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Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen : Das Spiel ist aus - Deutschland fährt heim

Für Deutschland ist bei der WM im Viertelfinale schon alles vorbei. Nach 1:0-Führung verliert das Team 1:2 gegen Schweden.

Alexandra Popp und das deutsche Team sind raus. Und damit auch nicht bei Olympia dabei.
Alexandra Popp und das deutsche Team sind raus. Und damit auch nicht bei Olympia dabei.Foto: dpa

Je weiter die Zeit im Roazhon Park von Rennes fortschritt, desto tiefer stand die Sonne. Sie war mit den Deutschen in der zweiten Halbzeit, schien ihnen freundlich in den Rücken. Außer der Wärmequelle half ihnen im Viertelfinale gegen Schweden aber nichts mehr. Weder die eingewechselte Rückkehrerin Dzsenifer Maroszan noch die Videoassistentin. Und schon gar nicht ihr Spiel, das mit fortwährender Spieldauer immer brotloser daherkam. 1:2 (1:1) verloren sie schlussendlich. Ein Ergebnis, das nicht nur das Aus bei dieser Weltmeisterschaft bedeutet, sondern auch für die Olympischen Spiele 2020.
Erstaunlich aufgeräumt wirkte nach der Niederlage die Bundestrainerin. „Wir wussten, dass es eine schwere Aufgabe wird. Der Gegner war vielleicht etwas robuster, cleverer, cooler“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. „Grundsätzlich werden wir den eingeschlagenen Weg weitergehen. Nur weil wir ein Spiel verloren haben, stellen wir nicht alles infrage.“ Torhüterin Almuth Schult analysierte: „Wir wussten, dass sie konterstark sind und mit langen Bällen agieren, aber das haben wir heute einfach nicht in den Griff bekommen.“

Der Start verlief noch ziemlich freundlich für das DFB-Team. Schult parierte stark gegen Sofia Jakobsson, kurz darauf führten die Deutschen schon. Sara Däbritz klaute Magdalena Eriksson den Ball, lief noch wenige Meter und stupste dann feinfühlig auf Lina Magull – und die traf seitlich fallend zum 1:0. Es war das Ergebnis einer engagierten Anfangsphase, in der Kapitänin Alexandra Popp aus dem defensiven Mittelfeld heraus Regie führte. So würde es wohl weitergehen, hofften die deutschen Fans unter den 25.301 Besucherinnen und Besuchern. Es kam anders.

Marina Hegering schätzte einen schwedischen Befreiungsschlag falsch ein, Jakobsson schloss dieses Mal besser ab, 1:1. Die Deutschen blieben zunächst engagiert, Popp verteilte die Bälle aus der Defensive heraus, weiter vorn mühte sich Lina Magull um spielerische Leichtigkeit, die zunehmend schwand. Schweden forcierte derweil seine Konter. Immer wieder blickte Fridolina Rolfö auf, um die flinken Angreiferinnen Jakobsson, Caroline Seger oder Stina Blackstenius steil zu schicken.

Marozsans Rückkehr verlief denkbar schlecht

Voss-Tecklenburg reagierte zur Pause. Während die Startelf in der Kabine den taktischen Anweisungen der Trainerin lauschte, stülpte sich Dzsenifer Marozsan ihr lilafarbenes Hemdchen über den Kopf. Nach ein paar Pass- und Dehnübungen stand fest: der „Zeh der Nation“, wie die „taz“ nach dem China-Spiel geschrieben hatte, er hielt. Ein paar lange Bälle, geschlagen mit viel Rückwärtsrotation, drosch Maroszan noch – dann trottete sie mit Beginn der zweiten Halbzeit aufs Feld, Linda Dallmann blieb draußen.

Marozsans Rückkehr verlief denkbar schlecht. Keine zwei Minuten waren vorbei, da bestrafte Blackstenius die chaotisch organisierte deutsche Abwehr. Aus kurzer Distanz schoss sie zum 1:2 ein, Schult war erneut machtlos. Das Gegentor raubte den deutschen Spielerinnen die Sicherheit. Zerfahren wirkte nun vieles, selbst Schult verlor die Kontrolle, drosch einen Ball unnötigerweise ins Seitenaus. An der Seitenlinie lief Voss-Tecklenburg ungeduldig von Coaching-Zonen-Eck zu Coaching-Zonen-Eck, wies an, ballte Fäuste, schrie.

Es wurde nun jene zittrige Angelegenheit, die nach dem frühen 1:0 nicht unbedingt erwartet worden war. Orientierungslos wirkte die deutsche Elf, das teils gute Kombinationsspiel aus der ersten Halbzeit fand nicht mehr statt. Die durch Marozsan erhofften Impulse blieben ebenfalls aus, auch wenn Voss-Tecklenburg später insistierte, sie sei mit deren Rolle zufrieden gewesen.

Nach knapp 70 Minuten rückte Popp in die Sturmspitze, doch die Schweden konterten gefährlich über Rolfö und Blackstenius, nur Hegerings Rücken stand dem 1:3 im Weg. Wenig später tanzte Jakobsson leichtfüßig an Hegering vorbei, Schult parierte. Den Deutschen rann die Zeit nun davon. Gegen die massive blau-gelbe Abwehr fehlten Ideen. Marozsan, vom linken Flügel agierend, half da wenig, Svenja Huth fehlte über die rechte Seite Fortune. Dann wurde Popp im Strafraum vermeintlich von Torhüterin Hedvig Lindhal getroffen, die Videoassistentin schaltete sich ein. Kein Strafstoß, lautete die korrekte Entscheidung.

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Drei Minuten vor dem Ende setzte Marozsan eine Freistoßflanke auf den Kopf von Oberdorf, doch der Ball flog knapp links vorbei. Huth bediente nochmal Hegering, die köpfte über das Tor. Es war die letzte große Chance der Deutschen in dieser so trocken verlaufenden zweiten Halbzeit. Nach sechs Minuten Nachspielzeit war Schluss – und der Deutsche Fußball-Bund um eine große Enttäuschung reicher.

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