Pokalsieg als Belohnung : Aito Garcia Reneses ist die Seele hinter Alba Berlin

Albas Trainer Reneses wich trotz Kritik nie von seinen Prinzipien ab. Sein Stil ist nicht beliebig – und deshalb so erfolgreich. Ein Kommentar.

Leonard Brandbeck
Endlich geschafft. Aito Garcia Reneses erntet mit dem ersten Titel in Berlin die Früchte seiner Arbeit.
Endlich geschafft. Aito Garcia Reneses erntet mit dem ersten Titel in Berlin die Früchte seiner Arbeit.Foto: Andreas Gora/dpa

In den letzten Minuten des Pokalfinals gegen Oldenburg, als sein Team von Alba Berlin den Triumph furios nach Hause spielte, wurde Aito Garcia Reneses selbst zum größten Bewunderer seiner Profis. „Er hat es genossen wie ein Fan und zu mir gesagt: Wow, diese Jungs! Wie sie spielen!“, erzählte Albas Sportdirektor Himar Ojeda wenige Minuten nach der Pokalübergabe in der Arena am Ostbahnhof: „Er hat geredet, als wäre er daran gar nicht beteiligt.“

Diese kleine Geschichte illustriert bereits, wie der 73-jährige Trainergrande tickt, der die Berliner am Sonntagabend durch einen 89:67-Erfolg zu ihrem ersten Titel führte, nachdem er mit ihnen zuvor in fünf Finals in Folge unterlegen war.

Alba-Coach Reneses liebt einfach das Spiel

Reneses ist die Seele hinter Albas Konzept, er hat das Programm durch seine Nachwuchsförderung und seine Philosophie des freien, flüssigen Basketballs mit Leben gefüllt, dem Klub eine auch auf internationaler Ebene vielbeachtete und anerkannte Identität verschafft und hat dabei auf nationalem Level gleich auch noch den Stil einer ganzen Liga geprägt.

Doch Reneses tut das nicht, weil er besessen davon ist, Titel und Triumphe anzuhäufen. Von denen hat er in seiner glanzvollen Karriere ohnehin schon genug eingesammelt. „Darüber definiert er sich nicht“, erklärte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Sein Leben verändert sich durch diesen Pokalsieg nicht.“

Nein, Reneses liebt einfach das Spiel. Und zwar so sehr, dass er sich in einem Alter, in dem er schon längst das gemütliche Rentnerdasein in Barcelona genießen könnte, immer noch Tag für Tag in die Sporthalle stellt, um seinen Spielern mit allerfeinstem Auge fürs Detail zu erklären, wie sie einen Ball zu passen, einen Block zu stellen oder einen Laufweg zu beachten haben. „Er will lehren, die Leute wachsen lassen und dafür belohnt werden“, sagt Sportdirektor Ojeda.

Genau diese Belohnung hat sich Reneses am Sonntagabend verschafft. Mit jeder Finalniederlage wurden neue Zweifel laut, ob er wirklich in der Lage sei, nicht nur schönen Basketball spielen zu lassen, sondern damit auch entscheidende Spiele zu gewinnen. Immer wieder gab es Stimmen, die forderten, dass er dafür auch einmal von seinen Prinzipien abweichen müsse. Doch so ist Reneses nicht gepolt. Sein Stil ist nicht beliebig. Und gerade deshalb so erfolgreich.

Fünf Finalniederlagen haben sicherlich auch ihn geschmerzt. Doch für seine Beharrlichkeit, seine Geduld und seine Ruhe ist er nun belohnt worden – und hat damit einen ganzen Klub beseelt. „Titel helfen, weil es manchmal das Einzige ist, woran sich Leute erinnern“, weiß Ojeda. Bei Alba hat Reneses jedoch längst mehr hinterlassen als einen Satz Siegermedaillen. Das dürften am Sonntagabend auch die letzten Zweifelnden verstanden haben.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!