• Radkolumne „Abgefahren“: Warum sich das Pendeln zur Arbeit mit dem Fahrrad lohnt

Radkolumne „Abgefahren“ : Warum sich das Pendeln zur Arbeit mit dem Fahrrad lohnt

Unser Kolumnist erklärt, weshalb er vor Jahren angefangen hatte, mit dem Rad zu Arbeit zu fahren. Und wie es sich bei ihm nachhaltig bemerkbar machte.

Michael Wiedersich
Mit dem Rad zur Arbeit. Wenn man sich darauf einlässt, kann es richtig Spaß machen.
Mit dem Rad zur Arbeit. Wenn man sich darauf einlässt, kann es richtig Spaß machen.Foto: Imago

Neulich bekam ich von einem Freund ein Buch in die Hand gedrückt. „Das könnte dich vielleicht interessieren“, meinte er vielsagend. Es war ein Ratgeber-Buch, Titel „Mit dem Fahrrad ins Büro“ (Delius Klasing Verlag, 16,90 Euro). Wie kam er dazu, dass mich solch ein Buch interessieren könnte? Ich fahre zwar viel Rad, aber nicht zur Arbeit. Denn das Radfahren an sich ist seit einigen Jahren mein Hauptberuf.

Der Freund kannte mich aber noch von früher und wusste, dass das nicht immer so war. Es gab eine Zeit, da bin ich tatsächlich mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Meine Arbeitsstelle war in Darmstadt. Gut 30 Kilometer entfernt im Odenwald hatten meine Familie und ich unser hessisches Exil für einige Jahre aufgeschlagen. Anfangs bin ich wie alle Mitarbeiter täglich mit dem Auto angereist.

„Mit dem Fahrrad ins Büro“. Die Lektüre kann das Pendeln schmackhaft machen.
„Mit dem Fahrrad ins Büro“. Die Lektüre kann das Pendeln schmackhaft machen.Foto: promo

Es gab ein schönes Parkhaus, wo meist genug Platz war. Die Bahnverbindung dorthin war eine Katastrophe, das nur zu meiner Entschuldigung. Irgendwann bemerkte ich jedoch zwei Dinge an mir: Mein Körpergewicht stieg stetig an und meine sonst natürlich gute Laune kam bei der Anfahrt ins Büro abhanden. Schuld daran war der morgendliche gut sechs Kilometer lange Stau nach Darmstadt.

Eines Tages fiel mir ein, dass ich eigentlich Radfahrer bin. Die Strecke könnte ich der Gewichtsoptimierung und Gemütsverfassung wegen auch mit dem Rennrad in Angriff nehmen. Sie sollte in einer Stunde leicht zu schaffen sein. Das stellte sich leider als Trugschluss heraus.

Ich kann mich noch genau an die erste Tour erinnern. Die drei Hügel, die es auf dem Weg zur Arbeit zu überwinden galt, kamen mir im Auto viel flacher vor als nun auf dem Rad. Im Bürogebäude angekommen, brauchte ich einige Zeit, bis die rote Farbe aus dem Gesicht verschwunden war. Als ich das Duschen beendete, waren die Hände jedenfalls ganz faltig.

Am Ende nur acht Minuten langsamer als mit dem Auto

Nun hieß es noch, ganz locker in die Redaktion zu spazieren, so zu tun, als wenn das nun wirklich nicht anstrengend gewesen sei und sich von den Kollegen ob dieser Leistung feiern zu lassen. Das klappte alles prima. Bis heute habe ich jedoch die Vermutung, dass man mir die Anstrengung angesehen hat.

An den Rückweg am gleichen Tag habe ich kaum noch Erinnerungen. Er dauerte deutlich länger, auch weil ich eine etwas andere Strecke gefahren bin, die vermeintlich flacher sein sollte. Irgendwie muss ich zu Hause angekommen sein.

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Nichtsdestotrotz, der Ehrgeiz war geweckt. Ich fuhr nun öfter mit dem Rad ins Büro und bekam sogar einen eigenen Spind. Es machte richtig Spaß. Als langsam die Formkurve stieg und sich das Gewicht verringerte, wurde ich auch schneller. Am Ende war ich morgens zur Rush-Hour mit dem Rad gerade einmal acht Minuten langsamer als mit dem Auto.

Das Buch, das mir der Freund gegeben hat, habe ich gern gelesen. Es ist sowohl für Neu-Pendler als auch für Fortgeschrittene zu empfehlen. Der Autor Matthias Dietz hat das Thema mit viel Liebe zum Detail behandelt. Den einen oder anderen Tipp würde ich auf jeden Fall einmal probieren, sollte ich jemals wieder mit dem Rad zur Arbeit fahren.

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