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Beim 1. FC Union erlebte Kevin Behrens die beste Zeit seiner Karriere.

© imago/RHR-Foto

„Du kleine Missgeburt, sei leise!“: Der traurige Niedergang des Kevin Behrens

Beim 1. FC Union Berlin spielte sich Kevin Behrens bis in die Nationalmannschaft. Doch seitdem geht es abwärts. Beim FC Lugano attackiert er im Spiel einen Mitspieler.

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Auf den ersten Moment sieht es aus wie eine typische Szene von Kevin Behrens. In einem Testspiel mit seinem FC Lugano gegen Viktoria Pilsen läuft er den gegnerischen Abwehrspieler energisch an. Doch plötzlich dreht der bullige Stümer nach links ab.

Er sprintet auf seinen Mitspieler Georgios Koutsas zu, stößt ihn mit beiden Händen zu Boden und brüllt ihn an. „Du kleine Missgeburt, sei leise“, sind seine Worte in einem Video deutlich zu hören. Der Grieche sitzt verdutzt auf dem Rasen, ein Mitspieler geht dazwischen. Behrens, mittlerweile 34 Jahre alt, dreht sich um und verlässt das Spielfeld.

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Was im Vorfeld zwischen den zwei Spielern passiert ist, lässt sich im Video nicht erkennen und ist bisher nicht bekannt. Der FC Lugano verurteilte den Vorfall in einer Mitteilung. „Die Angelegenheit wird intern behandelt und geregelt; der Klub wird prüfen, welche disziplinarischen Maßnahmen gegenüber den beiden involvierten Spielern zu ergreifen sind.“

Was auch immer der Auslöser war, eines ist klar: Der Vorfall passt ins Bild eines Spielers, der sportlich schon lange nicht mehr für Schlagzeilen sorgt, dafür umso mehr mit seinem Fehlverhalten. Es ist ein trauriger Niedergang für einen Spieler, der zwischenzeitlich als Beweis dafür herangezogen wurde, dass man es auch im modernen Profifußball noch über Umwege nach oben schaffen kann.

Aus der Regionalliga ins DFB-Team

Nach seiner Zeit im Nachwuchsleistungszentrum von Werder Bremen war er lange durch die Regionalligen getingelt, bis er sich beim SV Sandhausen als „Hardtwald-Ronaldo“ in der Zweiten Liga einen Namen machte.

2021 wechselte er ablösefrei zum 1. FC Union, wo er anfangs als Joker zum Einsatz kam. Doch es war wie so oft in seiner Karriere. Mit harter Arbeit kompensierte er seine fußballerischen Limitierungen und war in Köpenick damit an der richtigen Stelle. In einem Team, in dem das Pressingverhalten der Stürmer fast wichtiger ist als ihre Torquote, wurde seine Rolle immer größer.

Es ist keine drei Jahre her, dass sich Behrens im fortgeschrittenen Alter von 32 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand. Mit Union qualifizierte er sich für die Champions League, am ersten Spieltag der Saison 2023/24 erzielte er einen Dreierpack. Anschließend fuhr er mit dem Fahrrad nach Hause, was im Millionengeschäft Bundesliga schon Grund genug ist, für solch Bodenständigkeit ausgiebig gefeiert zu werden.

Im Herbst nominierte ihn Julian Nagelsmann sogar für die Nationalmannschaft und am 18. Oktober 2023 debütierte er tatsächlich. Es blieben seine einzigen drei Minuten für das DFB-Team – und es folgte ein steiler Abstieg.

Homphober Eklat in Wolfsburg

Zumindest finanziell lief es bei Behrens erst noch. Der VfL Wolfsburg hatte Not auf der Stürmerposition und wedelte für Verein und Spieler mit Millionen. Am Mittellandkanal kam er in anderthalb Jahren auf 32 Einsätze und zwei Tore. In Erinnerung bleibt seine Zeit beim VfL jedoch wegen einer Autogrammstunde. Als er ein Trikot mit regenbogenfarbenem Logo unterschreiben sollte, weigerte er sich. „So eine schwule Scheiße unterschreibe ich nicht“, sollen seine Worte gewesen sein.

Behrens war in seiner Berliner Zeit kein Typ, der mit tiefgründigen Aussagen abseits des Fußballs aufgefallen ist. Doch so prollig, wie er oft auf dem Feld wirkte, war er in Gesprächen nicht. Der homophobe Eklat in Wolfsburg beschädigte sein Image massiv.

Im vergangenen Sommer wechselte er nach Ablauf seines Vertrags zum FC Lugano in die Schweizer Liga. Sportlich ging es mit sechs Toren in 19 Spielen deutlich aufwärts, doch nun folgte der nächste Tiefpunkt. Ob oder wie es für Behrens nach dem Ausraster im Testspiel weitergeht, ist offen. Den schlechten Eindruck der letzten Jahre wird er in seiner Karriere aber vermutlich nicht mehr los.

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