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Woo-yeong Jeong erzielte gegen Mainz den Anschlusstreffer für Union.

© imago/Sebastian Räppold

Neue Qualität beim 1. FC Union Berlin: Plötzlich macht die Bank den Unterschied

In den ersten 13 Spielen wartete Union vergeblich auf ein Jokertor, jetzt haben die Einwechselspieler entscheidenden Einfluss. Trainer Baumgart lobt besonders einen Profi.

Stand:

Steffen Baumgart ging noch davon aus, dass Danilho Doekhi und nicht Joker Marin Ljubičić der Schütze des 2:2-Ausgleichstreffers gegen Mainz 05 war, und wirklich eindeutig ließ sich das zeitnah auch nicht aufklären. War aber auch egal, denn die Tendenz ist eindeutig. Die Bank macht beim 1. FC Union Berlin aktuell den Unterschied.

Woo-yeong Jeong brachte Baumgarts Team beim emotionalen Wiedersehen mit Urs Fischer sieben Minuten nach seiner Einwechslung mit einem Flugkopfball zurück ins Spiel. Eingeleitet wurde das 1:2 durch einen Doppelpass zwischen Derrick Köhn und dem ebenfalls eingewechselten Ilyas Ansah.

Für das 2:2 feierte sich Innenverteidiger Doekhi, im Nebenberuf Toptorjäger. Sein Kopfball prallte gegen die Unterkante der Latte und von dort? Selbst in der Wiederholung war nicht genau zu erkennen, ob das Spielgerät die Linie vollumfänglich überquert hatte.

Wir als Verein, als Mannschaft kommen über das Kollektiv, nicht nur über die erste Elf.

Steffen Baumgart

Dass dies zur Nebensache geriet, lag am acht Minuten zuvor eingewechselten Ljubičić, der den Ball sicherheitshalber über die Linie drückte. Die DFL schrieb den Treffer dem Kroaten zu, der damit wie in der Vorsaison beim ersten Einsatz erfolgreich war. „Wir als Verein, als Mannschaft kommen über das Kollektiv, nicht nur über die erste Elf“, sagte Baumgart.

Unions Trainer hat natürlich auch in der frühen Phase der Saison munter gewechselt, Zählbares kam dabei aber nicht heraus. In den ersten 13 Bundesligaspielen wartete Union vergeblich auf ein Jokertor. Es trafen Ansah und Oliver Burke, die Innenverteidiger Doekhi und Leopold Querfeld oder Mittelfeldanker Rani Khedira. Wenn es nicht lief, tat sich die Mannschaft, abgesehen von Standards, aber sehr schwer, dem Spiel eine neue Richtung zu verleihen.

Drei Spiele in Folge mit Jokertoren

Mittlerweile hat sich das geändert. War das Premierentor des eingewechselten Tim Skarke beim 3:1 gegen Leipzig noch eine Randnotiz, weil es den Spielausgang in der Nachspielzeit nicht beeinflusste, waren die Jokertore in den vergangenen beiden Partien eminent wichtig.

In Köln schoss András Schäfer Union in der Nachspielzeit zum Sieg, sieben Minuten nach seiner Einwechslung. Am Samstag gegen Mainz waren es Jeong und Ljubičić – jeweils mit dem ersten Saisontor. „Der Trainer hat gesagt, dass er alle braucht, nicht nur die Startelfspieler. Wir wollten als Einwechsler Energie reinbringen, deshalb fällt am Ende das 2:2“, sagte Jeong.

Es ist eine neue Qualität, die wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Berliner mit 22 Punkten nach 16 Spielen schon mehr als die halbe Miete zum Klassenerhalt geschafft haben.

Jetzt haben wir fünf Jungs vorne, die die Kiste leider nicht immer so treffen, aber extrem gut arbeiten.

Steffen Baumgart

Die Erklärungssuche für solche Serien ist im Fußball nie einfach. Mal läuft es und jeder Schuss sitzt, mal will der Ball einfach nicht ins Tor. Im Fall von Union sind einige Gründe jedoch gut zu erkennen – und diese betreffen insbesondere Jeong und Livan Burcu, der gegen Mainz erstmals von Beginn an spielte.

Andras Schäfer (r.) erlöst den 1. FC Union spät.
Andras Schäfer (r.) erzielte in Köln den Siegtreffer.

© Imago/Matthias Koch

„Wir vergessen immer, dass Woo erst seit ein, zwei Monaten im Saft ist. Bei Livan ist es noch weniger“, sagte Baumgart. Jeong schleppte die Nachwirkungen einer Operation im Frühjahr mit in die neue Saison, Burcu verletzte sich in der Vorbereitung. Durch ihre Comebacks hat Union mittlerweile deutlich mehr Alternativen in der Offensive.  

„Sie bringen eine Extraqualität mit. Jetzt haben wir fünf Jungs vorne, die die Kiste leider nicht immer so treffen, aber extrem gut arbeiten“, sagte Baumgart. Aufgrund der immer noch offensichtlichen Probleme der Berliner, aus dem Spiel Tore zu erzielen, sind Treffer wie jener von Jeong umso wertvoller.

Ein Sonderlob verteilte Unions Trainer an Schäfer, der mit einem Lattentreffer haarscharf an einem weiteren Tor vorbeischrammte. Der Ungar kommt in dieser Saison nicht an Khedira und Aljoscha Kemlein vorbei und stand erst fünfmal in der Startelf. „Aber jedes Mal, wenn er reinkommt, ist er bei 100 Prozent“, sagte Baumgart. „Das brauchen wir, auch wenn die Jungs den Ehrgeiz haben, immer zu beginnen.“

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