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Die Fußball-EM hat Millionen von Zuschauenden begeistert.
© dpa/Paul Zinken

Endlich nicht mehr allein vor dem Fernseher: Die Fußball-EM hat einen echten Boom ausgelöst

Die Champions-League-Saison der Frauen hat unsere Autorin verfolgt und wurde dafür noch belächelt. Das ist jetzt Vergangenheit.

Plötzlich schwappte die Begeisterung über. Auch auf die Menschen, die es sonst mit dem Männerfußball haben und seit vielen Jahrzehnten jede Woche voller Spannung vor dem Fernseher oder im Stadion sitzen und mit ihren Mannschaften jubeln beziehungsweise leiden.

Nun ist diese Begeisterung in den letzten drei Wochen endlich auch auf den Fußball der Frauen übergesprungen. Bewusst wähle ich das Wort endlich, denn, wenn man bedenkt, dass das erste Länderspiel der Frauen bereits 1982 stattfand, ist unsere Freude 2022 ziemlich spät entfacht.

Aufgewachsen in einer an Fußball interessierten Familie wurde ich schon früh mit dem Sport konfrontiert. Für mich waren die Wochenenden voller Bundesliga oder Premier League beziehungsweise die englischen Wochen mit Pokalspielen normaler Alltag.

Im Teenageralter fing ich dann an zu hinterfragen, warum ich nur Männer mit Ball am Fuß auf dem Rasen spielen sehe. So begann ich immer häufiger neben den Spielen der Männer auch die der Frauen zu verfolgen. In meinem Ausdruck habe ich dabei nie einen Unterschied gemacht. Beim Ausdruck „Fußball schauen“ waren bei mir also immer sowohl Männer als auch Frauen gemeint.

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Relativ schnell sammelten sich Kommentare wie, „wenn du Fußball schaust, schau wenigstens richtigen“ oder „dann kannst du dir auch Kreisliga anschauen“.

So erschreckte es mich auch in der letzten Uefa-Women-Champions-League-Saison nicht, als zum Finale die Frage kam, wie ich meine Zeit so verschwenden könnte. Ein bisschen irritiert bzw. verwundert war ich aber doch, denn schon während der Champions-League-Saison spürte man eine andere Atmosphäre, die der Fußball der Frauen so vorher nicht vermitteln durfte.

Die Partien waren von Spannung geprägt

Die Spiele wurden erstmals in den großen Stadien ausgetragen und beim Klassiker Real Madrid gegen FC Barcelona war das Camp Nou plötzlich ausverkauft. Die Choreo aller spanischen Fans gemeinsam für die Gleichstellung im Fußball brachte Gänsehaut bis in den kleinen Zeh und vermittelte eine der wichtigsten Botschaften: beim Fußballschauen sollten wir nicht zwischen Geschlechtern unterscheiden. Die Partien waren von Spannung geprägt.

Ich bin mir sicher, dass schon während der Champions League 2021/22 das Interesse am Frauenfußball gewachsen ist, wenn auch nur versteckt, um sich vielleicht auch die Kommentare von anderen zu sparen. Denn von schlechter Spielweise oder fehlendem taktischen Verständnis sieht man nicht mehr oder weniger als bei den Männern.

Ich glaube, das haben auch viele Menschen in den letzten drei Wochen begriffen. Denn während ich beim ersten Spiel gegen Dänemark noch allein auf der Couch saß und viermal mit meiner Hündin jubeln durfte, saß ich beim Finale gemeinsam mit meinen Freunden zusammen. Plötzlich fieberten diejenigen mit, die sich zuvor noch lustig gemacht hatten. Ich bin mir sicher, dass ich die nächste Champions-League-Saison nicht allein verfolgen werde.

Louisa Trampel

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