haben sie gerettet, und die Spuren dieser Zeit findet man heute noch in ihrem Haus am Markkleeberger See vor den Toren Leipzigs.

„Wir haben zwei Hunde, beides sind Straßenhunde aus Ungarn. Unsere zwei Katzen haben wir in Liverpool von der Straße gerettet. Meine Frau möchte gern noch mehr Tiere aufnehmen, aber wir haben das Maximum erreicht“, erklärt Gulacsi.

Vermittlung von Straßenhunden

Dennoch kommt es nicht selten vor, dass die Gulacsis in Ungarn Straßenhunde entdecken und ihnen ein neues Heim besorgen. Das funktioniert meistens über Facebook - und die Popularität des Nationalspielers und seiner Frau hilft da natürlich.

Bevor sie jetzt in den Urlaub auf die Seychellen flogen, überraschte das Ehepaar am Weihnachtstag ein Krankenhaus in der Heimat. Allen Ärztinnen, die am 24. Dezember gearbeitet haben, überreichten sie ein kleines Geschenk.

„Die Situation in Ungarn ist nicht immer einfach“, sagt Gulacsi: „Es sollte ein kleines Dankeschön sein.“ (dpa)

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