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Lena Gohlisch trug schon als Kind das gelbe Alba-Leibchen.
© Imago/camera4+

Nach dem Aufstieg in die Bundesliga: Neue Perspektiven für Albas Basketballerinnen

Alba Berlins Basketballerinnen starten in die Vorbereitung auf ihr Premierenjahr in der Bundesliga. Kapitän Lena Gohlisch geht dabei voran.

Die neue Saison begann mit einem Foto. Einem Foto, das jede der Basketballerinnen, die in diesem Jahr für Alba Berlin auflaufen wird, im Gruppenchat postete. Einem Foto, das zeigt, wie sie ihre ersten Versuche am Ball unternahmen und wo die Laufbahn begann, die sie letztlich alle zusammen nach Berlin brachte. So soll eine Basis zwischen neuen und alten Spielerinnen entstehen, um gemeinsam die Herausforderungen zu meistern, die auf den Erstliga-Aufsteiger ab Oktober warten.

Fünf Abgänge hat das Team von Trainer Cristo Cabrera in diesem Jahr zu verzeichnen, fünf neue Spielerinnen konnte der Coach zum Trainingsauftakt am Montag begrüßen. Mit Centerspielerin Maggie Mulligan, den Flügelspielerinnen Nina Rosemeyer und Tessa Stammberger, Inside-Spielerin Laina Snyder sowie Spielmacherin Deeshyra Thomas hat sich Alba vor allem eines nach Berlin geholt: Erfahrung. Fast alle haben bereits in der ersten Liga und auf internationalem Parkett ihre Einsätze gehabt.

Die fünf Neuen wissen, wie es ist, in größeren Hallen vor Publikum zu spielen, kennen die Physis der höheren Spielklassen und haben das sportliche und mentale Knowhow, um in engen Situationen zu bestehen. „Diese Erfahrung wird uns helfen. Da haben wir jetzt das bekommen, was uns sonst sicher gefehlt hätte“, sagt Kapitänin Lena Gohlisch, die ihre ersten Basketballschritte bei den Alba-Minis machte und sich daher auf ihrem „Vorstellungsfoto“ im gelben Trikot präsentieren konnte. Mit

Zwischenstationen bei TuS Lichterfelde und den Berlin Baskets, einem Profijahr in Frankreich sowie ihrer Zeit beim Erstligaklub TK Hannover Luchse gehört die 28-Jährige ebenso zu den erfahreneren Führungsspielerinnen, die wissen, was die Mannschaft in der ersten Liga erwartet. „Taktisch ist der Unterschied gar nicht so groß, aber die meisten Spielerinnen sind deutlich athletischer, kräftiger und schneller. Da herrschen eine ganz andere Körperlichkeit und Härte. Daran müssen sich wahrscheinlich die Jüngeren unter uns erst einmal gewöhnen", sagt Gohlisch.

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Gleichzeitig weiß sie aber auch, dass ihr Team aus der vergangenen Saison einiges mitnehmen kann. Sportlich will Alba wieder schnell spielen und aggressiv verteidigen und auf den vorhandenen Stärken aufbauen. Weiter haben die Frauen gelernt, dass ein suboptimaler Start noch zu einem erfolgreichen Ziel führen kann und das Selbstvertrauen mit der Zeit wächst. Darauf und auf ein homogenes Mannschaftsgefüge hofft Gohlisch auch in diesem Jahr. „So wie ich alle bisher kennengelernt habe, habe ich da aber ein gutes Gefühl. Ich glaube, das passt ganz gut, so dass wir schnell wieder eine gute Teamchemie hinbekommen", sagt die Aufbauspielerin.

Der Erfolg der vergangenen Saison lag aber auch am Trainerteam. „Ich habe das Gefühl, dass wir da in den letzten drei Jahren zusammengewachsen sind. Da wird jungen Spielerinnen Vertrauen geschenkt. Keine muss Angst haben, Fehler zu machen“, erklärt Gohlisch und hebt die gute Kommunikation mit den Verantwortlichen hervor. Denn das ist auch ein Aspekt, an dem die Mannschaft in der vergangenen Spielzeit gearbeitet hat und der wichtig ist, weil jede Spielerin unterschiedliche Voraussetzungen mitbringt. Nur wenige sind Vollprofis, viele absolvieren nebenbei noch eine Ausbildung oder arbeiten.

