Frank Hördler ist zurück : Die spielende Säule der Eisbären

Frank Hördler ist für die Eisbären mit seiner Erfahrung wichtiger denn je. Am Freitag geht er nach langer Verletzungspause in seine 16. DEL-Saison.

Die Erfahrenen. Frank Hördler (links) mit André Rankel im Spiel gegen Grodno.
Die Erfahrenen. Frank Hördler (links) mit André Rankel im Spiel gegen Grodno.Foto: Imago

Frank Hördler kennt sich aus. Mit Verletzungen, mit Comebacks und den Fragen danach. Am Mittwochabend hatte der Verteidiger bei den Eisbären in deren bedeutungslosem letzten Champions-League-Heimspiel gegen Neman Grodno endlich wieder spielen dürfen, nachdem er wegen seiner Adduktorenbeschwerden nicht nur die komplette Saison, sondern auch die Vorbereitung darauf verpasst hatte. Wie es denn gelaufen sei, wurde er nach dem 4:1-Erfolg seiner Mannschaft gefragt. Und Frank Hördler antwortete: „Ich habe versucht, die Übersicht zu finden. Einen Gegenspieler sehe ich schon, aber alle noch nicht.“

Das war so ein typischer trockener Hördler-Scherz, den der Mann mit seinen 33 Jahren gerne mal unters fragende Volk jubelt. Wenn man ihn so nach einem anstrengenden Eishockeyspiel sieht, den gebürtigen Bad Muskauer, aufrecht stehend und immer irgendwie so wirkend, als ob er alles im Griff hat, dann drängt sich da die Floskel vom gestandenen Mann auf; seit Jahrhunderten ein geflügeltes Wort im deutschen Sprachraum. Aber Frank Hördler muss ja nicht mehr seinen Eishockeyprofi stehen, er muss vor allem gut laufen. Und das kann er. Mit Übersicht, Tempo und Gespür für die Situation. Sein Trainer Clement Jodoin sagte am Mittwoch über Frank Hördler: „Er hat eine große Präsenz, eine Aura, er ist ein Mentor.“ Mehr geht eigentlich kaum an Trainerlob. Dass Clement Jodoin seinen Verteidiger auch schon mal als „wichtigen Krieger“ bezeichnet, lässt sich da vernachlässigen. So hat der Trainer auch schon andere Spieler genannt und dann sollen die Eisbären ja auch nur Eishockey spielen.

Das kann Frank Hördler, wenn er am Freitag beim Spiel in Krefeld für die Eisbären aufläuft (Beginn 19.30 Uhr), dann beginnt für ihn auch seine 16. Saison in der Deutschen Eishockey-Liga. Seit 2003 spielt er für die Berliner, er gehörte zu den vielen deutschen Spielern aus dem Jahrgang 1985, die sich seinerzeit durchsetzen konnten und bis heute eine Rolle bei den Eisbären spielen, weil danach eben nicht mehr so konsequent junge Spieler eingebaut wurden wie seinerzeit. Heute spielt aus diesem Jahrgang keiner mehr eine so große Rolle wie Hördler. Verteidiger Jens Baxmann ist solide und routiniert, bekam aber vor der Saison einen neuen Vertrag mit reduzierten Bezügen.

Unter dem Bundestrainer Uwe Krupp zum Beispiel war er lange nicht so gut gelitten

Bei den Angreifern André Rankel und Florian Busch wirkt es eher so, dass sie den Höhepunkt ihrer Karriere nicht mehr vor sich haben. So eine große Karriere wie Frank Hördler war ihnen ohnehin – an internationalen Maßstäben gemessen – nicht beschieden. Hördler gehört seit Jahren zum Stamm der Nationalmannschaft und war auch im Februar diesen Jahres in Pyeongchang dabei, als die Deutschen Silber bei den Olympischen Spielen gewannen. 66 Pflichtspiele hat er für das Nationalteam seit dem Jahr 2002 bestritten – eine solide Bilanz.

Dabei verlief die Karriere des Frank Hördler nicht immer linear, unter dem Bundestrainer Uwe Krupp zum Beispiel war er anfangs nicht so gut gelitten. Bei der Heim-Weltmeisterschaft 2010 erfuhr er vor dem großen Eröffnungsspiel vor fast 78.000 Zuschauern in Gelsenkirchen, dass er als überzähliger Verteidiger zuschauen müsse. Er spielte nur einmal bei dieser WM. Und als Krupp im Jahr 2014 Trainer bei den Eisbären wurde, fiel zunächst sein Urteil über die Fertigkeiten Hördlers nicht so schmeichelhaft aus. Als Krupp im Frühjahr diesen Jahres Berlin verließ, revidierte er sich. Er habe sich grundlegend getäuscht, was die Fähigkeiten Hördlers angehe, sagte Krupp. Der sei „eine Säule der Eisbären“.

Die immer noch sehr bewegliche Säule der Eisbären fuhr am Mittwoch in der Champions League schon ein paar gute Checks aus. „Es war ein hohes Tempo“, sagte Hördler. „Ich musste viel laufen, das war wichtig für mich.“ Wichtig ist er für die Eisbären, die eher holprig in die Saison gestartet sind, als Anführer auf und neben dem Eis. Und nach ein paar Spielen mehr sieht Frank Hördler sicher auch alle gegnerischen Spieler.

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