Para-Eishockey-WM in Berlin : Deutschland verpasst den Aufstieg und wird Vierter

Zum Abschluss geht das deutsche Team gegen Russland unter. Trotzdem war die WM eine tolle Werbung für eine unbekannte Sportart.

Zu viel des Guten: Für das deutsche Team setzte es bei der Para-Eishockey-WM gegen Russland eine deutliche Niederlage.
Zu viel des Guten: Für das deutsche Team setzte es bei der Para-Eishockey-WM gegen Russland eine deutliche Niederlage.Foto: Ralf Kuckuck/Imago

Das Wintermärchen wurde es am Ende nicht ganz. Ist ja auch noch nicht Winter. Doch auch wenn die deutsche Para-Eishockeymannschaft bei der B-WM in Berlin den anvisierten Aufstieg in die A-Gruppe verpasste, so lieferte sie den Zuschauern fünf packende Begegnungen.

Oder sagen wir vier. Denn vor allem mit der Auftaktpartie am vergangenen Sonntag gegen China haderten dann doch einige der Nationalspieler. Es war das Spiel mit der schwächsten Leistung – in der Form, in der sich die Gastgeber zum Ende des Turniers präsentierten, wäre das Duell mit den Chinesen vielleicht anders ausgegangen. Hätte, hätte, wenn und aber.

Fast schon ein Fachpublikum

Was festzuhalten bleibt: Keiner aus der deutschen Mannschaft sollte sich grämen. Nach dem berauschenden Auftakt vor etwa 600 Zuschauern lockte das Team auch an den übrigen Tagen zwischen 300 und 400 Zuschauer herbei. Von der Stimmung her konnte sich diese Veranstaltung ganz sicher messen lassen mit beispielsweise den Europameisterschaften der Para-Leichtathleten, bei denen es die Veranstalter im Sommer 2018 verpasst hatten, eine große Masse in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark zu locken.

Die Verantwortlichen der B-WM hatten im Vorfeld gezielt das Eishockey-Publikum in Berlin angesprochen, und an allen Tagen waren etliche Menschen in Eisbären-Trikots oder mit Mützen der Preussen gekommen. Man konnte also beinahe von Fachpublikum sprechen.

Dass man beim Para-Eishockey von einem unterhaltsamen Sport reden muss, das wurde gleich am ersten WM-Tag deutlich. Durchaus elegant und in rasantem Tempo bewegten sich die Spieler auf ihren Sitzschlitten über das Eis, wendige Drehungen und Kabinettstückchen mit dem Puck inklusive.

Auch das Brachiale vom Eishockey der Fußgänger kam bei den Para-Athleten nicht zu kurz. Im Gegenteil. Die Spieler rauschten auf ihren Schlitten mit voller Geschwindigkeit ineinander hinein, frontal, von hinten, in die Seiten, dass es nur so krachte. Wie Autoscooter, nur schlimmer.

Auch Stefan Ustorf zeigte sich davon schwer beeindruckt: „Das ist ja härter als bei uns“, sagte der ehemalige Spieler und heutige Funktionär der Eisbären bei einem Besuch in der Eissporthalle Charlottenburg.

Zum Aufstieg reicht es nicht

Den Spielern der deutschen Mannschaft schien das hohe Interesse und die gute Stimmung Auftrieb zu verleihen. In der zweiten und dritten Partie brachten sie sich durch Kantersiege gegen Polen (13:0) und Großbritannien (16:0) in Lauerstellung, mit einem weiteren Sieg gegen die Slowakei hätten sie von Platz zwei träumen dürfen, der hinter Turniersieger Russland zum Aufstieg gereicht hätte.

Doch daraus wurde nichts. Trotz großen Kampfes reichte es nach 45 Minuten lediglich zu einem 1:1, in der Verlängerung erzielten die Slowaken das Siegtor. Sie waren es dann auch, die sich am Freitag durch einen Sieg gegen Polen den zweiten Aufstiegsplatz sicherten. Platz drei ging an China.

Für die Deutschen war das letzte Spiel des Turniers am Freitagabend dann sportlich nicht mehr von entscheidender Bedeutung. Gegen den haushohen Favoriten aus Russland, der im Nachklapp des Dopingskandals in Russland in die B-Klasse strafversetzt worden war und das ganze Turnier nach Belieben beherrscht hatte, setzte es zum Abschluss ein deutliches 0:10 und damit am Ende Platz vier für die Deutschen. Die abgekämpften Spieler hoben noch ein letztes Mal ihre Pranken und winkten in Richtung Tribüne.

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