• Revierderby in der Bundesliga: 4:4 nach 0:4 – Schalke 04 stürzt den BVB tief in die Krise
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Revierderby in der Bundesliga : 4:4 nach 0:4 – Schalke 04 stürzt den BVB tief in die Krise

Nach 25 Minuten führt Borussia Dortmund 4:0, nach der Pause dreht Schalke 04 aber auf und gleicht in der Nachspielzeit eines verrückten Derbys durch Naldo aus.

Da ist das Ding. Naldo köpft in der Nachspielzeit das 4:4 für den FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund.
Da ist das Ding. Naldo köpft in der Nachspielzeit das 4:4 für den FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund.Foto: REUTERS/Leon Kuegeler

Das unglaubliche Spiel war seit einigen Sekunden beendet. Die Schalker Ralf Fährmann und Leon Goretzka feierten das 4:4 bei Borussia Dortmund wie einen Sieg. Natürlich taten sie das. Schließlich hatte Schalke in der Fußball-Bundesliga auf sensationelle Art und Weise einen 0:4-Pausenrückstand aufgeholt. Aber das Duo feierte vor der Südtribüne und das gefiel Dortmunds Nuri Sahin nun überhaupt nicht. Es kam zu einer Rangelei des Dortmunder Mittelfeldspielers mit Torwart Fährmann und einer anschließenden Rudelbildung, an der sich auch Auswechselspieler beteiligten. Die Aufregung legte sich erst nach einigen Minuten. Fährmann zeigte sich im Anschluss reumütig: „Das darf nie passieren. Dafür will ich mich entschuldigen.“

Als die BVB-Spieler dann zu ihren Fans wollten, schlug ihnen ein lautes Pfeifkonzert entgegen. Der historische Einbruch des Teams, das die komfortable Führung im Derby gegen den ewigen Rivalen leichtfertig verspielte, versetzte den Anhang in Aufruhr. Die Geduld ist nach nur einem Sieg in zehn Spielen endgültig aufgebraucht.

Sahin äußerte Verständnis für die wütenden Reaktionen von den Rängen: „Die Pfiffe waren absolut berechtigt. Die Fans haben in den vergangenen Wochen die Füße still gehalten und uns immer unterstützt.“ Trainer Peter Bosz sagte: „Man fühlt im Körper nur Enttäuschung. Das darf nicht passieren. Es ist schwer, das zu verkraften.“

Das Spiel gegen Schalke war ein Spiegelbild des bisherigen Saisonverlaufs mit dem besten Start der Vereinsgeschichte und einer denkwürdigen Talfahrt. Nach einem beeindruckenden Sturmlauf und den frühen Toren von Pierre-Emerick Aubameyang, dem Eigentor von Benjamin Stambouli sowie Treffern von Mario Götze und Raphael Guerreiro stand es 4:0. Nach gerade einmal 25 Minuten. Dortmund schien sich aus der Krise der vergangenen Wochen direkt in einen Rausch zu spielen. Der Rest des Spiels: ein Schaulaufen. So war jedenfalls der Eindruck zu diesem Zeitpunkt. „Die haben uns an die Wand gespielt“, sagte Schalkes Trainer Domenico Tedesco später, „da ist es nicht einfach, dagegen zu halten.“

BVB-Trainer Bosz will nicht aufgeben

Dann kam die zweite Halbzeit. Ein Horrorfilm für die Dortmunder, ein Traum für die Schalker. Zum wiederholten Male brach der BVB in der zweiten Halbzeit völlig ein und bestärkte damit all jene Kritiker, die seit Wochen an der Fitness der Profis und damit an der Arbeit von Bosz zweifeln. Die Diskussionen um die Zukunft des Niederländers werden weiter zunehmen. Bosz selbst gab sich kämpferisch: „Ich werde nie aufgeben. Das habe ich schon als Profi nicht getan.“

Zunächst deutete wenig auf die sensationelle Wendung hin. Das Tor von Schalkes Naldo fand wegen einer Abseitsposition keine Anerkennung. Dann vergab Aubameyang erst die Riesenchance zum 5:0 und flog später mit Gelb-Rot vom Platz. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gäste bereits Tore durch Guido Burgstaller und Amine Harit erzielt. Daniel Caliguiri schaffte vier Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit den Anschlusstreffer. Kurz danach wurde die Nachspielzeit angezeigt: sieben Minuten. Auch Schalke war nur noch zu zehnt, weil sich Harit verletzt hatte, das Wechselkontingent aber ausgeschöpft war. Die Hälfte der sieben Minuten war rum, als Naldo mit dem Kopf traf.

„Ich habe in der Halbzeit niemals daran geglaubt und den vierten Offiziellen bereits nach 25 Minuten gefragt, ob wir heute nur 70 Minuten spielen dürfen“, sagte Trainer Tedesco. Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies kommentierte: „Das war mein 50. Derby – und mein verrücktestes.“ Die Aussage kam wenig überraschend.

In der Tabelle bringt auch dieses Unentschieden nur einen Punkt, in der Schalker Gefühlswert war es viel mehr wert. „Wir haben gewonnen“, jubelte Mittelfeldspieler Goretzka. In der Geschichte der Bundesliga war es erst einmal einer Mannschaft gelungen, ein 0:4 aufzuholen. Der FC Bayern gewann 1976 beim VfL Bochum sogar 6:5. (Tsp/dpa)

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