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FC Union : Rettung in letzter Sekunde

Union lief den Gästen aus Heidenheim lange hinterher. Erst in letzter Minute gelang den Berlinern der Ausgleich - auf ungewöhnliche Weise.

Gewitzt abgeluchst: Unions Akaki Gogia läuft mit dem Ball gegen Heidenheims Robert Andrich (r).
Gewitzt abgeluchst: Unions Akaki Gogia läuft mit dem Ball gegen Heidenheims Robert Andrich (r).Foto: Annegret Hilse/dpa

Die Nachspielzeit läuft langsam ihrem Ende entgegen, als es im Stadion An der Alten Försterei noch einmal laut wird. Es gibt Freistoß für den 1. FC Union und nun hält es selbst Rafal Gikiewicz nicht mehr in der eigenen Hälfte. Der Torwart sprintet nach vorne, der Ball kommt in den Strafraum, landet bei Sebastian Andersson und vom schwedischen Stürmer auf dem Kopf von Gikiewicz. Tor! 1:1! Durch den Mann, der eigentlich Tore verhindert. „Auf diesen Moment habe ich 31 Jahre gewartet“, sagt Gikiewicz. Die 20 108 Zuschauer toben. Durch seinen Treffer zum 1:1 (0:0)-Endstand gegen den 1. FC Heidenheim in der dritten Minute der Nachspielzeit bewahrt der Torwart die Berliner vor der ersten Niederlage. Union ist nun saisonübergreifend seit elf Zweitligaspielen ungeschlagen, das ist den Köpenickern erst einmal in ihrer Vereinsgeschichte gelungen, in der Saison 2001/02.

Über Rekorde und Serien will am Sonntag aber niemand sprechen. Zu verrückt ist der Epilog dieses bis dahin wenig unterhaltsamen Spiels. Schon wieder passieren an der Alten Försterei Dinge, die eher ins Märchen als in den realen Fußball gehören. Im letzten Heimspiel hatte Sebastian Polter bei seinem Comeback nach langer Verletzung ein Tor per Fallrückzieher erzielt, nun trifft Rafal Gikiewicz in Jens-Lehmann-Manier zum Ausgleich. „Ich wollte schon kurz zuvor mit nach vorne, der Trainer hat mir aber ein Zeichen gegeben, dass ich an der Mittellinie bleiben soll“, sagt Gikiewicz. „Beim letzten Mal habe ich nicht gefragt und bin einfach los, es war der letzte Standard.“

Urs Fischer schüttelt ob der verrückten Schlussphase ungläubig den Kopf. „Ich freue mich natürlich für Rafa, habe mir das Spiel aber schon anders vorgestellt“, sagt der Schweizer. „Am Ende müssen wir froh sein, dass wir noch einen Punkt holen.“  Union war sehr druckvoll in die Partie gestartet. Nach wenigen Minuten kam Ken Reichel im Strafraum zu Fall, die Berliner Forderung nach einem Elfmeter wurde jedoch nicht erfüllt. Robert Zulj, der wie bei Heimspielen zuletzt üblich für Felix Kroos in die Startelf gerückt war, traf das Außennetz und Andersson mit einem Schuss aus 18 Metern nur den Pfosten. Da war das Spiel wegen Abseits aber schon unterbrochen. „Wir hätten in Führung gehen müssen, haben dann aber etwas den Faden verloren“, sagte Fischer.

Dadurch entwickelte sich ein taktisch geprägtes Geduldsspiel ohne großen Unterhaltungswert für den gemeinen Fan. Beide Mannschaften fanden kaum Lücken und ließen den Ball durch die eigene Hälfte laufen. Anspielstationen in den gefährlichen Zonen des Spielfeldes waren selten und so ließ die nächste Chance bis in die Nachspielzeit der ersten Halbzeit warten. Nach einem groben Fehler von Norman Theuerkauf legte Akaki Gogia im Strafraum quer auf Andersson, der schoss den Ball in Rücklage aber gegen die Anzeigetafel.

Kurz nach der Halbzeit machte es Marcel Hartel freistehend nur unwesentlich besser – und mit dem ersten gefährlichen Abschluss ging Heidenheim in Führung. Nach einer Flanke von Niklas Dorsch köpfte Robert Glatzel unbedrängt ein. Fischer reagierte auf den Rückstand und brachte mit Simon Hedlund sowie Sebastian Polter zwei Offensive. Union forderte noch einen Elfmeter, Heidenheim eine Rote Karte für Christopher Trimmel. Es blieb jedoch beim 0:1. Dann kam die Nachspielzeit – und Rafal Gikiewicz.

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