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Dom Parsons ist am Ziel: Er holt die erste Medaille für Großbritannien.
© AFP/Mohd Rasfan

Olympische Spiele in Pyeongchang: Mit viel Geld zu Edelmetall

Mit Bronze im Skeleton sichert Dom Parsons Großbritannien die erste Medaille bei diesen Spielen - und setzt eine lange Tradition fort.

Am Ende war es wohl die Ausrüstung, die am Freitag für Dom Parsons den Unterschied ausmachte. Es waren die kleinen Unebenheiten auf den Schultern seines Skeleton-Anzugs, die den Luftwiderstand minimierten und dem Briten den kleinen, aber wichtigen Vorteil verschafften. Parsons gewann Bronze. Es war die erste Medaille für Großbritannien bei diesen Winterspielen.

Seit der Wiedereinführung als Olympia-Sportart 2002 ging immer mindestens eine Medaille auf der Skeleton-Bahn auf die Insel. Für eine Nation, die über keine einzige Rodelbahn verfügt und in der Geschichte der Winterspiele insgesamt nur 26 Medaillen holte, ist das eine außergewöhnliche Bilanz.

Sein neuer Spezialanzug half

Trotzdem kam Parsons’ Erfolg etwas überraschend. Während Lizzy Yarnold am Samstag ihre Goldmedaille von Sotschi verteidigen will, hatte bei den Männern kaum einer mit Parsons gerechnet. Im Skeleton ist es aber wie in der Formel 1, wo ein technologischer Vorteil alles ändern kann. So sehen es auch die Konkurrenten der Briten, die jetzt hinterfragen, ob die neuen Anzüge regelkonform sind.

Gespür für Eis. Skeleton-Pilot
Gespür für Eis. Skeleton-Pilot
© REUTERS

Das hat das IOC mittlerweile bestätigt, aber für die Briten hinterlässt der Streit einen bitteren Geschmack. „Die Leute wollen halt nicht, dass wir gewinnen“, beschwerte sich Amy Williams, die 2010 die Goldmedaille im Skeleton holte.

Eine richtige eigene Bahn haben die Briten nicht

Schon mehrmals in den letzten Jahren musste sich die Sportnation Großbritannien gegen Vorwürfe verteidigen, seine Sporthelden hätten die Grenzen der Regeln überschritten. Nach den Skandalen um Bradley Wiggins, Chris Froome und Team Sky ist es kein Wunder, dass Williams so gereizt auf den Streit um die Anzüge reagiert. Wie der Radsport hat sich Skeleton mit all den Erfolgen der letzten Jahre fast zu einem Nationalsport entwickelt. Da kommen solche Vorwürfe gänzlich ungelegen.

Vor allem, weil Großbritannien abseits vom Skeleton keine Chance auf Erfolge im Wintersport hat. Selbst im Skeleton, das die Briten erfunden haben, kann man nicht im eigenen Land auf Eis trainieren. Nur eine Anlage gibt es auf der Insel: eine Rollbahn an der Universität Bath, wo Williams, Yarnold und Parsons die Sportart gelernt und perfektioniert haben. Dort fährt man nicht einmal halb so schnell, wie es auf professionellen Rodelbahnen üblich ist.

Ein bisschen wie Eddie the Eagle - nur in teuer

Dass man gegen alle Widerstände immer wieder Medaillen in dieser Sportart gewinnt, passt gut zum nationalen Selbstverständnis der Briten. „Gerade wenn einem erzählt wird, dass etwas unmöglich ist, liegt es in der britischen Natur, trotzdem alles dafür zu tun, um es hinzubekommen“, sagte Shelley Rudman, Silbermedaillengewinnerin von Turin 2006, dem „Telegraph“. Das ist ein bisschen wie beim Brexit oder der Geschichte von Eddie the Eagle; nur hat man im Skeleton Erfolg.

Dieser ist aber auch teuer. Zwischen 2010 und 2014 investierte die staatliche Sportförderung fast 3,5 Millionen Pfund (rund vier Millionen Euro) in Skeleton. In den letzten vier Jahren wurde das Budget auf 5,5 Millionen Pfund erhöht. Im Wintersport werden in Großbritannien nur die Sportarten finanziert, die auch Erfolg haben. Das entspricht einer kompromisslosen Philosophie der Sportförderung, die hauptsächlich auf die Anhäufung von Medaillen zielt – mit Erfolg. Bei den Sommerspielen 1996 landete Großbritannien auf dem 36. Platz im Medaillenspiegel. 2016 waren hingegen nur die USA erfolgreicher als die Briten.

Wird die Förderung eingestellt?

Auch der Wintersport hat von der Förderung profitiert. Nicht nur Skeleton, auch Curling und Rodeln werden überproportional unterstützt. Wie lange das noch so bleibt, ist aber fraglich. Kritiker wie Ed Warner, Chef des Leichtathletikverbandes, fordern ein Umdenken, damit Sportarten wie Basketball nicht unter dem Erfolg von Nischendisziplinen wie Skeleton leiden. Das würde wohl das Ende einer sehr erfolgreichen Ära für den britischen Wintersport bedeuten. Es kann gut sein, dass Parsons und Yarnold vorerst die letzten britischen Medaillengewinner sind. Ohne die Millionen aus der Sportförderung werden die Skeletonis 2022 auf den nächsten fantastischen Anzug verzichten müssen.

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