Kolumne: Auslaufen mit Lüdecke : Herthas Anhänger sind zu Hause im Konjunktiv

Kaum wurde sie angekündigt, schon ist sie da - Herthas Siegesserie. Also zumindest so etwas in der Art. Jetzt geht es wieder um könnte, sollte, würde.

Frank Lüdecke
Endlich mal wieder im eigenen Stadion gewonnen: Hertha BSC.
Endlich mal wieder im eigenen Stadion gewonnen: Hertha BSC.Foto: dpa

Herthas Trainer Pal Dardai hatte vor dem Spiel gegen Mainz offenbar angekündigt, im Falle eines Sieges ein Dirndl anziehen zu wollen. Was soll man dazu sagen? Die Spieler haben sich jedenfalls trotzdem angestrengt. In der schwierigen Entscheidung zwischen Sport versus Ästhetik war ihnen der Erfolg doch wichtiger. Trainer greifen bisweilen zu den skurrilsten Mitteln, um Siegesserien aufzubauen oder zu erhalten. Sie rasieren sich nicht, wechseln nicht ihre Kleidung oder stellen die Körperpflege ein. Das ist Motivation, Psychologie, wir Laien stecken da nicht drin.

Jedenfalls hatte der Ungar klugerweise im Vorfeld der Begegnung darauf hingewiesen, dass man jetzt dringend eine Siegesserie benötige. Und zack! Schon ist sie da, die Siegesserie! Sie besteht zwar derzeit nur aus einem gewonnenen Spiel in Folge, aber wir sind hier auch nicht Real Madrid. Also das von früher.

Seelenverwandte holen Taschenrechner hervor

Die Seelenverwandten von Hertha BSC holen nun wieder den Taschenrechner hervor. Wenn wir nächste Woche in Freiburg gewinnen, und sollte Wolfsburg bei den Bayern verlieren, dann würden wir – je nach Tordifferenz – in der Tabelle… kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Könnte, sollte, würde? Das ist unser fußballerisches Berliner Zuhause: der Konjunktiv.

Auf Schalke sind sie derzeit wesentlich realitätsbezogener. Da ist richtig Bewegung drin, im Westen. Aber leider nicht auf dem Platz. Bei der 0:4-Heimniederlage gegen Düsseldorf liefen die Gelsenkirchener acht Kilometer weniger als ihre Gegenspieler. Trainer Domenico Tedesco („Der Druck am Ball determiniert das kollektive Verhalten“) versteht es nicht. Denn in der Trainingswoche seien die Spieler noch „lebendig“ gewesen. Das ist in der Tat merkwürdig. Denn Lebendigkeit ist eigentlich eine gute Voraussetzung für sportliche Aktivität.

Nach dem Spiel nahmen erzürnte Fans dem Spielführer die Kapitänsbinde weg. Schalke taumelt im freien Fall Richtung Abstiegsränge, spielt aber parallel in der Champions League. Das ist für die Schalker zu viel Schieflage. Und so greift wohl das Gesetz der Serie. Denn wenn sich die Spieler nicht mehr bewegen, wird man wohl davon ausgehen müssen, dass zumindest das Arbeitsverhältnis von Tedesco in dieser Woche auf ein abruptes Ende zuläuft.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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