Gohlisch beispielsweise macht neben dem Basketball ihren Facharzt in der Allgemeinmedizin und muss dadurch mit Tag- und Nachtschichten, Trainings- und Spielzeiten sowie Regenerationsphasen jonglieren, ohne dabei in ihrer Leistungsfähigkeit abzubauen. Ähnlich geht es auch anderen Spielerinnen. „Da haben wir viel drüber geredet und unser Trainer ist sehr gut auf uns eingegangen. Das war ein Lerneffekt der letzten Jahre. Als Kapitänin war es dann auch mein Job, in die Mannschaft reinzuhorchen, wem es wie geht, und das dann rückzumelden“, berichtet Gohlisch. Mittlerweile nutzen sie und ihre Teamkolleginnen eine App, in der sie ihre Schlaf- und Trainingsgewohnheiten eintragen und genauso ihr Wohlbefinden festhalten, sodass darauf aufbauend gecoacht und auf eventuelle Probleme eingegangen werden kann.

Albas Frauen feiern den Aufstieg in die Bundesliga.
Albas Frauen feiern den Aufstieg in die Bundesliga.
© Imago/camera4+

Gleichzeitig hilft es, dass die Strukturen um das Training herum schrittweise professionalisiert wurden. Athletiktrainer und Physiotherapeuten der Männer stehen auch den Frauen zur Verfügung, auch zur Halle haben sie nun zu jeder Zeit Zugang. „Man merkt eine Entwicklung. Der Wille, zu investieren, ist da“, sagt Gohlisch und betont, dass dieser Investitionswille nicht nur monetärer Natur ist. Schließlich sei es keine Selbstverständlichkeit, dass Sportdirektor Himar Ojeda zu Auswärtsspielen mitfährt, dass der Verein sukzessive die Frauenabteilung ausbaut und verstärkt die Nachwuchsarbeit bei den Mädchen unterstützt.

Alba kann das größte Mädchen- und Frauenprogramm in der DBBL vorweisen

Wenngleich Alba inzwischen das größte Mädchen- und Frauenprogramm in der DBBL vorweisen kann, ist in diesem Bereich deutschlandweit noch viel Luft nach oben. Allgemein fehle der strukturelle Unterbau, wie Gohlisch erklärt, sodass man noch weit von Verhältnissen wie in Frankreich oder Spanien entfernt ist. „Da ist die Anerkennung des Sports eine ganz andere, aber eben auch die Förderung“, sagt Gohlisch, „die Nachwuchsbundesliga ist ein guter Anfang, allerdings ist der Sprung von der U18 zu den Frauen noch immer groß“.

In Deutschland ist eine geregelte Angliederung von Sportinternaten für Mädchen an die Vereine allein aufgrund der finanziellen Herausforderungen kaum vorstellbar. Das wird allein dadurch deutlich, dass Spielerinnen in der Bundesliga nicht selten über Entschädigungen und Gutscheine entlohnt werden und nicht über ein festes Gehalt. Bei Alba aber werden immerhin die ersten Schritte getan.

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Bisher ging das Konzept auf, der Verein kann als einziger Klub in Deutschland eine erstklassige Frauen- und Männermannschaft aufbieten. Erstmals seit 15 Jahren wird in Berlin nun wieder erstklassig Frauen-Basketball gespielt. „Ich glaube, das ist ein Riesenschritt für Berlin. Jetzt haben die Talente, die hier entwickelt werden, eine Perspektive auf hohem Niveau spielen zu können und müssen die Stadt nicht schon in jungen Jahren verlassen“, sagt Gohlisch, die ihrerseits noch mit den Jungen trainieren musste, weil es kein Mädchenteam gab.

Jetzt wird sie von jungen Mädchen nach Trikots und Unterschriften gefragt und zu den Minis gebeten, von ihrer Laufbahn zu erzählen und Tipps zu geben. „Das ist für uns natürlich auch superschön. Vor allem merkt man, dass da etwas entsteht und dass wir jetzt Vorbilder sind und nicht nur die Männer. Das hat mir damals gefehlt“, sagt Gohlisch. Und wer weiß, vielleicht machen einige der Mädchen jetzt auch Fotos, die sie dann irgendwann ihren Mannschaftskolleginnen in der ersten Liga zeigen können.

Carolin Paul

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