Der Traum vom zweiten Gold : Eiskunstläuferin Aljona Savchenko will das Comeback

Aljona Savchenko will wieder groß angreifen. Doch erst muss sie ihren Partner Bruno Massot überreden. Es wäre ein Comeback-Märchen mit Fallhöhe.

Der magische Moment. Aljona Savchenko und Bruno Massot bei ihrem Olympiasieg in Pyeongchang.
Der magische Moment. Aljona Savchenko und Bruno Massot bei ihrem Olympiasieg in Pyeongchang.Foto: dpa

Sie will zurückkommen und das ist ja irgendwie verständlich. Denn diesen Traum möchte Aljona Savchenko noch einmal leben. Es war schließlich der magische Moment ihrer Karriere und nicht nur das: Die Gold-Kür von Pyeongchang. Dieser 15. Februar 2018 hat die ganze deutsche Sportnation verzaubert und wird unweigerlich neben dem Eishockey-Silber der Männer als der große Erfolg der Deutschen mit den Olympischen Spielen von Pyeongchang verbunden bleiben.

Für Savchencko soll es das aber nicht gewesen sein, mit fast 36 Jahren will sie zurück aufs Eis, will den „magischen Moment“, wie sie selbst sagt, noch einmal erleben. „Ich glaube, dass wir, sollten wir aufs Eis zurückkehren, sogar unsere Olympia-Kür toppen könnten“, nun werde sie versuchen, ihren Eis-Partner Bruno Massot, bald 31 Jahre alt, von der Idee zu überzeugen. Der Franzose arbeitet inzwischen als Trainer.

Das Comeback-Märchen ist also angesagt. Fallhöhe impliziert. Nach der Geburt ihrer Tochter im September will sie nun zurück aufs Eis. Am 19. Januar feiert sie den 36. Geburtstag. Macht das Sinn oder sollte man der guten Aljona Savchenko nicht schnell die Schlittschuhe wegnehmen, bevor sie ihrem eigenen Denkmal Kratzer verpasst?

Das ist sportlich gesehen schwer einschätzbar. Tatsächlich ist im internationalen Paarlauf seit dem Traumauftritt von Savchenko und Massot wenig passiert. Mit viel Training und viel Routine könnten die gebürtige Ukrainerin und ihr Partner sicher noch etwas bewegen. Aber Gold bei Olympia 2022? Eher nicht, da müsste zu viel stimmen bei dem dann sehr reifen Paar. Zudem ist die Hoffnung, dass so ein Eismärchen im Erfolgsfalle den deutschen Eiskunstlauf wach küsst, recht klein.

Eiskunstlauf verschwindet in Deutschland so langsam unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle. Erst vor wenigen Tagen, am 2. und 3. Januar, waren in Oberstdorf die deutschen Meisterschaften. Bei den Eistänzern gewann das Duo Katharina Müller und Tim Dieck.

Im Paarlauf siegten Minerva Fabienne Hase und Nolan Seegert – die beiden Berliner, bei der EM immerhin Sechste, setzten sich in einem Stadt-Duell um den Titel gegen Annika Hocke und Robert Kunkel durch. Mehr Paare waren nicht am Start - das sagt schon viel über die nicht vorhandene Breite aus, besonders im Paarlauf. Berlin ist das Zentrum, aber das Paar Savchenko und Massot lief in einer anderen Welt, nicht nur, weil es in Chemnitz oder Oberstdorf trainierte.

Sie sagte: „Ich erreiche immer das, was ich mir erträume“

Dabei ist Aljona Savchenko Rekordhalterin, keine hat mehr Titel im nationalen Paarlauf gesammelt als sie. Im Dezember 2013 war sie zuletzt mit ihrem damaligen Partner Robin Szolkowy bei den deutschen Meisterschaften am Start, im Erika-Hess-Eisstadion Wedding in Berlin. Nach ihrem achten Titel, den sie mit geradezu erschütternd großem Abstand vor der Konkurrenz gewonnen hatte, sagte Savchenko damals in Berlin: „Ich erreiche immer das, was ich mir erträume.“
2014 war es der Traum vom olympischen Gold, den sie sich dann aber nicht bei den Spielen in Sotschi, sondern erst 2018 in Südkorea erfüllen konnte. An ihrem Willen gemessen, dürfte es Aljona Savchenko mit dem Comeback auch schaffen. Es wäre allerdings wünschenswert für das deutsche Eiskunstlaufen, wenn dann doch etwas vom großen Glanz der Olympiasiegerin auf die deutsche Szene abfärben würde.

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