• International Eastercup: Wie in Moabit eines der größten Basketball-Turniere Europas entstand

International Eastercup : Wie in Moabit eines der größten Basketball-Turniere Europas entstand

Über die Osterzeit reisen Teams aus aller Welt an, um in Moabit Basketball zu spielen. Insgesamt nehmen 1300 Sportler teil – darunter sogar ein Team aus Indien.

Louis Richter
Der Turnier in Moabit besticht vor allem durch die große Vielfalt der Mannschaften.
Der Turnier in Moabit besticht vor allem durch die große Vielfalt der Mannschaften.Foto: Eastercup Berlin-Moabit

Seit Gründonnerstag sind in Moabit wieder kleinere Völkerwanderungen zu beobachten. Gruppenweise schlurfen junge Menschen in Jogginghosen, einheitlichen Pullovern oder Trainingsanzügen über die Turmstraße. Sie kommen aus Paderborn oder Mainz, Schweden oder Italien oder sogar aus Indien. Sie laufen von Halle zu Halle, denn sie sind hier, um Basketball zu spielen. Die Osterzeit gilt im Jugend- und Freizeitbasketball generell als beliebte Turnierzeit. Und in Moabit hat sich über die Jahre still und heimlich eines der größten und internationalsten Basketballturniere Europas entwickelt, der "International Eastercup Berlin-Moabit".

Was vor sieben Jahren als lose Ideen der beiden Initiatoren Andreas Riebold und Lukas Keul startete, ist mittlerweile zu einem organisatorischen Großprojekt angewachsen. 161 Mannschaften mit insgesamt rund 1300 Spielern, Trainern oder Betreuern werden über das Osterwochenende in fünf Hotels, fünf Hostels und weiteren Unterkünften wie Jugendklubs untergebracht. "Im nächsten Jahr schaffen wir das nicht mehr neben der Arbeit”, sagt Riebold.

Der 36-Jährige gilt als eine der wichtigeren Figuren im Berliner Basketball, coachte schon bei mehreren Vereinen und kennt jede Halle der Stadt. Doch trotz diverser Teilnahmen an internationalen Turnieren überrascht ihn der Aufwand im Vorfeld immer wieder. Die Planungen für den Eastercup beginnen ein Jahr im Voraus, Teilweise müssen zwölf Stunden am Tag Mails beantwortet werden, hinzu kommen die Sprachbarrieren mit diversen Gästen aus dem Ausland. "Kommunikation ist das Wichtigste", sagt er deshalb auch.

Während des Gesprächs wird er immer wieder von ankommenden Gästen unterbrochen. Sie kommen überall her, viele von ihnen sieht er nur einmal im Jahr und dennoch ist das Gefühl da, dass es sich hier um eine große, vertraute Basketball-Gemeinschaft handelt. An diesem Sonntag will er sich zum ersten Mal auch ein Spiel in einer der zehn Hallen anschauen, die für das Turnier bereitstehen. In den sechs Jahren zuvor hat er das aufgrund von organisatorischer Hintergrundarbeit noch nie geschafft. Das internationale Flair, das er dank Hartnäckigkeit und guter Kontakte anzieht, und für das das Turnier bereits vom Basketball-Weltverband Fiba ausgezeichnet wurde, will er nun auch endlich selbst live miterleben.

Selbst aus Indien ist ein Team angereist.
Selbst aus Indien ist ein Team angereist.Foto: Eastercup Berlin-Moabit

Am Donnerstagabend spielten in einer Halle in der Unionstraße eine indische U-14-Mannschaft gegen eine aus Mainz. Danach spielte ein italienisches Mädchen-Team gegen eines aus Berlin und später trifft die Rollstuhlbasketball-Mannschaft von Alba Berlin auf die High Rollers aus England. Auch die Schiedsrichter kommen aus Tschechien, Ägypten oder Polen.  

"Auf Bundesebene gibt es kein vergleichbares Turnier"

Um das Rollstuhlbasketball-Turnier kümmert sich Lukas Keul. Der ist 14 Jahre jünger als Riebold und steht damit sinnbildlich für das Turnier, das hauptsächlich ehrenamtlich von Jugendlichen und Kindern organisiert wird. Acht Mannschaften aus fünf verschiedenen Ländern spielen an diesem Wochenende wieder in Moabit. Zweimal war bereits die Nationalmannschaft Nigerias extra angereist. "Auf Bundesebene gibt es kein vergleichbares Turnier", sagt Keul. Das gilt für die Teilnehmerzahl als auch die Internationalität. Zeitgleich kümmert sich Keul um eine Fortbildung für interessierte Coaches, einer reist dafür ebenfalls aus Nigeria an. Das Arbeitspensum gleicht in der finalen Phase einer Vollzeitanstellung, als Lohn gibt es statt Geld den Dank der Teilnehmer und interkulturrellen Austausch auf und neben dem Basketballplatz. 

Alba Berlin ist auch mit einer Rollstuhlbasketball-Mannschaft vertreten.
Alba Berlin ist auch mit einer Rollstuhlbasketball-Mannschaft vertreten.Foto: Eastercup Berlin-Moabit

Von Jahr zu Jahr erfreut sich das Turnier so immer größerer Aufmerksamkeit und stellt mittlerweile eine echte Alternative für die traditionellen Oster-Turniere in Wien oder im dänischen Lemvig dar, die im europäischen Jugend-Basketball Kultstatus genießen. Die Völkerwanderung dürfte in den kommenden Jahren rund um Ostern in Moabit also nur noch größer werden. 

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!