zum Hauptinhalt
Am Ball, zumindest im Training. Peter Niemeyer (r.) kämpft um seinen Platz.

© dapd

Live-Debatte: Hertha verliert gegen Nürnberg

Hertha BSC unterliegt zum Rückrundenauftakt mit 0:2 beim 1. FC Nürnberg. Lesen Sie nach, wie unsere Leser die Begegnung während des Spiels kommentierten.

Michael Skibbe hat nicht lange benötigt, um den Brasilianer Ronny zu entschlüsseln. Am Ende seiner zweiten Arbeitswoche in Berlin hat Herthas neuer Trainer sein Lob für den Mittelfeldspieler deutlich eingeschränkt. Der Brasilianer braucht zwar Zuspruch zu seinem Wohlbefinden, zu viel davon, hat Skibbe festgestellt, ist aber auch nicht gut. „Sonst wird Ronny noch ballverliebter“, sagt er. „Es ist gut, wenn er zum klaren Fußball kommt.“ Ronny ist ohne Zweifel so etwas wie der Gewinner der Rückrundenvorbereitung. Skibbe hat sich anhaltend positiv über ihn ausgelassen, ihm schon früh die Vertretung seines gesperrten Bruders Raffael in Aussicht gestellt. So stark, wie Ronny sich präsentiert hat, „komme ich nicht umhin, ihn in Nürnberg in der Startelf zu bringen“, hat Skibbe schon vor der Abreise aus dem Trainingslager gesagt.

Ein neuer Trainer bringt immer neue Ideen ein, hat andere Vorstellungen als sein Vorgänger. Michael Skibbe aber hat sich von vorneherein als allenfalls behutsamer Erneuerer positioniert. Er werde nicht viel ändern – weil es nicht viel zu ändern gibt. Skibbe will nicht nur die taktische Ausrichtung im 4-2-3-1-System beibehalten, auch personell wird sich die Mannschaft nicht allzu sehr von der Stammelf in der Hinrunde unterscheiden. Die möglichen Veränderungen betreffen jedoch gerade die strategisch neuralgischen Positionen.

Es ist gut möglich, dass Skibbe fast die komplette zentrale Achse neu besetzen wird. In der Abwehr fehlt Kapitän Andre Mijatovic wegen Problemen im Sprunggelenk, im zentralen offensiven Mittelfeld ist Raffael für die ersten drei Spiele gesperrt. Die Viererkette wird Christoph Janker komplettieren, dazu rückt Ronny in die Startelf. Bis zuletzt bleibt jedoch fraglich, ob er wirklich wie sein Bruder hinter den Spitzen aufgeboten wird oder er in der offensiven Dreierreihe die linke Position einnehmen wird, so wie er es in allen Testspielen und Trainingseinheiten getan hat. „Ich möchte für den Gegner noch ein paar Fragezeichen stehen lassen“, sagt Skibbe.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, wer die Zentrale im defensiven Mittelfeld von Hertha BSC besetzen soll.

Die spannendste Frage aber ist, ob Herthas Trainer das defensive Mittelfeld neu besetzt. „Das ist noch offen“, sagt Skibbe. Weder die Trainingseinheiten noch die Testspiele haben bisher einen Aufschluss über seine Präferenz gegeben. Skibbe hat alle möglichen Kombinationen ausprobiert. „Wir können alle drei gut miteinander spielen“, sagt Peter Niemeyer, der in der Hinrunde in 15 von 17 Spielen mit Andreas Ottl in der Startelf gestanden hat. Fabian Lustenberger durfte nur zwei Mal von Beginn an auflaufen, beide Male an der Seite von Andreas Ottl. „Ich bin mit allen drei zufrieden“, sagt Skibbe.

Alle drei Konkurrenten bewegen sich auf ähnlichem Niveau. Und wer auch immer am Ende auf der Bank landet, darf sich als echter Härtefall fühlen. In der Hinrunde traf es vor allem Fabian Lustenberger. Der Schweizer hatte wegen seiner Teilnahme an der U-21-Europameisterschaft im Sommer fast die komplette Vorbereitung verpasst. Seine Abwesenheit nutzten Ottl und Niemeyer, um sich einen Vorsprung zu erarbeiten, den sie bis zum Winter behaupteten. Selbst Lustenberger musste zugeben, dass es für Trainer Markus Babbel keinen Grund gegeben hat, die Besetzung zu ändern.

Aber jetzt ist ein neuer Trainer da, und für Lustenberger bedeutet dies die Möglichkeit, von Neuem auf sich aufmerksam zu machen. „Mein Ziel ist es, in der Rückrunde regelmäßig zu spielen“, sagt er. „Ich glaube, ich habe auch die Qualität dazu.“ Lustenberger ist ein Sechser, der bei der Defensive immer auch die Offensive mitdenkt, der mit der Balleroberung schon den Gegenangriff im Kopf hat. Viele Hertha-Fans würden den Schweizer lieber in der Mannschaft sehen als Andreas Ottl, den sie vor allem der Spielverschleppung bezichtigen. Skibbe sieht das anders. „Ich schätze ihn sehr hoch ein“, sagt er über den früheren Münchner. „Er kann ein Spiel beruhigen, er ist sehr passsicher, hat taktisches Geschick.“

Es sieht nicht so aus, als müsste Ottl um seinen Platz fürchten. Also lautet die Frage: Lustenberger oder Niemeyer? Für Skibbe ist das auch eine grundsätzliche Entscheidung. „Ist Peter Niemeyer als der kampfkräftigere vielleicht der bessere für das Spiel in Nürnberg – oder doch der spielerisch stärkere?“ Skibbe gab sich mehrdeutig: „Wir wollen so viel Entlastung in unserem Spiel haben wie möglich.“ Der Einschätzung, dass er angesichts des Konkurrenzkampfes ein wenig angespannt sei, widerspricht Peter Niemeyer. „Ich bin da relativ ruhig“, sagt er. „Ich habe eigentlich auch keinen Grund, nervös zu sein.“

Zur Startseite