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Mannschaftsleistung. Mittelfeldspieler Fabian Lustenberger (am Pinsel) und Torwart Thomas Kraft versuchten sich im Trainingslager in Belek an der Leinwand.

© City-Press GbR

Fußball und Kunst: Die Spieler von Hertha BSC malen jetzt

Die Fußballer von Hertha BSC glänzen nicht immer mit Kreativität – zumindest auf dem Platz. Vor der Rückrunde haben sie nun ein Bild gemalt. Der Künstler André Krigar findet es gar nicht so schlecht.

Die Fußballer von Hertha BSC sind derzeit äußerst erfolgreich. Vor dem Zweitligawiederbeginn am Sonntag liegen sie auf Tabellenplatz zwei und damit klar auf Aufstiegskurs in Richtung Bundesliga. Dennoch mangelte es den Auftritten der Mannschaft bisweilen noch an Kreativität, große Kunst wurde selten im Olympiastadion geboten. Um dieses Manko zu beheben und sich für den Aufstieg zu motivieren, sind die Hertha-Spieler nun unter die Maler gegangen.

Im Trainingslager im türkischen Belek griffen sie zum Pinsel und erschufen ein „Meisterwerk“, so der selbstgewählte Titel. Das Gemälde wird derzeit auf der Vereinshomepage versteigert, der Erlös soll der eigenen Jugendabteilung zugute kommen.

Das Werk – ein Meter mal 1,5 Meter, Acryl auf Leinwand – schwankt stilistisch irgendwo zwischen naiver Kunst und Konzeptkunst. Vor blauem, grünem, rotem und orangenem Hintergrund ragt der Aufstiegsberg hervor, der den langen Weg in die Bundesliga andeuten soll. An dessen Spitze wartet eine Art Schneeflocke oder Autofelge, die die Meisterschale der Zweiten Liga verkörpern soll. Der abstrakte Symbolismus setzt sich fort in einer Darstellung des Brandenburger Tores – für die genaue Säulenanzahl stand ein Handyfoto Modell –, der Hertha-Fahne (ohne Umrandung, unter Kennern „Fahne pur“ genannt), eines Fußballplatzes mit Strichmännchenpublikum und einer roten Tulpe, die für den niederländischen Trainer Jos Luhukay steht. Über allem strahlt die Sonne Beleks. Darunter schrieb Kapitän Peter Niemeyer inhaltlich wenig verschlüsselt: „Unser Ziel Aufstieg 12/13.“

„Für völlige Amateure sieht es ganz gut aus“, sagte Verteidiger Maik Franz dem Tagesspiegel, „es war eine spaßige Geschichte.“ Schon vor dem Aufstieg in der Saison 2010/11 hatten die Fußballer unter Trainer Markus Babbel ihre Ziele und Vorsätze zu Papier gebracht, um sich zu motivieren. Auch diesmal waren zunächst nur Buchstaben angedacht, „aber das sah etwas karg aus“, berichtet Franz, es wurde noch einmal übermalt. „Jeder hatte eine Idee, es ging ganz locker von der Hand.“ Anderthalb Stunden dauerte das Ganze etwa, Kunst muss nicht immer episch sein.

Wie hoch ist der künstlerische Wert?

Sein Werk. Um seinen Künstlernamen „Zecke“ aufs Trikot zu bekommen, hat Andreas Neuendorf dieses Bild gemalt – denn so galt er als Künstler.
Sein Werk. Um seinen Künstlernamen „Zecke“ aufs Trikot zu bekommen, hat Andreas Neuendorf dieses Bild gemalt – denn so galt er als Künstler.

© Mike Wolff

Die künstlerische Ader liegt den Herthanern offenbar im Blut, 2002 ging schon Mittelfeldspieler Andreas Neuendorf unter die Maler. Weil er seinen Spitznamen „Zecke“ zunächst nicht auf der Rückseite seines Trikots tragen durfte, beschloss er ihn zum offiziellen Künstlernamen zu machen, wie es brasilianische Fußballer praktizieren. Um Zecke als Alias im Personalausweis zu führen, malte und versteigerte er zwei Ölgemälde. Eines davon steht bis heute in einer dunklen Ecke des Tagesspiegel-Gebäudes.

Über den künstlerischen Wert der aktuellen Arbeit der Hertha-Profis gehen die Meinungen jedoch auseinander. „Es steht in schaurig-schöner Tradition von Fußballergesangsleistungen wie ,Gute Freunde kann niemand trennen’“, sagt Markus Peichl, Geschäftsführer der Galerie Crone in Kreuzberg. In seiner Galerie würde er das „Meisterwerk“ nicht ausstellen. „Als Gag ist es gelungen, aber mit dem Kunstmarkt hat es nichts zu tun.“

Dabei hatte das Bild in einigen Entstehungsphasen durchaus Potenzial, wie ein Video auf der Vereinsseite belegt – bevor der Symbolismus mit den Fußballern durchging. Der Maler André Krigar zeigt sich dagegen angetan: „Augenfällig ist die Mannschaftsleistung, denn obwohl die einzelnen Handschriften recht gut zu unterscheiden sind, regiert eine kraftvoll-expressive, ja fast stürmische Ausdrucksform mit leicht plakativem Einschlag.“ Krigar warnt die Nachwuchskünstler aber auch, dass „dass das Geld sich auf dem Kunstmarkt auch nicht viel leichter verdient als in der Bundesliga“.

Bis zum 12. Februar läuft die Auktion noch, das Höchstgebot betrug am Dienstag 750 Euro. Der Erlös geht an die eigene Nachwuchsabteilung, deren Etat bei etwa 1,3 Millionen Euro im Jahr liegt.

So ganz trennen können sich die Fußballer aber nicht von ihrem Motivationsgemälde. „Vielleicht überlässt derjenige, der letztlich den Zuschlag bekommt, uns das Bild dann noch bis Saisonende als Leihgabe – dann hängen wir es noch bis dahin in unsere Kabine“, sagte Trainer Luhukay. Ob das Kunstwerk auch die Kreativität auf dem Platz anregt, lässt sich beim nächsten Spiel in Regensburg am Sonntag am begutachten.

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