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Die Volksinitiative sammelte mehr Stimmen als gefordert.

© Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Olympia-Gegnerin ist optimistisch: Ein Fünkchen Hoffnung auf Berliner Spiele in Zapf-Umzugskartons

Der Traum von Olympia in Berlin ist noch nicht ausgeträumt, wie eine Volksinitiative beweisen soll. Doch eine Gegnerin der Spiele gibt sich optimistisch, dass sie nicht stattfinden werden.

Stand:

Die Hoffnung auf Olympia in Berlin war am Montag in drei Umzugskartons der Firma Zapf verpackt. 28.000 unterschriebene Stimmzettel zur Volksinitiative „Die Spiele für Berlin“ befanden sich darin. „Wir wollen etwas für den Sport in Berlin tun“, sagte Thomas Härtel bei der Übergabe der Stimmzettel im Berliner Abgeordnetenhaus – etwas für den Sport in Berlin tun, indem man die Olympischen Spiele in die Hauptstadt holt.

Das wird ein steiniger Weg für den Präsidenten des Landessportbundes Berlin und seine Mitstreiter aus Sport und Politik. Im nationalen Ausscheidungsrennen, das im Herbst dieses Jahres entschieden werden soll, liegt München derzeit gefühlt vorn. Vor allem deshalb, weil dort ein Referendum in der Bevölkerung mit einem durchschlagenden Bekenntnis für Olympia abgehalten wurde.

Diese Möglichkeit haben die Berliner aus Verfassungsgründen nicht. Die Zustimmung der Bevölkerung können sie nicht über ein Referendum erfragen; deshalb der Umweg über eine sogenannte Volksinitiative, an deren Ende ein Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses stehen soll, der die Dringlichkeit einer Unterstützung der Bewerbung deutlich machen soll.

Alles auf Papier

Wie alle Beteiligten am Montag betonten, war es durchaus fordernd, die Unterschriften einzusammeln – was wesentlich am Prozedere einer solchen Volksinitiative liegt. Sie erfolgt nicht digital, sondern auf Papier. Die Unterzeichnenden müssen Namen, Geburtsdatum und Adresse angeben. Viele möchten das wegen datenschutzrechtlicher Bedenken nicht.

Hinzu kommt, dass es sich bei dem Anliegen um – wie es Dennis Buchner, Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Berlin, nannte – einen „Langstreckenlauf“ handelt. Berlin bewirbt sich um die Spiele 2036, 2040 oder 2044. Das ist noch lange hin. Sprich: So etwas erfordert viel Mobilisierungskraft.

Ich wäre glücklich, wenn Deutschland die Olympischen Spiele bekommen würde. Und traumhaft wäre es, wenn sie in Berlin stattfinden.

Britta Steffen, Schwimm-Olympiasiegerin

Womit wir bei NOlympia wären – dem Gegenspieler der Berliner Treiber hinter einer Bewerbung. Die Olympia-Gegner haben ihrerseits ein Volksbegehren gegen eine Berliner Bewerbung für Olympia gestartet. Für die Einleitung eines solchen Begehrens benötigen sie ebenfalls 20.000 Stimmen. Ein solches Begehren könnte zu einem möglichen Volksentscheid führen, der den Senat zum Rückzug der Bewerbung zwingt.

Die eigentliche Krux für die Olympia-Werber ist: Sollte NOlympia die 20.000 Unterschriften zusammenbekommen, fiele das genau in die Phase der Entscheidung über den nationalen Bewerber. Ein Damoklesschwert hinge über der Berliner Bewerbung. Warum sollten sich die Vertreter des Sports für den risikobehafteten Bewerber Berlin entscheiden?

„Der Zeitpunkt unseres Begehrens ist kein Zufall, das ist Absicht“, sagte Gabriele Hiller am Montag dem Tagesspiegel. Die Linken-Politikerin ist eine der treibenden Kräfte im Kampf gegen eine Olympiabewerbung Berlins. Sie hält die Volksinitiative „Die Spiele für Berlin“ für einen „rein symbolischen Akt“.

Noch nicht ausgeträumt

Was das Sammeln von Unterschriftenlisten gegen Olympia angeht, ist Hiller optimistisch. „Mit der Unterstützung von Grünen und Linken haben wir schon eine gute Grundsubstanz“, sagt sie. Auch die Naturfreunde und der BUND würden helfen. „Doch auch für uns wird das kein Heimspiel.“ Die 20.000 Stimmen müssen die Gegner erst einmal zusammenbekommen.

So ist der Olympia-Traum, den einige in Berlin hegen, noch nicht ausgeträumt. Auch Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen machte sich im Abgeordnetenhaus stark für eine Berliner Bewerbung. „Stillstand heißt Rückschritt“, sagte sie. Gleichwohl schlug sie versöhnliche Töne an. Wichtig sei, die Kräfte zu bündeln und sich schnell für einen nationalen Bewerber zu entscheiden. „Ich wäre glücklich, wenn Deutschland die Olympischen Spiele bekommen würde“, sagte sie. „Und traumhaft wäre es, wenn sie in Berlin stattfinden.“

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