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Voller Schwung. Marcel Ohorn wurde als erster Golfer der Region seit 35 Jahren in die Nationalmannschaft berufen.

© Mike Wolff

17-jähriger Berliner: Marcel Ohorn und der Traum vom Profigolf

Er ist der beste Golfspieler der Region Berlin-Brandenburg - mit gerade einmal 17 Jahren. Doch das reicht Marcel Ohorn nicht. Sein Traum ist eine Karriere als Profigolfer. Dafür tut er schon jetzt alles.

Auf einen Besessenen wie den Berliner Marcel Ohorn hat der deutsche Golfsport gewartet. Auf einen, der herausragend spielt und außerdem klar bekennt, dass er in den kommenden Jahren Golfprofi werden will. Der 17-Jährige aus Tempelhof hat seit vergangenem Sommer seine mittlere Reife in der Tasche. Nun genießt er es, dass er sich vollkommen auf seinen Sport konzentrieren kann. „Das ist jetzt mein Beruf.“

Ohorns Handicap liegt bei +3,6. Laut Rangliste ist er der beste Golfer in Berlin und Brandenburg, deutschlandweit steht er auf Platz 15. „Mein Ziel ist es, mich in die Top drei der DGV-Rangliste zu spielen und irgendwann Tourpro zu werden“, sagt Ohorn. „Ich denke an nichts anderes“. Dabei geht es Golfprofis gerade in der Anfangszeit oft schlechter als Amateuren, die für die Nationalmannschaft spielen. Plötzlich zahlt nicht mehr der Deutsche Golf Verband (DGV) die hohen Reisekosten zu Turnieren in aller Welt oder die Ausrüstung. Dem Profi fehlt dieses Rundumpaket, er ist auf sich allein gestellt, muss selbst Sponsoren überzeugen, sich um viele Dinge kümmern.

Der Schritt zum Profi gleicht einer Wette mit hohem Einsatz, zeitlich wie finanziell. Wer sie wagt, sollte überzeugt davon sein, dass die Preisgelder sehr bald zum Leben reichen. Zwar gehören Golfstars wie Rory McIlroy und Tiger Woods zu den bestbezahlten Sportlern überhaupt, tatsächlich können weltweit aber viel weniger Golfer von ihrem Spiel leben als etwa Fußballer. Die Konkurrenz ist enorm. Dieses Risiko schreckt offenbar ab, im deutschen Golfsport gibt es Nachwuchsprobleme. Viele Talente entscheiden sich im Zweifel dann doch lieber für ein Studium oder eine Banklehre.

Marcel Ohorn will die Wette eingehen. Zehn Stunden pro Tag steht er dafür auf dem Golfplatz oder der Driving Range seines Golfclubs Stolper Heide, an sechs Tagen in der Woche. Selbst im Training trägt er einen schwarzen Pullover mit dem Bundesadler der Nationalmannschaft. Im vergangenen Herbst wurde Ohorn als einer von sechs Spielern in die deutsche Männerauswahl berufen – als erster Golfer aus der Region seit 35 Jahren.

Angefangen hat er bei den Eisbären Berlin mit Eishockey, dem Sport seines Vaters Michael. Als der sich aber verletzungsbedingt dem Golf zuwandte, ging der Sohn hin und wieder mit. Der seinerzeit 10-Jährige machte sich dabei so gut, dass er schnell in die Jugendmannschaft seines damaligen Golfclubs Groß Kienitz berufen wurde. Der Traum von der Profikarriere entstand.

In zwei Jahren will Ohorn auf der Profitour spielen

In den vergangenen Jahren reiste er für Golfturniere durch die Welt, sportlich ging es immer nur aufwärts. Mit der Jugend-Nationalmannschaft gewann er Bronze bei der Team-EM. Bei den Deutschen Meisterschaften der Männer wurde er Sechster. Trotzdem tut sich Ohorn schwer, über seine Stärken zu sprechen. „Ich kann alles noch verbessern“, sagt er. Wenn etwas herausrage, dann sei es, dass Ohorn unter Druck besser werde, sagt sein Trainer Gregor Tilch. Das schüchtere die Gegner ein. „Manchmal spielt er wie eine Maschine.“

Ein gutes Beispiel ist die jüngste Clubmeisterschaft. Die gewann Ohorn nach einer wahnsinnigen Aufholjagd. In Rückstand liegend spielte er die letzten sechs Löcher allesamt Birdie und rettete sich damit gerade noch ins Stechen. Am vierten Extraloch erspielte sich Ohorn schließlich den Sieg – eine mentale Meisterleistung angesichts der hohen Erwartungen an ihn. „Da hat er einfach den Schalter umgelegt“, sagt Tilch, der seit dreieinhalb Jahren mit Ohorn zusammenarbeitet.

Der Plan von Spieler und Trainer sieht vor, dass Marcel Ohorn frühestens in zwei Jahren auf die Profitour wechselt. Bis dahin soll er sich bestmöglich auf den entscheidenden Schritt vorbereiten. „Golf ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, sagt Tilch. „Erfolgreicher Profi kann nur werden, wer schon lange professionell arbeitet.“ Dank Einladungen zu Turnieren der European Tour soll Ohorn in der nächsten Zeit Wettkampfhärte und Erfahrung im Duell mit den Besten sammeln. „Es geht darum, die Komfortzone auszuweiten, damit Marcel in entscheidenden Situationen bestehen kann“, sagt Tilch.

In Deutschland ist das so gut wie unmöglich. Die hiesigen Golfplätze sind schlicht zu anspruchslos. Aus diesem Grund, und um dem nasskalten Winterwetter zu entkommen, reiste Marcel Ohorn schon vor Weihnachten zum Training nach Spanien und Portugal, Anfang Januar ging es nach Australien, im Februar reisen er und Trainer Tilch zusammen in die Türkei.

Das nächste Projekt in Berlin ist der Umzug in eine eigene Wohnung – natürlich direkt neben dem Golfplatz. „Dann muss ich meine Eltern nicht mehr bitten, mich ständig hin und her zu kutschieren“, sagt Ohorn. In der Vergangenheit reiste Vater Michael zu Turnieren meist im Wohnmobil mit. Wenn Marcel Ohorns Wette aufgeht, muss er sich über die Unterbringung bei Turnieren schon bald keine Sorgen mehr machen. Arne Bensiek

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