Reformideen des 1. FC Union : Die Bundesliga-Kollegen warten lieber erstmal ab

Die Reformvorschläge des 1. FC Union Berlin rufen zurückhaltende und ablehnende Reaktionen hervor.

An allen vorbei. Unions Mittelfeldspieler Grischa Prömel dribbelte sich in den vergangenen Wochen erfolgreich durch die Gegner hindurch – die Klubführung des Tabellenzweiten der Zweiten Liga veröffentlichte am Mittwoch ein Positionspapier.
An allen vorbei. Unions Mittelfeldspieler Grischa Prömel dribbelte sich in den vergangenen Wochen erfolgreich durch die Gegner...Foto: dpa

Um das große Ganze geht es dem 1. FC Union. Mit dem Positionspapier, das der Zweitligist am Mittwoch veröffentlicht hat, wollen die Köpenicker tiefgreifende Veränderungen anstoßen. Dazu gehört eine Aufstockung der Bundesliga und der Zweiten Liga auf jeweils 20 Mannschaften sowie Play-off-Spiele um den Aufstieg. Außerdem spricht sich Union für eine Begrenzung der Spielergehälter und der Zahl von Leihspielern aus – und fordert eine neue Verteilung der Fernsehgelder.

Das sind weitreichende Vorschläge, die in der Branche einige überrascht haben. Welche Rückmeldungen der 1. FC Union auf den Vorstoß direkt erhalten hat, bleibt vorerst unklar. Klubpräsident Dirk Zingler, der das Papier mitunterschrieben hatte, wollte sich am Donnerstag zunächst nicht weiter dazu äußern. Zu einer von Zinglers Ideen gab dann aber Grischa Prömel nach dem Training seine Sicht der Dinge preis. Der Mittelfeldspieler zeigte sich von einer Aufstockung auf 20 Vereine nicht unbedingt begeistert. Und das nicht etwa, weil dann mit vier zusätzlichen Spieltagen die Belastung für ihn und seine Kollegen größer sei. „Die Spiele machen es nicht unbedingt aus“, betonte Prömel. „Wir sind mit 18 Mannschaften aber immer gut gefahren. Ich finde es irgendwann auch übertrieben, wenn am Samstag dann acht Begegnungen sind, das ist zu viel.“

Aus den Fußball-Kreisen, die schließlich statt der Spieler über fundamentale Neuerungen entscheiden, fielen die offiziellen Reaktionen zu Unions „Kurswechsel für den deutschen Profifußball“ eher verhalten aus, auch bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Dort wird derzeit mit den Vereinen über eine Strukturreform der DFL diskutiert. Die Klubs sollen mehr Entscheidungsgewalt erhalten, hätten aber auch mehr Verpflichtungen. Zudem soll das DFL-Präsidium abgeschafft werden. Zu den Ideen von Union teilte ein DFL-Sprecher dem Tagesspiegel mit: „Der aktuelle Strukturprozess für die DFL wird von dessen Mitgliedern, den 36 Klubs der Bundesliga und Zweiten Liga, durchgeführt. Vorschläge, die in diesem Zusammenhang eingebracht werden, sollten auch in dieser Runde besprochen werden.“

Gladbachs Eberl kritisiert Unions Vorstoß

Die Reformdebatten in der DFL hat Union zum Anlass für die eigene Initiative genommen. Wobei die Köpenicker Vorschläge eher wenig mit den konkret angedachten Gremienänderungen innerhalb der DFL zu tun haben. Es sind grundsätzliche Thesen, die weit über die aktuellen DFL-Diskussionen hinausgehen. Eben weil die Anstöße von Union so umfassend und grundsätzlich sind, hielt sich Hertha-Manager Michael Preetz zunächst mit einem klaren Kommentar zurück. „Wir werden uns inhaltlich damit auseinander setzen“, sagte er am Donnerstag.

Deutlicher wurde da sein Mönchengladbacher Kollege. „Wir sollten uns lieber zusammen Gedanken machen, bevor einzelne Vereine Positionspapiere rausschicken. Das ist kontraproduktiv“, sagte Max Eberl. Er ergänzte, das Papier noch nicht gelesen zu haben. „Es ist doch sehr umfangreich.“ Deshalb wollte er sich inhaltlich nur bedingt äußern. „Aber wir machen uns sowieso alle Gedanken“, sagte der 45-Jährige: „Die Fifa sucht gerade in einer Task Force neue Regularien in Bezug auf Leihspieler. Und im Fall der Gehaltsobergrenze müssen wir uns fragen, ob wir in unserem Mikrokosmos Fußball eigene Gesetze einführen, die vor ordentlichen Gerichten vielleicht nicht standhalten.“

Auch der Dortmunder Manager Michael Zorc hält die Thesen für schwer umsetzbar. „Ich habe das Papier noch nicht ganz gelesen“, sagte er. „Aber grundsätzlich sehe ich die Struktur, die wir haben, als erhaltenswert an.“ Überhaupt dürften die großen Vereine wie Borussia Dortmund, Bayern München und Schalke 04 einer Aufstockung der Ligen sowie einer neuen Verteilung der Fernsehgelder kaum zustimmen. Mehr Spieltermine würden eine kürzere Saisonvorbereitung bedeuten und den Top-Klubs weniger lukrative Testspiele bescheren. Und dass erfolgreiche Vereine darauf verzichten, die TV-Gelder nicht mehr an die Tabellenposition zu koppeln, scheint ebenso schwer vorstellbar.

Große Reformentwürfe für die Bundesliga hatten es innerhalb der Profiklubs in vergangenen Jahren immer schwer. So wurden Vorschläge zur Aufstockung der Liga schon 2010 abgeschmettert. Heribert Bruchhagen, damals Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, hatte bei der DFL-Mitgliederversammlung einen Antrag auf 20 Klubs gestellt. Doch er wurde mit 6:12-Stimmen abgelehnt. Vor drei Jahren hatte Christian Heidel, noch als Manager des FSV Mainz 05, sich für 20 Klubs ausgesprochen. Aber auch dieser Vorstoß wurde von den anderen Erstligisten schnell abmoderiert. Mittlerweile ist Heidel Sportvorstand bei Schalke 04. Für einen Kommentar zu Unions Plänen war er am Donnerstag nicht zu erreichen.

Aber vielleicht erhält Union noch Rückenwind, wenn alle Klubverantwortlichen das Positionspapier gelesen haben.

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