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Vladislav Lets feiert sein Premierentor für die Füchse.
© Imago/Foto Lächler

Ligaendspurt im Handball: Let’s go! Die verletzungsgeplagten Füchse brauchen ihre Nachwuchskräfte

Wegen zahlreicher Ausfälle schleppen sich die Berliner durch die Schlussphase. Die Champions League scheint ohnehin unerreichbar.

Die komplette Bank stand. Alle waren sie aufgesprungen, um das Tor von Vladislav Lets zu bejubeln. Auf dem Feld klatschte ein Berliner nach dem anderen mit dem 20-Jährigen aus der zweiten Mannschaft ab, der nur Sekunden zuvor einwechselt worden war und ein Bundesliga-Debüt nach Maß hinlegt hatte. „Natürlich freuen wir uns da riesig. Wir wissen ja noch ganz genau, wie sich das anfühlt”, sagte Kapitän Paul Drux, der am Ende mit Lets und dem Rest des Teams einen 35:25-Sieg gegen die GWD Minden feiern durfte.

Bis dahin war es allerdings ein weiter weg. Denn gerade in der ersten Halbzeit hatten sich die Füchse mehr als schwergetan und unnötig viele Fehler produziert. „Vielleicht waren wir da etwas zu heiß“, versuchte Drux nach der Partie zu analysieren, „dadurch kam Minden ins Spiel”. Den Nordrhein-Westfalen, die sich als Tabellensechzehnter mitten im Abstiegskampf befinden, gelang es allerdings nur kurzzeitig, das Geschehen zu ihren Gunsten zu drehen. Auch den Gästen fehlte die nötige Sicherheit am Ball, sodass sich die Partie wellenartig vor sich hin bewegte, ohne dass sich eine der beiden Mannschaften einen bedeutenden Vorteil erspielen konnte.

Nach der Pause änderte sich der Spielfilm allerdings. Angeführt von Hans Lindberg, der die ersten fünf Tore der Füchse nach Wiederanpfiff beisteuerte, wurde die Führung sukzessive ausgebaut und der Sieg gesichert. „Ich hatte erst die Befürchtung, dass wir das Spiel aus der Hand geben”, sagte Trainer Jaron Siewert in der anschließenden Pressekonferenz. „Doch zum Glück haben wir im richtigen Moment zur richtigen Zeit den Fokus und die Konzentration gefunden. Dann haben wir angezogen und Tempo gemacht.”

Probleme am Kreis

Als Lets in der 58. Minute eingewechselt wurde, war die Situation bereits so komfortabel, dass es für den jungen Kreisläufer eine gute Möglichkeit war, um Spielpraxis zu sammeln. Und das könnte gleichermaßen für die verbleibenden zwei Partien bei der HBW Balingen-Weilstetten (Mittwoch, 19.05 Uhr) und zuhause gegen die SG Flensburg-Handewitt (Sonntag, 15.30 Uhr) wichtig werden. Denn den Füchsen gehen so langsam die Spieler aus. Nachdem Nils Lichtlein und Marian Michalczik in dieser Saison nicht mehr in den Spielbetrieb eingreifen können, fällt nun ebenso Viran Morros aufgrund einer Atemwegserkrankung bis auf weiteres aus.

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Problematisch ist es aber vor allem am Kreis. Hier fehlt mit Marc Walter der eingeplante dritte Kreisläufer schon seit dem Ende der Vorbereitungszeit, wo er sich kurz nach der Genesung seines Kreuzbandrisses einen Knorpelschaden im Knie zuzogen hatte und deshalb noch kein Spiel bestreiten konnte. Vor knapp drei Monaten verletzte sich dann zusätzlich Johan Koch an der Schulter und ist ebenfalls keine Option mehr. Der nachverpflichtete Igor Vori konnte unterdessen nur vier Spiele für die Berliner bestreiten, laboriert nun an Nackenproblemen.

Seitdem springen immer wieder Nachwuchstalente ein, angefangen bei Jann Keno Jacobs über Ron Yunis Dieffenbacher bis hin zu Vladislav Lets. Die Hauptlast liegt allerdings weiter bei Mijajlo Marsenic, der zu weilen auch von Paul Drux Hilfe bekam.

Gegen Minden sorgte darüber hinaus Fabian Wiede für einen Schockmoment, als er in der 48. Minute beim Versuch einen Gegenstoß zu verhindern, unglücklich umknickte und minutenlang an der Seitenlinie mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden lag. Wie schlimm die Verletzung letztlich ist, wird sich zeigen. Allerdings gibt der Fakt Hoffnung, dass der Nationalspieler beim Verlassen der Halle schon den Eisbeutel entfernt hatte und wieder normal laufen konnte.

Bangen um Wiede

Fällt Wiede aus, blieben den Berlinern im Saisonendspurt nur noch zehn etatmäßige Feldspieler. Eine schwierige Situation für das Team, das durch den Erfolg gegen Minden und die gleichzeitige Niederlage der SG Flensburg-Handewitt beim TBV Lemgo-Lippe (25:30) gerade den dritten Platz in der Liga festigen konnte. Und wenngleich die Chancen auf den mit der Champions League verbundenen zweiten Platz nur noch minimal sind, da Kiel aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses in den verbleiben zwei Spielen drei Punkte liegen lassen müsste, haben die Füchse nicht vor, sich am Ende etwas vorwerfen lassen zu können.

„Natürlich würde uns der Ausfall von Fabi sehr weh tun. Aber wenn es so ist, werden wir – wie sonst auch – eine Lösung finden”, sagte Siewert. Er weiß schließlich, dass er sich auf den Nachwuchs verlassen kann.

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