• Kolumne „Auslaufen mit Lüdecke“: Spannung in der Fußball-Bundesliga? Mangelhaft!

Kolumne „Auslaufen mit Lüdecke“ : Spannung in der Fußball-Bundesliga? Mangelhaft!

Fußball ist ein Geschäft. Unser Kolumnist stellt sich deshalb allerdings die Frage, ob die Entwickler bei ihrem Produkt nicht mal ein paar Neuerungen brauchten?

Frank Lüdecke
Das ewig gleiche Bild: Am Ende jubeln die Bayern.
Das ewig gleiche Bild: Am Ende jubeln die Bayern.Foto: Reuters

Sagen wir es so: Spektakulär geht anders. Die Saison plätschert langsam aus. Bayern wird wieder Meister, Hertha ist wieder zu Hause, im Mittelfeldnirwana, was diesmal allerdings als großer Erfolg zu sehen ist, und nur am Tabellenende wird noch etwas gestrampelt. Seit etwa zehn Jahren geht das jetzt so.

Fußball ist allerdings längst zum Produkt geworden und ich finde, hier müssten die Entwickler auch mal zu irgendwelchen Neuerungen kommen. Irgendwas mit Überraschung, Dramatik, so diese Richtung. Es kann doch nicht sein, dass vier Milliarden Euro umgesetzt werden, die dann in der Frage kulminieren, ob Werder Bremen oder Fortuna Düsseldorf absteigt. Da stimmt was nicht mit den Spannungsbögen. Wenn ich einen Krimi sehe, möchte ich auch nicht, dass immer der Gärtner der Mörder ist.

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So bleiben dem Kolumnisten nur die Randerscheinungen: Zum ersten Mal hat ein Vereinsverantwortlicher eine Rote Karte bekommen! Eigentlich wollte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl dem Vierten Offiziellen nur ein Kommunikationsangebot machen. Sein gebrülltes „Du redest nur Scheiße hier!“ wertete sein Gesprächspartner aber als Beleidigung.

So unterschiedlich werden Vorgänge beurteilt. Ich verstehe zum Beispiel nicht, wie eine Boulevardzeitung die Leistung von Herthas Innenverteidiger Dedryck Boyata gegen Dortmund mit „3“ evaluierte. Eine Drei ist „befriedigend“. Und das für einen Spieler, der gefühlt jeden Zweikampf gewann und auch noch den Spielaufbau ankurbelte. Kann man die Position des Innenverteidigers eigentlich besser ausfüllen? Was hätte er denn tun müssen, um auf eine „2“ zu kommen? Eine Vorlage geben, zwei Tore erzielen und nach dem Spiel noch den Rasen wässern?

Verblüfft hat mich die Nachricht, dass ein Brausehersteller dem Bundesligisten Leipzig 100 Millionen Euro Schulden erlässt. Die Leipziger haben aber auch Kosten! Während sich andere Bundesligisten lediglich Kaufmännische Geschäftsführer leisten können, beschäftigen die Leipziger einen „Chief Financial Officer“. Und der erklärte, dass der Verein wegen der Transaktion nicht mehr Geld auf dem Konto habe.

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Das verstehe ich. Wenn mir Teile meiner Schulden erlassen werden, habe ich immer noch Schulden. So weit, so gut. Es wurde nur Fremd- in Eigenkapital umgewandelt, aber das Geld sei nicht geschenkt, sondern nur erlassen worden. Verstehen Sie? Ich nicht. Ich würde meine Bank auch gerne mal fragen, ob man bei mir nicht Fremd- in Eigenkapital umwandeln könnte. Ich will ja nichts geschenkt haben. Aber so wie ich die kenne, sind die da humorlos.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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