Saisonabschluss von Alba Berlin : Party ohne Pokale

Die feierliche Atmosphäre stimmte beim Saisonabschluss von Berlins Basketballern. Nur ein Pokal fehlte irgendwie. Ein Ortstermin.

Die Spieler von Alba präsentieren sich zum Saisonabschluss noch einmal ihren Fans.
Die Spieler von Alba präsentieren sich zum Saisonabschluss noch einmal ihren Fans.Foto: Martin Einsiedler

Marco Baldi war gut drauf. Der Manager des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin machte am Dienstag ein paar Faxen, als er die Bühne betrat. Erst kniff er Albas Maskottchen in den Schnabel, dann bedeutete er den rund 300 Anhängern vor der Arena am Ostbahnhof, dass Albas Sportdirektor Himar Ojeda wohl ein paar Bier zuviel getrunken habe. Der hatte gesagt: „Marco Baldi ist in der Welt des Basketballs der Beste, den ich jemals getroffen habe.“ Die Fans jubelten. Schon zuvor hatten sie immer wieder ein langgezogenes „Luuuke“ skandiert, als eben jener Luke Sikma verkündete, dass Berlin für ihn zu einem zweiten Zuhause geworden sei.

Die Atmosphäre, das Setting – bei dieser Abschlussfeier konnte es sich doch nur um eine mit Titeln gespickte Saison handeln. Tat es aber nicht. Zur Erinnerung: Alba stand in dieser Spielzeit gleich in drei Finals, die allesamt – teilweise recht dramatisch – verloren gingen. Also war am Dienstagabend nicht nur, wie von Baldi angedeutet, Ojeda, sondern auch Baldi selbst betrunken oder was war hier los?

Tatsächlich dürfte wenig Alkohol im Spiel gewesen sein und die beiden Verantwortlichen wollten wohl auch nicht die Enttäuschung künstlich überspielen. Die gute Laune war echt und sie rührte daher, dass die Berliner nach einigen enttäuschenden Jahren nun schon zum zweiten Mal in Folge dicht dran waren am Titel und sich zudem für die Euroleague qualifizierten. Nur Bayern München war immer etwas besser. „Wir werden wahrscheinlich auch in den nächsten zwanzig Jahren nicht ansatzweise so viel Geld haben wie die Bayern“, rief Baldi von der Bühne herunter. „Aber wir haben eine Idee, die uns trägt und die uns wettbewerbsfähig macht.“

Die Idee lautet, selbst Spieler zu entwickeln. Der ideale Mann dafür ist Albas Trainer Aito Garcia Reneses. Doch noch ist nicht ausgemacht, ob der Spanier in Berlin bleibt. Der 72-Jährige muss beide Augen operieren lassen. Laut Baldi handelt es sich dabei um einen Routineeingriff. Reneses aber gab an, dass er erst einmal die Operationen abwarten wolle. Spannend ist zudem die Frage, ob Albas größtes Talent, der 17 Jahre alte Franz Wagner den Berlinern erhalten bleibt. Er liebäugelt mit einem Wechsel an die University of Michigan, wo auch sein Bruder Moritz Wagner einst spielte. Noch ist nichts entschieden. „Ich werde auf meinen Bauch hören “, sagte Franz Wagner. Ein paar Meter entfernt stand Marco Baldi mit einem Bier in der Hand und lächelte selig. Vielleicht hatte er doch einen Kleinen im Tee.

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